Razzia – bewaffnete Polizei stürmt beliebten Lissaboner Club

Razzia – bewaffnete Polizei stürmt beliebten Lissaboner Club / Bild von Rafael da Cruz Ferreira

Immer öfters kommt es in Club- und Kultur-Locations zu radikalen Polizei-Razzien. Nachdem es jüngst als übergriffig gewertete Polizeieinsätze in Clubs in Bratislava, Slowakei, gegeben hatte, hat es dieses Mal das Planeta Manas in Lissabon getroffen.

Die Polizei stürmte die Location in der portugiesischen Hauptstadt vermummt und bewaffnet. Vergangenen Freitag lud das Planeta Manas, ein gemeinschaftsorientierter Kulturraum am Stadtrand, der durch die Kollektive Rádio Quântica und mina betrieben wird, zu einer für sieben Stunden angesetzten Clubnacht mit kostenlosem Eintritt ein. Gemeinsam mit der Filmproduktionsfirma Terratreme Filmes, die einen Dokumentarfilm über Nachtcharaktere gedreht hat, die zwischen Dunkelheit und Licht ihr Leben intensiv ausleben, stellten die betreibenden Kollektive ein auserkorenes Line-up auf die Beine, das einen besonderen Abend versprach. Auf der Veranstaltung Noite Em Branco sollten etwa Phoebe, Lian:E, Bleid und Puta Híbrida.

Den kostenlosen Eintritt nutzten auch bewaffnete Polizisten, allerdings in anderer Form. Sie stürmten das Kultur-Event und sorgten für das Ende der Clubnacht. Alle Gäste mussten die Lokalität verlassen, nachdem sie einzeln von den Beamten durchsucht wurden. Die Polizei, die laut der Instagram-Seite des Planeta Manas im Dutzend mit „einer schnellen Eingreiftruppe, bewaffnet und vermummt, in (…) (den) Kulturverein eingedrungen“ ist, behauptet einen Durchsuchungsbefehl gehabt zu haben.

Das Planeta Manas und Terratreme Filmes äußerten sich in einem gemeinsamen Statement auf Instagram und werteten den Eingriff als „direkte()(n) Angriff auf die Freiheit der künstlerischen Meinungsäußerung“, die die Kollektive durch ihre Kulturarbeit „jeden Tag verteidig(t)en“ und dafür kämpften“. Die gute Nachricht: Verhaftungen gab es keine. Der Club wird weiterhin normal geöffnet sein.

Trotzdem hinterlässt das offenbar gewaltsame Vorgehen der Polizei einen Beigeschmack, der Raum für politische Diskussionen, auch für Kultur-Locations hierzulande, lässt. Immerhin könnte der Generalverdacht aller Besuchenden Traumata bei diesen hinterlassen, das Ansehen der Popkultur-Branche und von Musikstätten schaden und für diese mit einem enormen wirtschaftlichen Schaden einhergehen und das, nachdem es die Branche nach der Covid-19-Pandemie und aufgrund von steigenden Betriebskosten eh schon schwer hat.

Quelle: Resident Advisor, Instagram

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