Schallschutz: Bund fördert Distillery, Tresor & Atomino

Die Bundesregierung unterstützt zahlreiche Musikspielstätten mit einem neuen Schallschutzprogramm.

Im Rahmen des Bundesschallschutzprogramms erhalten 43 Clubs und Festivals finanzielle Förderung, darunter bekannte Institutionen der elektronischen Musik wie die Distillery in Leipzig, der Tresor in Berlin und das Atomino in Chemnitz.

Für das Pilotprogramm stellt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen insgesamt drei Millionen Euro bereit. Ziel ist es, Musikspielstätten und Festivals zu unterstützen, die aufgrund von Lärmbeschwerden von Schließung oder erheblichen Einschränkungen bedroht sind.

Das Interesse an dem Programm war groß. Insgesamt gingen 136 Interessensbekundungen ein. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden schließlich 43 Projekte ausgewählt. Grundlage waren die fachliche Bewertung der LiveMusikKommission sowie die Einschätzung eines unabhängigen Schallschutzgutachters.

Gefördert werden sowohl bauliche als auch technische Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Schallschutzwände und Schallschutzdecken im Innen- und Außenbereich, die Optimierung bestehender Beschallungssysteme, Active-Noise-Cancelling-Lösungen sowie Schallschutzgutachten.

Darüber hinaus sind moderierte Dialogformate zwischen Veranstaltern und Anwohnern vorgesehen. Zu den geförderten Spielstätten zählen neben den genannten Venues auch der Blitz Club in München, Tresor.West, der Goethebunker aus Essen sowie der Hafen 49 in Ludwigshafen.

Insgesamt verteilen sich die ausgewählten Projekte auf 13 Bundesländer und umfassen sowohl urbane als auch ländliche Regionen sowie unterschiedliche Musikrichtungen. Die Förderung erfolgt in einer Zeit, in der zahlreiche Clubs unter wirtschaftlichem und städtebaulichem Druck stehen.

Nach Angaben des Programms hat sich die Zahl der Clubs in Deutschland innerhalb der vergangenen zehn Jahre nahezu halbiert. Als Ursachen werden steigende Kosten, höhere Gewerbemieten, rückläufige Umsätze und zunehmende Konflikte durch städtebauliche Nachverdichtung genannt.

Bundesbauministerin Verena Hubertz betont die gesellschaftliche Bedeutung von Musikorten. „Ohne Kultur ist unsere Gesellschaft ärmer. Und Musik als Teil davon berührt uns und verbindet, gerade in Zeiten, in denen ein Miteinander wichtig ist.“

Gleichzeitig müsse das Zusammenleben von Veranstaltungsorten und Anwohnern funktionieren. „Damit das gelingt, brauchen wir guten Schallschutz.“ Das Programm soll genau diesen Ausgleich schaffen.

„Wir zeigen mit neuen, innovativen Ansätzen, dass genau dieses Miteinander möglich ist“, erklärt Hubertz. Musikorte könnten bestehen bleiben, ohne dass Anwohner belastet würden. Das Pilotprogramm richte sich deshalb gezielt an Einrichtungen, die ohne bessere Schallschutzmaßnahmen vor dem Aus stehen.

Auch Katja Lucker, Geschäftsführerin der Initiative Musik, unterstreicht die Bedeutung der Förderung. „Musikclubs und Festivals sind lebendige Orte, an denen Gemeinschaft entsteht und Kultur erfahrbar wird. Doch ohne wirksamen Schallschutz stehen viele von ihnen auf dem Spiel.“

Das Bundesschallschutzprogramm setzt damit einen weiteren kulturpolitischen Akzent. Bereits 2021 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, Musikclubs im Baurecht nicht länger als reine Vergnügungsstätten, sondern als Anlagen kultureller Zwecke einzustufen.

Quelle: Loop Rituals / BMWSB

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