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Im April 2014 entluden sich in der Ukraine die Spannungen, die durch Revolution und Annexion der Krim entstanden sind. Der Osten des Landes erklärte sich unabhängig, mit Unterstützung von Russland herrscht seit über einem Jahr Bürgerkrieg. Wie beeinflusst das Künstler in der Ukraine? Vyacheslav Sen und Maxim Zaiets leiten gemeinsam das Label Sex Panda White, auf dem bereits Purple Disco Machine, Pete Dorling, Kolombo, FatSushi, Kyle Watson, Kevin Over und David Jach Tracks und Remixe veröffentlichten.

Wenn man sich die Frequenz eurer Releases anschaut, könnte man meinen, dass die Krise in der Ukraine keinen großen Einfluss auf euer Label hat. Was hat sich für euch im letzten Jahr geändert?

Maxim: Wenn sich die komplette Situation in der Ukraine anschaut, die sich hier seit Ende 2013 entwickelt hat, dann hat sich das Leben von jedem Ukrainer geändert. Wir sind in Poltava, zwischen den zwei großen Städten Kiew und Kharkov, und hier ist es ruhig. Etwas, das wir nicht über den Osten der Ukraine um Donezk und Luhansk sagen können. Dort passieren täglich Kriegshandlungen. Das Leben geht weiter, und wir sind dankbar für all unsere Freunde und befreundeten Künstler, die ihre Meinung in diesen harten Zeiten ausdrücken.

Vyacheslav: Als Musiker und Labelbesitzer haben wir uns darauf verständigt, nicht direkt alle Nachrichten zu diskutieren, die tagsüber im Ticker erscheinen, da es sich sehr destruktiv auf den kreativen Prozess und das Labelgeschäft auswirkt. Aber der Rest ist ziemlich gleich geblieben, viel arbeiten unter der Woche und am Wochenende auflegen.

Seid ihr persönlich vom Bürgerkrieg betroffen?

Vyacheslav: Zum Glück nicht. Wir sind 200 km von den Konfliktplätzen entfernt. Ich habe Verwandte, die in Lugansk wohnen. Glücklicherweise ist es dort in letzte Zeit ruhiger geworden. Daher bin ich immer froh, wenn ich mit ihnen telefoniere. In Deutschland gibt es viel absichtlich verursachte Verwirrung über die Eskalation der Krise. Seid ihr von der Politik desillusioniert?

Maxim: Viele unbestätigte Informationen erscheinen über eine Vielzahl von medialen Kanälen, daher müssen wir sehr wählerisch sein und Quellen vertrauen, die wir als bestätigt und wahr ansehen. Es ist eher offensichtlich, dass wenn ein Konflikt im Osten aufkommt, der ursprüngliche Grund für den Krieg auch dort ist. Das ist aber auch der Grund, warum wir Musik und Politik trennen möchten. Musik sollte Menschen in harten Zeiten zusammenbringen, nicht Kontroversen befeuern.

Wie ändert sich eine künstlerische Vision in solch einer Zeit? Beeinflussen die politischen Events die Musik, die ihr auf Sex Panda White herausbringt?

Vyacheslav: Für uns ist künstlerischer Ausdruck etwas, das von allem beeinflusst wird, das dich umgibt. Es spricht für sich selbst, wenn du Musik produzierst. Manchmal wird es eher düster, manchmal locker – du kannst nicht wissen, wo es hingeht.

Maxim: Wie schon gesagt, Politik ist etwas, das wir nicht mit Veröffentlichungen auf Sex Panda White verbinden möchten. Einfach nur gute Musik, das ist alles, was wir unseren Fans liefern möchten.

MTTWie sieht die Szene für elektronische Musik in der Ukraine aus? Gibt es nennenswerte Clubs und Städte?

Maxim: Wir können nicht sagen, dass das ganze Land hinter elektronischer Musik steht. Die meisten Clubs hier in der Ukraine folgen der Pop-Musik, anstatt einen gut entwickelten Platz für House und Techno zu etablieren. Aber es gibt im ganzen Land immer Plätze, an denen man guten Sound bekommt. Zum einen ist da Kiew, dort gibt es viele Clubs und Bars.

The Lab ist ein Club, der 2013 angefangen hat und sich schnell etabliert hat. Es war auch der Laden, an dem die elfte Kiss FM Geburtstagsfeier mit Steve Lawler, Seth Troxler und Marceo Plex stattfand. Zudem spielten hier bereits DJ Hell, Fairmont, Tiefschwarz, Raz Ohara, Jay Haze, Noze, Martin Buttrich und Wareika. Ein hervorragender Laden mit hervorragender Atmosphäre.

Für House gibt es den Decadance Club. Seit zwei Jahren bringt der Club internationale Acts wie Pete Tong, Roger Sanchez, Dennis Ferrer, Felix Da Housecat, Azari & III, Pirupa, Tube & Berger, Karmon, Finnebassen und viele andere ins Land. Der Stil ist sehr breit, aber man weiß, was einen drinnen erwartet.

Vyacheslav: Kharkov, eine andere große ukrainische Stadt, kann auch stolz auf einige Orte mit guten Events sein.
Der älteste und spirituellste Ort ist die Opium Party Bar. Hier waren schon viele Künstler wie Jimpster, Huxley, And.ID, DJ T., Mihai Popoviciu, Audiofly und Blond:ish zu Gast. Die Aufmachung der Bar ist sehr interessant, die DJs müssen auf einem weißen Piano in der Mitte des Clubs auflegen. Ich erinnere mich noch daran, wie Lee Jones vom Watergate sagte: „Ich habe in meinem Leben schon Klavier gespielt, aber noch niemals auf einem Klavier im Club.“

Moon Room ist ein anderer Club in Kharkov, der sehr reizend ist. Hier waren unter anderem schon dOP, Phonique, The Martinez Brothers, Zoo Brazil, Tone Of Arc und Ost & Kjex.

Was steht bei euch jetzt in den nächsten Wochen und Monaten an?

Maxim: Von uns kommen demnächst einige Releases, sowohl auf dem Label als auch von uns. Wir haben auf Sex Panda White gerade eine EP von Steve Cook mit Remixen von David Duriez und Ranacat herausgebracht. Wir sind glücklich, dass wir es mit dem Release auf die erste Seite bei Beatport geschafft haben. Zusätzlich haben wir eine EP von Brett Gould mit einem Remix von Superlover sowie eine Platte von FunkyFat anstehen. Und bald kommt eine neue 12Inch, bleibt also am Ball.

Vyacheslav: Wir selbst haben eine EP auf King Street Sounds anstehen, mit zwei Vocal-Stücken mit Aston Martinez und Maurice Marshall sowie einigen Remixern. Und sicher geht es wieder oft auf Tour durch die Ukraine mit Kiss FM Events.

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