
Der Dortmunder Club Tresor.West hat eine Diskussion über seinen eigenen Standort angestoßen.
In einem aktuellen Beitrag unter dem Titel „Clubkultur braucht Infrastruktur“ thematisiert das Team Probleme rund um Anreise, Sicherheit und Erreichbarkeit und bittet die eigene Community um Rückmeldungen.
Der Club ist bekannt dafür, Herausforderungen öffentlich zu kommunizieren. Über Statements, Social-Media-Updates und Aktionen wie Community Nights mit freiem Eintritt spricht das Team regelmäßig über finanzielle Schwierigkeiten und über die Auswirkungen des „massiven Clubsterbens“.
Dabei verfolgt der Club bewusst eine transparente Strategie. Anstatt Probleme intern zu behandeln, werden Gäste aktiv einbezogen. Auf diese Weise soll das Gemeinschaftsgefühl rund um den Club und seine Besucher gestärkt werden.
Im aktuellen Statement blickt das Team zunächst auf die Entstehungsgeschichte des Standorts zurück. „2017 wurde unser Club in den alten Industriehallen auf Phoenix-West gebaut, um Techno-Kultur und die Industriekultur des Ruhrgebiets zu verbinden.“
Der Standort habe mehrere Vorteile. „Neben der Geschichte des Gebäudes und der eindrücklichen Umgebung ist auch die Entfernung zu Wohngebieten vorteilhaft.“ Gleichzeitig bringe die Lage laut Club auch Herausforderungen mit sich.
Ein abgelegener Standort bedeute auch, „dass die An- und Abreise kompliziert sein kann – die Anbindung durch Bus und Bahn wird uns von unseren Gäst*innen oft als suboptimal gespiegelt.“ Viele Besucher müssten deshalb auf andere Verkehrsmittel ausweichen.
„Das Ausweichen auf Taxis und Uber ist oft notwendig, stellt aber keine kostengünstige oder ökologisch nachhaltige Option dar.“ Neben finanziellen und ökologischen Aspekten spielt auch das Sicherheitsgefühl eine Rolle. „Auch kann sie mit Unwohlsein einhergehen.“
Das Team sieht darin ein Problem für die eigenen Ansprüche an Clubkultur. „Die aktuelle Situation behindert unsere Mühen, weiterhin einen sichereren und niedrigschwellig zugänglichen Raum zu schaffen.“
Besonders der Weg zum Club wird teilweise kritisch wahrgenommen. „So wird auch vereinzelt der Weg durch ein dunkles Industriegebiet als potentieller Gefahrenraum wahrgenommen – und unsere Bemühungen, einen ‚Safer Space‘ zu schaffen, beginnen und enden nicht an der Tür.“
Um das Thema genauer zu untersuchen, hat der Club eine Umfrage gestartet. „Wir wollen das Problem angehen und haben daher in einem ersten Schritt eine Umfrage eingerichtet.“ Seit kurzer Zeit stünden dafür Tablets im Eingangsbereich des Clubs bereit.
Dabei fragt das Team gezielt nach Erfahrungen und Bedürfnissen der Besucher. „Welche Verkehrsmittel nutzt ihr? Wie sicher fühlt ihr euch dabei? Welche Wünsche und Ideen habt ihr?“ Die Ergebnisse sollen anschließend öffentlich ausgewertet werden.
Mit diesem Ansatz positioniert sich Tresor.West bewusst als Community-orientiertes Projekt innerhalb der Clubkultur. Die offene Kommunikation über strukturelle Probleme gilt inzwischen als Beispiel dafür, wie Clubs über das reine Partyprogramm hinaus als gemeinschaftliche Räume funktionieren können.
Die Community selbst nimmt diese Updates nicht nur dankend an, sondern beteiligt sich u. a. auch an Ideen für mögliche Lösungsansätzen. So fragt beispielsweise ein User auf Instagram in den Kommentarspalten zum Beitrag:
„Wie wäre es mit der Möglichkeit, im Club etwas Geld zu spenden, um Menschen zu unterstützen, die sich auf dem Heimweg unsicher fühlen und sich kein Uber oder Taxi leisten können, um sicher nach Hause zu kommen?“
Wiederum andere bringen „Club Shuttles“ ins Spiel oder kritisieren die abschreckende Polizeipräsenz am Dortmunder Hbf. Ein User schreibt: „Einfach nur Dankeschön, dass ihr an eure Community denkt.“
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