
Es gibt Künstler*innen, die sich mit Farben austoben. Und es gibt Künstler*innen, die sich kreativ mit Musik ausdrücken. Für den britischen Senkrechtstarter Sonnee ist Musik Ersteres – „wie Farbe an die Wand werfen“. Des Weiteren verpackt der in London lebende Produzent und DJ Emotionen in dieser Kunst – eine Kunst, die von Textur lebt.
Drei Singles veröffentlichte Charlie Mannion, so der bürgerliche Name von Sonnee, bereits über Warner – Zeit für eine EP. Mit „Innershy“ erschien diese auch aktuell. Für den Kreativkopf dahinter fühlen sich die Releases auf einem Major-Label irgendwo „genauso an wie immer“ – gleichzeitig fühle er sich auch äußerst geehrt. Doch was ihm viel wichtiger sei: Er hofft, dass sich die Menschen mit seiner Musik verbinden können. Das ist es nämlich, was für Sonnee im Vordergrund steht: die Emotionen, die er durch Musik vermittelt und die er selbst spürt.
Wenn man bedenkt, dass seine ersten Gedanken daran, eigene Musik zu produzieren, durch gecrackte Versionen von FL Studio, die seine Brüder hatten, im Alter von 14 Jahren kamen, ist das bis hin zu den Veröffentlichungen bei Warner ein riesiger Schritt – einer, den sich Sonnee selbst erarbeitet hat: „Mit 19 Jahren habe ich dann ganz spontan zu einem meiner Brüder gesagt: ,Ich werde Musikproduzent.‘ Und ab diesem Moment war ich voll dabei. Wenn ich heute zurückblicke, wirkt das total verrückt.“ Ohne Team oder Label dahinter kamen die ersten offiziellen Releases über das Musikvertriebslabel DistroKid. Ohne Erfahrung kümmerte sich Sonnee alleine um PR, Promo und Artwork. Dann ein Gatekeeper: Einer seiner Tracks fand redaktionelle Unterstützung. Dadurch konnte sich der damals „ziemlich abgebrannte Student“, so die Eigenbeschreibung, einen neuen Laptop, ein Klavier und Essen kaufen.
Sonnee während einer seiner Studio-Sessions:
Inzwischen hat Sonnee nicht nur einen Deal mit Warner, sondern auch seine eigene Club-Reihe SOLAA, die am 8. August im Hootananny Brixton in London gastiert – sein bisher größter Gig. Das dürfte Sonnee in der kommenden Zeit wohl jedoch noch steigern – auch international. Ob er demnächst auch in Deutschland spiele? „Es gibt definitiv Pläne, bald nach Deutschland zu kommen – früher, als ihr vielleicht denkt.“
Bis es so weit ist, können sich die Hörerinnen und Hörer hierzulande erst einmal mit der veröffentlichten Musik Sonnees vergnügen. Diese fällt übrigens sehr vielfältig aus. Es geht dem Künstler um das Gefühl, nicht um ein bestimmtes Genre. Der Track „Pollen“ auf der aktuellen EP changiert etwa irgendwo zwischen Deep-House, Uplifting Vocal-Trance und Pop. „Heartfalls“ geht ein wenig in die Afro-House-Richtung, aber mit einer ganz starken Eigenmarke.
Diese Eigenmarke steckt unter anderem sogar schon im Namen des Künstlers. Seine Eltern schwankten zwischen Charlie und Sonny. Sonny blieb trotz seines bürgerlichen Namens – und manifestiert sich jetzt in seiner Musik.
Apropos Musik: Wir haben Sonnee gefragt, welcher der drei Tracks auf seiner aktuellen EP „Innershy“ ihm am besten gefalle. Seine Antwort: „Jeder Track steht für etwas anderes. Vielleicht ,u+i‘?“ Er hält inne – es könne auch daran liegen, dass er den Track als Letztes produziert habe. Sonnee weiter: „‘Pollen‘ gefällt mir sehr wegen der Welt, in der der Track lebt, und bei ,Heartfalls‘ liebe ich die Lyrics und bin stolz auf das Sounddesign der Synths.“ Wir empfehlen, selbst mal reinzuhören und zu entscheiden.
Doch wie kommt Sonnee überhaupt auf die Ideen zu seiner Musik, die energiegeladenen Clubsound mit emotionaler Tiefe verknüpft? „Ideen können von überall herkommen – ob es ein Sample ist, das eine besondere Textur hat oder ein Moment, den es einfängt. Ich gehe nie mit einem konkreten Plan ins Studio – es ist mehr ein ,Schauen, was passiert‘ und dem folgen, was mich begeistert.“ Ein Vollblutkünstler, der die Musik fühlt – auch wenn er dafür manchmal erst mal Farbe an die Wand werfen muss. Natürlich nur sinnbildlich – oder noch besser: akustisch.

Am 13. Juni 2025 ist die EP „innershy“ von Sonnee via Warner Music erschienen. Hier geht es zu den verschiedenen Portalen, auf denen das Release verfügbar ist.
Text: David Fuchs
Credit: WMG
www.instagram.com/verysonnee/
Aus dem FAZEmag 161/07.2025