
Anfang Mai öffnet die Superbooth immer ihre Pforten – und damit eine riesige Ausstellungsfläche allein für elektronische Musikinstrumente, Effekte und alles, was dazu gehört. In Deutschland gibt es sonst bei weitem nichts Vergleichbares. Deswegen sind auf der Superbooth auch wirklich alle relevanten Brands vertreten. Doch nicht nur die großen Player, auch kleinste Manufakturen aus aller Welt zeigen sehr innovative Tools fürs Studio und Live-Performen. Das macht die Auswahl der Tools sehr divers. Mehr als 150 Aussteller gibt es – damit ist die Messe auch ein riesiger Austausch zwischen Künstler*innen, Herstellenden und Vertrieben. Wobei – das Gendern könnte man sich leider noch so gut wie sparen, da immer noch deutlich mehr männlich gelesene Personen die Messe besuchen als alle anderen. Trotzdem zeigt der Trend hier einen deutlichen Zuwachs sowohl bei den Besucherzahlen als auch in den Angeboten für FLINTA-Personen. So gab es zum Beispiel jede Menge sehr überzeugende Modular-Workshops speziell für FLINTAs.
Auch in Bezug auf prominente Gäste hatte die Superbooth einiges zu bieten: Richie Hawtin präsentierte zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Erica Synths den Bullfrog Synthesizer, Schwarzmann – das Duo aus Hendrik Schwarz und Kristian Wiedemann – performte mit dem Korg Phase-8, und Ableton-Mitgründer Robert Henke alias Monolake bespielte die Seebühne. Neben All-Time-Classics wollen wir einen Rückblick auf die neuesten und interessantesten Tools werfen, die auf der Superbooth vorgestellt wurden.

Videosync 2.1
Das Team des Niederländers Jean-Paul Grobben hat eines der spannendsten VJ-Tools der letzten Zeit entwickelt – und zwar nicht nur wegen der Qualität der Effekte, sondern wegen der perfekten Einbindung in Ableton Live. Mit Videosync kann man Video in Ableton genauso behandeln wie Audio und es mit Markern, Racks oder Modulationen kontrollieren. Von außen sieht alles aus wie ganz normale interne Effekte, die in die Spuren miteinander geschichtet werden können. In Wirklichkeit kann man hier im 8K-Format alle möglichen Bildbearbeitungen von Bewegungen, Filtern, Generatoren und vielem mehr einbinden. Sogar einen Video-Simpler gibt es, mit dem man Videos per MIDI-Noten spielen kann. Alles wird sofort audioreaktiv, weil man aus jeder Audiospur Signale zum Modulieren bekommen kann. Auch wird die natürliche Grenze in Ableton von nur einem gleichzeitig laufenden Video mühelos überschritten. Mit Videosync kann man natürlich so viele Videos abspielen, wie man möchte. Im Endeffekt kann jeder, der Ableton beherrscht und ein gutes Auge für Visuals hat, sofort loslegen.

Cyma Forma RND
Der Synth mit einem Knopf hat mich während der Superbooth sehr beschäftigt. Denn es gab während der Ausstellung schon zwei bestimmende Eindrücke: Einerseits stellen viele Brands schon kleine Updates als großen Wurf dar, andererseits klingen manchmal auch ganz tolle, komplexe Modularsysteme – nun ja – eben nach einem Synthesizer. Wonach auch sonst? Und das wirft die Frage auf, was heutzutage einen guten Track ausmacht: tolles Sounddesign oder eher die Fähigkeit, mit guten Sounds toll, aber auch schnell umzugehen. Der RND von Cyma Forma bringt auf Knopfdruck – auf den einzigen Knopf – immer einen komplett zufälligen Sound heraus, den die interne Synth-Engine generiert hat. Das verlagert die Inspiration vielleicht sehr aufs Musikmachen selbst – und auch aufs Überraschtsein und Zuhören. Die Sounddemos klangen ziemlich cool – muss sich im längeren Test mal zeigen, wie die Soundpalette so ist, wenn man öfter draufdrückt.

Rodec Ministyler
In den 90ern und 2000ern waren Rodec-DJ-Mixer der absolute Standard-Mixer, den jeder Club hatte, weil alle DJs ihn wollten – weit vor DJMs oder der Xone-Serie. Nun sind die Belgier zurück mit wirklich gut klingenden Effekten in einem interessanten Format. So wurde zum Beispiel auf der Superbooth der Ministyler gezeigt, eine krasse Filterbank in Zusammenarbeit mit Sherman. Im ONE-Gehäuse sind die Effekte deutlich günstiger und moderner gestaltet und lassen sich auch perfekt in Modularsysteme einbetten. Zu meinen Favoriten wurde er, weil es ein relativ günstiger High-Class-Analogeffekt ist, der mit wenigen Parametern einfach krass klingt. Modeselektor & Co. benutzen ihn deswegen fortwährend im Studio und Live.

1010music Blackbox 2
1010music hat auf der Superbooth ein absolutes Beast zum Livespielen herausgehauen. Mit der Blackbox 2 hat man einen perfekten Bordcomputer für ein Liveset und ist damit seine DAW komplett los – sowohl als MIDI-Zentrum für alle Geräte, Sampler, Slicer oder auch einfach zum Abspielen von Einzelspuren. Dazu kommen noch einige Effekte, mit denen man Live-Performances nochmal deutlich drastischer gestalten kann. Die neue Version hat nochmal viel mehr Power für mehr Spuren, mehr Synthesizer und mehr Samples und ist derzeit ganz klar am interessantesten als Herzstück für ein Live-Set – zum einen wegen der unglaublich stabilen MIDI-Clock und zum anderen wegen des enorm spielerischen Workflows, mit dem man seine Tracks mitten im Set nochmal richtig transformieren kann.

Bastl Kalimba
Nach dem Polyend Drums geht es preislich nochmal mehr als tausend Euro runter – und landet bei einer der spannendsten Spieloberflächen der Superbooth. Denn das war ein großes Thema der Messe: Wie spielt man elektronische Instrumente ohne traditionelle Tastaturen oder Sequencer? Einer der gelungensten Ansätze ist die Kalimba von Bastl Instruments. Die Berührungen der Klangzungen werden 1:1 von der Synth-Engine umgesetzt in sehr spannende Physical-Modelling- und FM-Sounds. Das Ganze funktioniert mit internen Kontaktmikrofonen und touch-sensitiven Zonen auf den Klangzungen. Und keine Sorge: Die Sound-Tüftler aus der Tschechischen Republik bleiben sich treu und bringen aus der Kalimba ihren typischen, charaktervollen Sound heraus. Für mich ist es immer eine Freude, Kalimbas zu spielen – und wenn man das als Synth hat, klingt das wirklich sehr gut!

Union Audio Area 6.1
Union Audio ist schon länger auf unserem Radar – nicht zuletzt nach einem tollen Gespräch mit Gründer Andy Rigby-Jones. Die Mixer-Manufaktur aus Cornwall bringt nun ein Mischpult außerhalb ihres gewohnten DJ-Kosmos heraus und spannt damit den Rahmen von Lautstärkeangleichungen bis Sounddesign. Ich finde es sehr spannend, dass sie einen Live-Set-Mixer entworfen haben, der all-in geht und komplett von Sequencern oder Modularsystemen gesteuert werden kann. Der Area.6 kann sogar ins Modularrack eingebaut werden oder eben als schicker Desktop-Mixer auf dem Tisch stehen. Sinnvoll für Performance-Settings ist auch der charaktervolle Kompressor in der Mastersektion, mit dem man sein Live-Set auf ein lauteres Level heben kann. Insgesamt gibt es sechs Kanäle mit jeweils Filtern, Send/Returns, Pan und Lautstärke. Für mich macht es sehr viel Sinn, am Ende der Kette einen handgemachten, wertigen und kreativen Mixer zu haben.
Aus dem FAZEmag 172/06.2026
Text: Bastian Gies