
Der Mauerpfeiffer in Saarbrücken gilt seit Jahren als eine der zentralen Adressen für kompromisslosen Techno und House in der Region und versteht sich explizit als Ort für Gemeinschaft, Freundschaft und echte Liebe zur Musik.
Um dem aktuellen Clubsterben und dem Druck der Überkommerzialisierung zu trotzen, setzt der Laden auf ein bewusst vom Underground geprägtes Profil, also ungekünsteltes Umfeld mit Fokus auf hochwertigen Sound statt großer Namen und ein klares Bekenntnis zu Community statt Prestige.
Formate wie „RawPureRave“ mit unangekündigten Line-ups und einer Finanzierung über die Theke statt hoher Eintrittspreise zeigen, wie der Club versucht, ökonomische Zwänge mit einer Haltung zu verbinden, die sich gegen Hype, TikTok-Ästhetik und Personenkult um DJs stellt und stattdessen Vertrauen in den Laden selbst und seine Szene einfordert.
Dazu gehört auch, dass immer wieder mal Statements und Kommentare zu bestimmten Themen an die Öffentlichkeit getragen werden. Zuletzt mit einem Rundumschlag, der aber vor allem auch ein Entgegenkommen der Gäste fordert.
„Die Techno-Szene steht gerade an einem Punkt, an dem man sich fragen muss, wohin die Reise gehen soll. Und wenn wir mal ehrlich sind, die jüngsten Vorfälle in der Hardtechno-Szene sind nur die Spitze des Eisberges“, heißt es auf Instagram.
„DJs spiele auf großen Events ohne Bezahlung, während Gäste 50 Euro Eintritt zahlen“, kritisieren die Betreiber und ergänzen: „Influencer-DJ-Gagen explodieren innerhalb kurzer Zeit ins Absurde.“
Werte, für die Techno früher stand, seien immer weiter „verwässert“. Es sei nie eine Szene für Statussymbole oder Wettbewerb gewesen. „Techno war nie dafür gedacht, dass einzelne Personen größer werden, als das, was sie repräsentieren.“
Man sei nachdenklich geworden, so die Veranstalter, die gleichzeitig auf Haltung, Musik und Gemeinschaft hinweisen. Doch nicht alles sei schlecht. „Auf der anderen Seite erleben wir auch eine unglaublich starke, wache, respektvolle Community.“
Der Club wollte weiterhin in lokale Residents und nachhaltige Strukturen investieren und auch weiterhin sein „Soli-Ticket“ anbieten. Aber: „So ein Weg funktioniert nur, wenn ihr ihn mitgeht“, so der Appell.
„Wenn die breite Masse entscheidet, dass Hype wichtiger ist als Inhalt, dann wird sich die Szene entsprechend entwickeln und Clubs wie uns wird es dann bald nicht mehr geben.“ Die Community nimmt den Warnschuss der Betreiber erst einmal positiv auf.
„Techno und Verantwortung sind nicht nur Wörter“, schreibt etwa ein Follower über Instagram. Ein weiterer schreibt: „Man braucht wieder mehr Partys von denen man anschließend nichts mehr sieht. Sprich: weniger Social Media Schrott, mehr Musik und Momente.“
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