Underground-Digging mit KI? Diese Plattform soll es möglich machen

Der Mailänder DJ und Musikkurator ti es hat mit diggercamp eine neue KI-gestützte Plattform zur Musiksuche veröffentlicht.

Der Dienst konzentriert sich auf elektronische Underground- und Independent-Musik und soll klassische Empfehlungsalgorithmen bewusst umgehen. Nutzer können Links von YouTube, Bandcamp oder SoundCloud einfügen oder Audiodateien hochladen, um klanglich ähnliche Tracks zu finden.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Genres, Hörgewohnheiten oder Popularitätswerte, sondern der Sound selbst. Laut Medienberichten analysiert diggercamp Rhythmus, Textur, Energie und Klangfarbe eines Tracks.

Dafür kombiniert die Plattform klassische Audioanalyse mit CLAP, einem neuronalen Audiomodell von Microsoft Research. Jeder Song wird dabei in einen mathematischen Fingerabdruck umgewandelt.

Über sogenannte Kosinusähnlichkeit vergleicht das System die Eingaben anschließend mit einer Datenbank aus aktuell mehr als zwei Millionen Tracks. Ti es beschreibt das Ergebnis als „semantisches Verständnis“ von Klang.

Die KI erkenne demnach nicht nur technische Merkmale eines Tracks, sondern erfasse auch, „wie er sich anfühlt“. Die Plattform bietet derzeit drei Suchmodi: „Standard“, „Deep Match“ und „Surprise Me“.

Inhaltlich liegt der Fokus aktuell auf Techno, Trance, Electro, Dub Techno und Acid. Weitere Genres wie Jazz, Reggae, Hip-Hop, Ambient und Funk sollen folgen. In einem Test von Loop Rituals wurde unter anderem Ben Klocks Track „Subzero“ als Referenz verwendet.

Die Plattform schlug daraufhin unter anderem einen Melodic-Techno-Remix von Mielafon sowie einen neueren Techno-Track des niederländischen Produzenten Makam vor. Besonders wichtig ist dem Projekt laut ti es die Förderung unabhängiger Künstler.

diggercamp wolle sich bewusst von Plattformen wie Spotify oder Apple Music abgrenzen, deren Empfehlungssysteme stark auf Engagement und Reichweite optimiert seien. Dadurch würden Major-Label-Releases und viral funktionierende Inhalte strukturell bevorzugt, während kleinere Artists ohne Marketingbudgets oft kaum Sichtbarkeit erhalten.

diggercamp setzt stattdessen gezielt auf unabhängige Quellen wie Bandcamp, kuratierte YouTube-Kanäle und Revibed. Für DJs und Produzenten soll die Plattform zudem an klassische Digging-Kultur erinnern.

Die Suche nach unbekannten Tracks, zufälligen Entdeckungen und versteckten Perlen solle digital erweitert, aber nicht ersetzt werden. Ti es beschreibt den Ansatz mit den Worten: „Das Rabbit Hole ist das Gleiche. Der Eingang nur weiter geöffnet“.

diggercamp ist aktuell kostenlos nutzbar, kostenpflichtige Abo-Modelle sollen später im Jahr folgen.

Quelle: Loop Rituals / Resident Advisor

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