
Seit letztem Jahr ist mir aufgefallen, dass es da eine neue Marke gibt, die überall – sei es in Clubs, Stores oder Listening-Bars – auftaucht und deren DJ-Mixer ich wirklich elegant finde. Die Rede ist von Union Audio. Einmal genauer hingeschaut steckt hinter dieser Boutique-Brand eigentlich das Brain hinter fast allen Mixern, die ich jemals gerne mochte. Denn der Chef von Union Audio, Andy Rigby-Jones hat fast sämtliche Klassiker von Allen & Heath oder PLAYdifferently designt. Im kleinen Dorf Scorrier mitten im westlichen Cornwall steht die 465 Quadratmeter große Manufaktur. Zehn Mitarbeiter, darunter auch Andys große Schwester Fran, arbeiten dort an den gefragten High-End-Mixern, während eigentlich immer neue Vinyls im Hintergrund zu hören sind. Dieses Jahr kam mit dem Elara.6 das neue Club-Flaggschiff heraus. Grund genug für ein Gespräch mit Andy Rigby-Jones über das Designen von DJ-Mixern.

Hi Andy, schön dich im Heft zu haben. Es gibt viele Interviews mit dir – heute haben wir uns darauf geeinigt, eher etwas musikalischer und entspannter über die Technik hinter den DJ-Mixern zu reden. Was macht das Design von Mixern eigentlich immer noch spannend für dich?
Erstmal vereint das Mixer-Design für mich als Elektronik-Ingenieur, der aber auch DJ ist, beide Interessen. Alle meine Mixer-Designs für Union Audio sind modular aufgebaut. Das bringt gewisse Einschränkungen bei der Anordnung der Bedienelemente mit sich, was die Herausforderung immens erhöht. Genau diese Herausforderung macht den Job aber spannend. Am Ende ist mein Ziel, Produkte zu schaffen, die funktional, begehrenswert und bezahlbar sind – und sich gleichzeitig kosteneffizient produzieren lassen. Am Anfang eines fertigen Mixers steht immer ein 3D-Modell in der Software AutoCAD Inventor. Meine Erfahrung als DJ hilft mir dann, ein Produkt zu schaffen, das sowohl ergonomisch als auch technisch elegant aufgebaut ist.
Die von dir designten Mixer werden einige Jahrzehnte halten und uns beide wahrscheinlich überleben. Wie wichtig sind solche Parameter in deiner Design-Philosophie?
Eine Sache, die ich hasse, sind Produkte, die so billig konstruiert sind, dass man sie praktisch direkt nach dem Auspacken wieder wegwerfen kann. Wenn man die Rohmaterialien, Energie und Transportkosten betrachtet, ist das unglaublich schädlich für die Umwelt und führt nur zu einer schlechten Nutzererfahrung. Es erstaunt mich wirklich, dass es nicht genügend gesetzliche Regelungen gibt, um sowas zu verhindern. Daher bringe ich diese Philosophie in all meine Designs ein.

Apropos nachhaltig: Mit welchem Equipment hast du denn überhaupt angefangen, als du damals deine Karriere als DJ in Cornwall angefangen hast?
Meine erste DJ-Konsole war eine FAL Ranger, die ich 1978 aus dem “Littlewoods”-Haushaltskatalog meiner Mutter gekauft habe. Für einen 18-Jährigen waren die 250 Pfund sehr viel Geld, aber dafür sie kam mit einem eingebauten 50W-Verstärker. Außerdem einem Paar ziemlich schlechter Lautsprecher, einem sehr einfachem EQ und einem Plattenmotor, der klickte. Trotzdem habe ich sie geliebt! Um 1980 wurde ich Resident-DJ im Nachtclub „Tony Diamonds“ in Falmouth. Der war in einer alten Kapelle und für Cornwall ein sehr cooler Club. Er war im Besitz des extravaganten Tony Bruce, der immer in einem weißen Rolls-Royce Cabrio vorfuhr. Der Club hatte ein maßgeschneidertes Soundsystem und ein lebensgroßes Modell eines Doppeldeckers über der Tanzfläche. Da viele Kunststudenten dort verkehrten, spielte ich viel Jazz-Funk, Disco und frühe elektronische Musik. Der Club wurde von dann irgendwann geschlossen und ich wurde etwas später Resident im berüchtigten „Lady Street Club“ in Helston. Dort spielte ich viel House, Acid House, Techno, D&B, UK Garage, Trance und manchmal sogar Happy Hardcore in den 80ern und 90ern. Meinen letzten offiziellen Gig spielte ich übrigens an Silvester 1999, quasi in das neue Jahrtausend hinein.
Das klingt nach einer guten Zeit. Nun ist es aber so: Viele in unserer Leserschaft legen wie du damals mit Equipment auf, das auch nur um die 300 EUR kostet und alles beinhaltet. Was ist da für dich der größte Unterschied zwischen einem Controller für 300 EUR, einem Clubmixer für 1500 EUR oder einem Boutique-Mixer für 4000 EUR?
Günstige DJ-Controller sind doch perfekt, um damit Spaß zu haben als Hobby oder um seine Freunde zu unterhalten. Zusammen mit der Software hat man alles, ein großartiges Set zuhause aufzunehmen. Aber natürlich ist ein 300 EUR Controller, der nur um eine einzige Kunststoffplatte gebaut ist, was ihn sehr empfindlich gegenüber Stürzen oder Flüssigkeiten macht. Der Preis bedingt natürlich auch, dass die haptische Qualität der einzelnen Komponenten schlecht ist, was man im direkten Unterschied sofort merkt. Und geht dann mal etwas kaputt, sind die Reparaturkosten so hoch, dass es sich überhaupt nicht lohnt, nochmal Geld in den Controller zu stecken. Mit 1500 EUR kannst du dir einen sehr guten Mixer der Mainstream-Marken oder auch schon einen Union Audio Elara.4 kaufen. In dieser Preisklasse bieten die Mixer ein ausgefeiltes Performance-Toolset und eine gute Klangqualität. Damit hat man ein professionelles Arbeitstier, was einem einige Jahre dienen wird. Am oberen Ende des Marktes bietet dir ein Mixer ab 4000 EUR etwas anderes, nämlich Exklusivität. Diese Produkte kommen in limitierter Stückzahl und verwenden die besten Komponenten mit herausragender Audioqualität. Interessanterweise haben sie aber oft ein kleineres Feature-Set als die Controller, da der Fokus komplett auf der Bauqualität und dem Klang liegt. So ein Mixer ist für DJs, bei denen Klang eine Top-Priorität ist – meistens gepaart mit einer Leidenschaft für Vinyl.

Aber würdest du dann sagen, hochqualitatives Equipment kann wirklich beeinflussen wie DJs ihre Sets aufbauen oder wie ihr Mixing ist?
Ja, das würde ich wirklich sagen. Wenn ein Mixer hochauflösenden Klang liefert und einiges an Headroom hat, kannst du einen Mix deutlich weiter pushen. Und wenn der Mix auf deinem Monitor großartig klingt, verbindet dich das mit der Crowd. Wenn du z.B. auf einem Orbit.6 mixt, der ja nur einen High-Pass-Filter pro Kanal hat, bist du quasi gezwungen, Tracks zu spielen, die harmonisch matchen. Aber die Klarheit, Power und Energie, die dieser Mixer liefert erlaubt es dir einfach, ein unglaubliches Set zu spielen.
Gibt es eigentlich ein Feedback von einem DJ, an das du dich erinnern kannst, das dich als Ingenieur und Designer bestärkt hat?
Nun, ich schätze mich glücklich einige tolle DJs im Laufe meiner Karriere kennengelernt zu haben, deren Feedback sehr wertvoll war. Aber Richie Hawtin war für mich nochmal anders. Ich lernte ihn damals beim Launch des Allen & Heath Xone:62 kennen. Sein Feedback war einer der größten Inspirationsquellen für einige meiner wichtigsten Mixer-Design dieser Jahre, besondern beim Xone:92 oder dem PLAYdifferently Model1.
Viele, aber nicht alle der Union Audio Mixer sind Rotary Mixer. Was ist es für dich, was ihren Charme ausmacht?
In ihnen legt einfach eine gewisse Eleganz. Außerdem sind Rotarys präziser bei kleinen Lautstärke-Änderungen als lineare Fader. Aber wenn du mich persönlich fragst, gefällt mir keiner der beiden Arten besser als die andere.

Das hätte ich nicht gedacht. Andy, du bist ja vor allem als Innovator bekannt. Wenn du jetzt auf die Entwicklung des DJ-Setups der nächsten Jahre schaust, denkst du da wird sich einiges ändern? Wird das klassische Setup aus mehreren Playern, Mixern und einem Effektgeräte bestehen oder stellst du dir etwas ganz anderes vor?
Für mich ist es immer schwierig in die Zukunft zu schauen, weil es nur eine gute Erfindung entfernt sein könnte, dass sich das Auflegen stark verändert. Aber eigentlich gibt es ja auch aktuell eine sehr große Bandbreite an verschiedenen Arten aufzulegen. Und darin gibt es immer wieder Trends. Zum Beispiel waren vor 15 Jahren überall nur Laptops, Controller und Mediaplayer, während ich seit einiger Zeit ein Erstarken von analogem Equipment und Vinyl erkenne. Whatever, es geht am Ende doch so oder so um die Musik.
Einer der neuesten Mixer im Portfolio von Union Audio ist der Elara6. Was ist die Philosophie hinter diesem Mixer? Gibt es dort ein paar Features, die man auf jeden Fall kennen sollte?
Der Elara.6 ist unser Clubmixer Flaggschiff mit einer intuitiven Bedienungsoberfläche, zwei Cue-Wegen und . Zuallererst wollte ich den Elara.6 mit der bestmöglichen Klangqualität, die es gibt bauen. Dafür wurde der gesamte Signalweg mit den allerbesten Komponenten gebaut, zum Beispiel die legendären Muses-01 in der Summierungs-Stufe. Außerdem ist das gesamte Routing klickfrei, egal welche Knöpfe man drückt. Der Mixer kann in einer Minute zwischen Rotarys und lindern Fadern wechseln. Außerdem musste der Mixer wunderschön aussehen, daher ist die Frontplatte aus maschinell gefertigtem Metall und die Cerakote-Beschichtung sowie die Bedienelemente aus Metalllegierung.
Dann gibt es noch zwei kreative Features, die es so an keinem anderen Mixer gibt. Einer ist die Stereo-Width-Control mit dem man komplett den Raum öffnen oder schließen kann. Zusammen mit den Filtern und einer Verzerrung, die je nach Drive warm oder sehr düster klingt, kann man damit sehr starke Übergänge zwischen Tracks performen. Du kannst damit zum Beispiel den auslaufenden Track auf den ersten Analogoue-Processing (AP)-Kanalzug zuweisen und den neuen Track dem AP2-Kanalzug – zunächst mit auf Mono gestellter Breite. Aktiviere beide AP-Kanäle und blende den neuen Track mit einem Hochpassfilter ein, sodass er keine Bässe hat. Sobald er im Mix ist, reduzierst du die Stereobreite des auslaufenden Tracks auf Mono und öffnest gleichzeitig die Breite des neuen Tracks. Dadurch schrumpft der alte Track im Mix, während sich der neue Track klanglich komplett öffnet. Die zweite Funktion ist der AP-to-Aux-Control, mit dem sich alles, was auf den Analogue-Processing-Kanalzug geroutet ist, an den Aux-1-Send schicken lässt. Wenn du also ein Effektgerät hinzufügst, wird der AP-Kanalzug dorthingeroutet. Die Kombination aus Effekt mit den Stereo-Width-Controls, Verzerrung und den Filtern lässt sehr intensive Breakdowns entstehen, wenn man möchte.
Aus dem FAZEmag 171/05.2026
Text: Bastian Gies
www.unionaudio.co