Vorbild England: Braucht auch Deutschland Nightlife-Minister?

In Großbritannien gewinnt die Debatte um eine stärkere politische Verankerung der Nachtökonomie an Fahrt.

Die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner forderte auf dem Night Time Economy Summit in Liverpool am 12. Februar die Einrichtung eines „Minister für Nachtleben“ und mehr Anerkennung für Clubs und Spielstätten.

Sie betonte dabei, Nachtclubs genössen „weltweit hohes Ansehen“ und machten „Großbritannien zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum“. Ein Bericht der Night Time Foundation bezeichnete das Nachtleben als die „am meisten unterschätzte Anlageklasse im Kulturbereich“ und bezifferte den Beitrag auf rund 5 % des BIP.

„Ich würde die Regierung dabei unterstützen, einen Minister speziell für die Nachtwirtschaft zu ernennen“, sagte Rayner, „der sich innerhalb der Regierung für diesen Sektor einsetzt und dafür sorgt, dass die Stimmen kleiner und mittlerer Unternehmen laut und deutlich gehört werden.“

Zwar wurde Gastronomiebetrieben ein 15-prozentiger Gewerbesteuerrabatt für zwei Jahre gewährt, Nachtclubs erhielten diesen nicht. Michael Kill von der NTIA kritisierte, ein Teil der Branche werde „unterstützen“, während der Rest „ignoriert“ werde.

Rayner verwies darauf: „Andere Länder haben hier eine Vorreiterrolle eingenommen“. Parallel stellte Londons Bürgermeister Sadiq Khan ein neues stadtweites Lizenzsystem vor. Eine sechswöchige Konsultation soll eine strategische Richtlinie für alle 33 Bezirke schaffen.

Ziel ist es, das bisherige Flickwerk lokaler Regeln zu ersetzen und wirtschaftliche sowie kulturelle Aspekte stärker zu berücksichtigen. Londons Nachtwirtschaft hat laut Angaben einen Wert von über 139 Milliarden Pfund jährlich, steht aber unter Druck durch steigende Kosten, Schließungen und komplexe Verfahren.

Khan plant ein „Londoner Lizenzierungshandbuch“ und will die „Lizenz-Lotterie“ je nach Postleitzahl beenden. „Wir wollen das Londoner Nachtleben weiter verbessern, indem wir längere Öffnungszeiten fördern, unsere Nachtlebenbranche unterstützen und unsere Einkaufsstraßen revitalisieren.“ Bei Zustimmung der Regierung könnte er strategisch wichtige Anträge direkt prüfen.

In Deutschland existieren bereits Bausteine einer Nachtpolitik, jedoch kein bundesweiter Minister oder einheitliches Lizenzsystem. Berlin gilt mit der Clubcommission als Modell, Mannheim setzt auf einen „Night Mayor“, Frankfurt auf einen „Night Council“ zur Koordination zwischen Verwaltung und Szene.

Übertragbare Ansätze wie eine sichtbare Zuständigkeit oder einheitliche Leitlinien wären denkbar, stoßen jedoch auf föderale Zuständigkeiten der Länder und kommunale Planungshoheit.

Wahrscheinlicher erscheint ein Mix aus städtischen Nachtbeauftragten, verstetigter Förderung und koordinierten Leitlinien, um Genehmigungsunterschiede zu reduzieren, ohne das kommunale Vetorecht aufzuheben.

Quelle: Resident Advisor / Mixmag

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