
Um die Jahrtausendwende befand sich das Trance-Projekt YORK in aller Munde. Mit Tracks wie „The Awakening“, „On The Beach“ oder auch „The Fields Of Love” (letzterer zusammen mit ATB) landete der Kopf dahinter, Torsten Stenzel, damals noch zusammen mit seinem Bruder Jörg Stenzel, unter anderem drei Hits in den britischen Single-Charts-Top-20. Damit erschuf Stenzel Trance-Klassiker, die bis heute Kult-Status innehaben. Auch 25 Jahre später ist der Label-Chef von Planet Love Records noch fleißig unterwegs. Obwohl der ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet kommende Stenzel in Antigua und Barbuda in der Karibik lebt, hatte er kürzlich einige Gigs in Deutschland, etwa im Kölner Bootshaus (Wonderful Days – The Classic Rave Festival), zu Talla 2XLC’s Reunion der Trance Allstars im Europalace, an der YORK ebenfalls mitwirkte, oder auf der Trance Signal im Oberhausener Schallwerk. Darüber hinaus haut Stenzel regelmäßig aktuelle Tracks über das Label Armada Music raus. Einer davon erreichte etwa über 30 Millionen Streams. Wir haben mit Torsten über das neue YORK-Album „Infinite“ gesprochen, das heute erschienen ist.
Hallo Torsten, schön, dass du uns für ein paar Fragen bereit stehst. Heute erscheint dein neues Album „Infinite“, eine Sammlung von Tracks, die du in der letzten Zeit über Armada Music, dem niederländischen Label unter Mitbegründer Armin van Buuren, veröffentlicht hast. Armin van Buuren verbinden viele mit Trance, auch aufgrund der starken Marke „A State of Trance“. Auch du bist mit dem Genre bekannt geworden. Welches musikalische Spektrum erwartet uns auf „Infinite“?
Vom klassischen Chillout, über Drum ˈnˈ Bass bis hin zu Progressive House, Pop und Full-On-Trance ist eigentlich alles dabei. Ich denke es wird auf jeden Fall nicht langweilig. YORK war ja schon immer vielseitig, mein Album „Peace“ war strikt Electronic, Chill, hatte sogar Rock-Einflüsse. Ich wollte dieses Mal kein reines Chillout-Album machen und den Bogen über den ganzen Bereich der elektronischen Musik spannen.
Du hast schon auf verschiedensten Labels im Laufe deiner Karriere Musik veröffentlicht. Wie ist der Vertrag mit Armada Music zustande gekommen?
Ich habe ja schon eine längere History mit Armada. Als ich mein letztes Album „Indigo“ bei Enhances Music UK rausgebracht habe (Anm. der Redaktion: das Album erschien im Jahr 2022), kam dann auch eine Anfrage vom Armada A&R: „Warum machst Du nicht mal ein Album bei uns?” – und dann ging das ganze los.
Viele unserer Leser kennen noch deine Trance-Klassiker von damals, wie etwa „The Awakening“ (1998), „OTB (On The Beach)“ (1999) oder auch „The Fields Of Love“ (2000) (mit ATB). Diese Zeit ist schon länger vorbei und trotzdem hallen diese Tracks noch lange nach. Was würdest du sagen, wie sich dein Sound seitdem verändert bzw. weiterentwickelt hat?
Mein Sound hat sich immer weiterentwickelt, kehrt dann aber auch manchmal rigoros an den Anfang zurück. Mit meinen eher Trance-astigen Singles gibt es öfters Retro-Sound, aber ich entscheide das oft aus dem Bauch heraus. Im Endeffekt soll es ja Spaß machen. Ich mache Musik nicht mit dem Taschenrechner.
Auf dem Album befinden sich neben ganz neuen Ideen der letzten Zeit auch Remixe und Remakes mancher Klassiker von dir. Kryder hat beispielsweise einen Remix zu „On The Beach“ beigesteuert …
Ja, gerade der Remix von Kryder war natürlich ein Knaller und ging auf Beatport auf Platz eins in den Progressive House Charts. „On the Beach“ befindet sich außerdem bemerkenswerterweise in den Top fünf der meist gekauften Classics und das seit ein paar Jahren. Seitdem ich damals „On The Beach“ veröffentlicht habe, ging es los mit einer Remix-Orgie und das ganze scheint nicht zu stoppen, lol … vielleicht weil die Melodie (von Chris Rea) so unglaublich zeitlos und nice ist?
Der Kryder Remix zu „On The Beach”:
Bleiben wir bei „On The Beach“. Zusammen mit dem internationalen Superstar-DJ Alok, der in den letzten Jahren auch kommerziell sehr erfolgreich gewesen ist, ist ein Remake des Tracks entstanden. Es handelt nicht nur um ein Remake deines Tracks, sondern auch quasi um ein Mash-up von Amanda Wilson – deren Vocals auch schon der leider verstorbene Avicii unter seinem Alias Tim Berg in den 2010er-Jahren verwendet hat. Erzähl uns mehr darüber …
Ja, die Collab mit Alok kam durch ein Bootleg von DJ Tazi aus Australien, der dann viral gegangen ist. Da er meine Gitarren in seinem Mix gesampelt hatte, kam dann YORK mit ins Spiel. Schließlich kam das Ganze dann auch noch mit Vocals des Avicii-Tracks „Seek Bromance“ – eigentlich unglaublich und schade, dass Tim das nicht mehr erlebt hat.
Der Track hat über 30 Millionen Streams erreicht, war international sehr erfolgreich. Schon damals warst du mit deinen Tracks zum Beispiel auch in Großbritannien äußerst erfolgreich. In Zeiten des Streamings geht das noch einfacher, ist aber möglicherweise zerstreuter. Inwiefern glaubst du dir eine neue Zielgruppe weltweit erschlossen zu haben durch die Kollabo mit Alok?
Ich denke das meine Hörer auf jeden Fall ein wenig jünger geworden sind, was echt klasse ist. Man wird nicht gleich als der alte Sack, der nur noch Classic-Trance macht, abgestempelt, hahahaha. Also treibe ich das weiterhin an und mache auch Collabs mit jungen Künstlern aus anderen Genres. Ich denke das ist auch superwichtig, um sich weiterzuentwickeln und musikalisch nicht auf der Stelle zu trampeln.
Das Album enthält eine Fülle von sage und schreibe 22 Tracks. Auch wenn das sehr viele sind, kannst du uns trotzdem kurz ein paar einzelne herauspicken, die für dich einen besonders hervorgehobenen Wert oder eine tiefere Bedeutung besitzen?
Für mich ist „Bigger Than Us“ ein wichtiger Track auf dem Album. Der Text handelt davon, dass viele Dinge im Leben größer sind als wir und dass man „groß“ träumen soll. Ich habe auch dabei meine Freunde hier (Anm. der Redaktion: in Antigua und Barbuda) vor dem inneren Auge – das Kitesurfen gehen und wie sie bei den Jumps meterhoch durch die Luft fliegen, um dann wieder im türkisem Wasser aufzusetzen. Der Track verkörpert für mich dieses Lebensgefühl.
„Deus Ex Machina“: Mir kam die Idee dazu in einer kalten Nacht in einer Großstadt. Ich glaube es war Berlin. Der Track hat so eine gewisse Sehnsucht und Traurigkeit einer alten Beziehung, die vorbei ist, aber die man doch irgendwie vermisst.
“The Shore” mit Sarah Warren, verkörpert das Inselgefühl. Ich lebe seit 27 Jahren auf Inseln. Das verändert einen und man erfreut sich an den kleinen Dingen, wie ein geiler Sonnenuntergang oder die Farben, die so intensiv sind.
Obwohl du in Antigua und Barbuda in der Karibik lebst, kommst du gelegentlich für Gigs nach Deutschland, etwa vor kurzem ins Kölner Bootshaus zum „Wonderful Days – The Classic Rave Festival“. Wo kann man dich demnächst spielen sehen?
Das Bootshaus war definitiv ein Highlight und hat mega Spaß gemacht. Ich spiele am 4. Oktober in Manchester auf dem Rong Indoor Festival und dann in Deutschland am 25. Oktober in Schwerin und 1. November in Frankfurt. Details kommen noch!
Was dürfen wir als nächstes von dir erwarten?
Ich bin sehr kreativ im Moment … Also jede Menge Output mit allen möglichen Freunden von mir. Stay tuned!
In a nutshell
Oldschool vs. New School?
Oldschool, irgendwie war damals vieles besser. Vinyl, CDs, nicht nur Downloads. Aber warum nicht beides?
Instrumental vs. Vocal?
Instrumentals nerven weniger nach 1000 mal hören.
Trance vs. Techno?
Trance von früher ist der Techno von heute.
Kleiner Club vs. großes Festival?
Persönlichkeit vs. Massen … Beides nice, aber ich mag es nicht, wenn die Leute 20 Meter von der Bühne entfernt sind!
Danke dir für das Interview und happy Release-Day!
Hier geht es zum Album:
„Infinite” von YORK ist am 9. Mai 2025 via Armada Music erschienen. Hier geht es zu allen Portalen.
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