Zu teuer, zu groß, zu viele Monopole: DJ kritisiert das Amsterdam Dance Event

„Ich liebe das ADE. Genau deshalb tut es weh, das zu sagen“, schreibt der israelische DJ und Produzent Yariv Etzion, bekannt als Stereo Underground, auf Instagram. Er sei seit 2010 dabei und habe sich damit das Recht verdient, Kritik zu äußern. In mehreren Beiträgen stellt er Größe, Kosten und Entwicklung des Amsterdam Dance Event infrage.

Kritikpunkt 1: Eventgröße

Früher habe sich das Geschehen stärker auf wenige Orte konzentriert, schreibt Etzion. Dabei nennt er Felix Meritis und The Dylan als frühere Fixpunkte des Events. Man habe Kollegen, Labelchefs und mögliche Partner leicht treffen können. Heute begegne man ihnen eher in Instagram-Storys – von einem anderen Veranstaltungsort aus.

Das Amsterdam Dance Event verteile sich inzwischen über die ganze Stadt. Wer zwischen Events wechseln wolle, brauche laut Etzion beinahe Teleportation: „Du suchst dir einen Raum aus. Das ist dein Abend.“ Bei Regen durch Amsterdam zu hetzen, sei für ihn wenig förderlich fürs Netzwerken.

Kritikpunkt 2: Wucherpreise

Auch die Ausgaben kritisiert Etzion. Für das ADE-Pro-Programm nennt er 650 Euro, für ein Hotel rund 200 Euro pro Nacht. Dazu kämen seiner Darstellung nach teure Fahrten und höhere Preise spät in der Nacht. Das Event sollte eigentlich auch Nachwuchsproduzenten helfen, schreibt er – doch viele müssten inzwischen zuerst auf ihren Kontostand schauen.

Zudem kritisiert er, dass DJs bei Showcases teilweise für Gagen spielten, die kaum die Fahrtkosten deckten. „In der teuersten Woche des Jahres zahlen auch die Artists drauf“, lautet sein Vorwurf.

Kritikpunkt 3: Viel Social Media, wenig Vielfalt

Etzion zufolge kontrollierten inzwischen einige große Organisationen einen beträchtlichen Teil der Veranstaltungsorte. Das bringe zwar mehr Partys, aber weniger Aufmerksamkeit für Details. Seine Kritik richtet sich auch gegen die Bedingungen vor Ort: Er bemängelt unter anderem fehlende Klimaanlagen und unzureichende Kontrolle im Backstagebereich.

Auch die mediale Inszenierung stört ihn: Wer Freunde unterstützen wolle, lande mitunter in überfüllten, heißen Räumen hinter einer Wand aus Smartphones. Große Namen wie Sasha, Guy J und Armin van Buuren würden ohnehin Publikum anziehen, schreibt Etzion. Sorgen mache ihm eher, dass kleinere Veranstaltungen und unbekannte Artists weniger Aufmerksamkeit bekämen.

Für ihn lag der besondere Reiz des ADE in Begegnungen und Entdeckungen. „Die kleinen Räume leiden“, schreibt er. Die Kritik betreffe nicht nur Amsterdam: In vielen Städten gehe es den kleinen Clubs ähnlich. Das Amsterdam Dance Event sei „zu groß, zu teuer und habe weniger Seele“ als früher.

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