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Drogen-Auswertung 2016 – was sonst noch so drin ist

Im vergangenen Jahr wurden 2078 Substanzen im Drogeninformationszentrum DIZ und beim mobilen Drug-Checking in der Schweiz getestet. Was wie oft, was am meisten und was vergleichsweise wenig getestet worden lassen ist, sieht man in der folgenden Aufstellung.
Leider ist es nicht möglich in Deutschland und in vielen anderen Ländern die Drogen, die man vor hat zu konsumieren, vorab testen zu lassen und zwar kostenlos mal eben schnell vor einer Party. Vorreiter für solche Drug-Checks ist die Schweiz. Safer Use ist das große Stichwort. Es ist sehr interessant, was die Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr liefern. Die Zahlen basieren auf den Auswertungen des Schweizer Unternehmen saferparty.com.

saferparty.com

saferparty.com

Die drei am meisten getesteten Substanzen sind Kokain, Amphetamin und MDMA.
Ganze 887 Mal ließ man sein Koks testen. Bei Kokain handelt es sich meistens um ein Gemisch aus Kokain und einem oder mehreren Streckmitteln. Ein Teil dieser Streckmittel ist nicht pharmakologisch wirksam (z. B. Laktose, Stärke, Zellulose). Im vergangenem Jahr trat bei Kokainproben häufig Levamisol auf. Es ist ein pharmakologisch wirksames Streckmittel. Besonders für regelmäßige Konsumenten ist dies ein schwer abschätzbares Gesundheitsrisiko. Es handelt sich dabei weniger um akute Nebenwirkungen, sondern um Langezeitfolgen wie zum Beispiel eine Schwächung des Immunsystems.
2016 waren 55,1 Prozent aller Kokainproben, die im DIZ und an den mobilen Drug-Checkings
zur Analyse abgegeben wurden, mit mindestens einer pharmakologisch wirksamen Substanz
gestreckt. Das heißt nicht, dass keine nicht pharmakologischen Streckmittel in den anderen 44,9 Prozent vorkamen. Mehr über die Auswertung von Kokain erfahrt ihr hier.

Grafik_Kokain_2016

Bild: Saferparty.ch

Amphetamine, also Pep, Schnelles, Speed, wurde deutlich weniger aber immer noch am zweit häufigsten getestet. In dem Pulver kann viel reingepantscht werden. Sowohl Streckmittel als auch Syntheserückstände werden in unterschiedlicher Dosierung häufig bei Tests festgestellt. Insgesamt wurde Amphetamin 411 mal vom DIZ und Drug-Checking getestet. Bei 75,7 Prozent der Amphetaminproben wurde eine Warnung aufgrund von vorhandenen pharmakologisch wirksamen Streckmitteln und/oder Syntheseverunreinigungen ausgesprochen. Konsumiert man das gestreckte Zeug setzt man sich durch die ätzenden Lösungsmittel ein sehr hohes Gesundheitsrisiko aus. Die Auswirkungen von Syntheseverunreinigungen sind noch nicht genaus bekannt, somit besteht ein unbekanntest Risiko für Pep-Konsumenten.
Ein besonders häufig verwendetes Streckmittel bei Amphetamin ist Koffein.
Koffein macht wach, beschleunigt den Herzschlag, steigert vorübergehend die geistige
Leistungsfähigkeit und wirkt appetithemmend. In höheren Dosen, ab 300 mg (ca. 8 Tassen
Kaffee), erzeugt es zusätzlich Euphorie. Nebenwirkungen: Schweissausbrüche, Herzflattern, Harndrang, Herzrhythmusstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Zittern, Nervosität und Schlafstörungen. Bei dauerhaftem, regelmäßigem Konsum besteht die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit. In Kombination mit Amphetamin verstärkt sich die Wirkung beider Substanzen.
Dies führt zu einer höheren Belastung für den Herz-Kreislauf und es besteht zudem eine
erhöhte Gefahr des Austrocknens, da Koffein dem Körper zusätzlich Wasser entzieht.
Koffein wird wegen seiner stimulierenden Wirkung und dem wirkungsverstärkenden Potential
dem Amphetamin beigemischt.
Koffein wurde im vergangenem Jahr in 56,9 Prozent der Amphetaminproben gefunden. Mehr über die Auswertung von Amphetamin erfahrt ihr hier.

Bild: Saferparty.com

Bild: Saferparty.ch

Der Trend zu hochdosierten Ecstasy war im vergangenem Jahr deutlich zu beobachten. Nicht wenige Fälle wurde bekannt, bei denen junge Raver an Überdosen von starkem Ecstasy sogar starben. Deshalb ist es um so wichtiger, zu wissen wie viel MDMA (und diverse Nebensubstanzen) die Pille hat, die man schlucken möchte. Die getesteten Pillen weisen häufig einen MDMA-Gehalt von über 200mg auf. Das Maximum war 264mg MDMA in einer Pille. Die Werte schwanken oft und auch Ecstasy-Pillen mit dem gleichen Logo oder Aussehen können sich bezüglich der Zusammensetzung stark unterscheiden.
120mg MDMA sollten genug sein, um das Gefühl von Ecstasy zu erleben.
Nebenwirkungen wie Kiefermahlen, Augen- und Nervenzucken, bis hin zu Krampfanfällen können verstärkt auftreten, wenn die Dosis höher ist. Hohe Dosen bedeuten eine größere Überhitzungsgefahr, führen zur Dehydration und stellen für den Herz-Kreislauf eine hohe Belastung dar.
Mehr über die Auswertung von Ecstasy erfahrt ihr hier.

Bild: Saferparty.ch

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Auch wenn vergleichsweise wenig LSD getestet worden lassen ist. Die Analysen des getesteten LSD gehen weit auseinander. Die Spannweite reichte von 1,35 µg bis 188,8 µg LSD pro Filz (Pappe). 79,8 Prozent enthielten „nur“ 0.1 µg bis 100 µg LSD. 20,2 Prozent enthielten mehr als 100 µg LSD. Bei 4,5 Prozent der getesteten Filze (Pappen) wurde eine Warnung erstellt, da diese mehr als 150 µg LSD enthielten. Wie sehr diese Werte auseinander gehen ist besorgniserregend, denn oft hat man nicht die Möglichkeit seine Pappe vorab testen zu lassen. Weiter ist zu vermerken, dass 5,6 Prozent der Filze (Pappen) Verunreinigungen enthielten, 18 Prozent enthielten pharmakologisch wirksame Streckmittel. 4,4 Prozent der Filze (Pappen) enthielten gar kein LSD, sondern NBOMe-Verbindungen oder DOC. Dies sind andere Psychedelika. In der Wirkung, Wirkungsdauer und Eintritt der Wirkung anders als LSD.
Mehr über die Auswertung von LSD erfahrt ihr hier.

Bild: Saferparty.ch

Bild: Saferparty.ch

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