Komfortrauschen_Press3 (by Caren Pauli)5

Ob man Techno heutzutage noch neu erfinden kann, ist fraglich. Aber einen anderen Ansatz zu bedienen, ist möglich. Genau das ist es, was Komfortrauschen sich zunutze machen: Technoider Sound, produziert auf klassischen Instrumenten. Im Zuge ihrer neuen EP „Plaste“ haben wir uns mit Bandmitglied Laurenz Karsten unterhalten, um herauszufinden, was hinter dem innovativen Projekt steckt.

Komfortrauschen sind für ihr Genre sehr speziell unterwegs: Minimaler Techno, performt auf teils klassischen Instrumenten wie Gitarre oder Schlagzeug, sieht man eher selten. „Unser Ziel ist es stets, möglichst alles live, also mit den Händen, spielen oder bearbeiten zu können. Hier und da findet man aber schon mal einen Sequenzer in unserem Setup. Oder natürlich eine hinzugemischte synthetische Kick. Aber die Gitarre, den Bass oder Teile des Drum-Sets durch Synthies auszutauschen, macht für uns nicht so viel Sinn, denn genau das macht ja den Sound unserer Musik aus“, beschreibt Laurenz das Konzept der Band. Visuell klar erkennbar, klanglich jedoch nicht genau definierbar. Wer den Namen Komfortrauschen nicht kennt, ihre Musik aber zum ersten Mal hört, würde kaum glauben, dass hier eine Band musiziert. Die drei Jungs – Laurenz Karsten, Phillip Oertel und Tim Sarhan – produzieren ihre Klänge auf akustischen Instrumenten. Genau das war das Ziel der drei. Komfortrauschen schaffen eine Illusion, in der man nicht mehr erkennt, ob die Töne nun aus einem Synthesizer erklingen, ein DJ zwei Platten ineinander mischt oder mit Schlagzeug und E-Bass hantiert wird. Laut Laurenz Karsten steht vor der Illusion natürlich aber immer noch die Musik: „Wir haben festgestellt, dass an erster Stelle immer die Frage kommt, ob die Musik groovt. Wenn man das mit ,ja‘ beantworten kann, ist das schon mal die halbe Miete.“

Vor exakt einem Jahr erschien ihre Debüt-EP „Komfortzone“. In der Zwischenzeit spielten sie erste Konzerte im Ausland und schraubten kontinuierlich an ihren Live-Sets. Die noch eher junge Band wächst stetig und vor allem ihr für die elektronische Musikszene eher ungewöhnliches Auftreten bringt ihr eine gewisse Aufmerksamkeit, die sich zunehmend in Form von größeren Gigs auszahlt. Jetzt erscheint ihre zweite EP „Plaste“, die sich durch deutlich mehr Jazz-Elemente und eine hörbare musikalische Entwicklung auszeichnet. „Dieses Mal haben wir die Songs immer live, also zu dritt gleichzeitig in einem Raum, aufgenommen. Das war bei der letzten Platte auf jeden Fall anders. Damals haben wir auch keine Gitarren-Amps benutzt, aber relativ viele Samples. Das Schlagzeug ist bei ‚Plaste‘ deutlich akustischer. Unsere neue Platte ist rauer und klingt fast genauso, wie wir auch auf der Bühne klingen. Das war uns sehr wichtig, da bei Live-Sets eine ganz andere Energie vorhanden ist als im Studio“, erklärt Laurenz.

Gestartet sind Laurenz, Phillip und Tim als Jazz-Musiker. Im Gegensatz zum Techno hat sich Jazz laut ihrer Aussage jedoch von einer hypnotisierenden zu einer meist komplexen, oft betont virtuosen Musik entwickelt. Letzteres empfanden die drei als eine gewisse Einschränkung im Genre. „Ob Techno, Jazz oder Obertongesang – Virtuosität sollte unserer Meinung nach nie Selbstzweck sein“, betont Karsten und sieht trotzdem große Parallelen zwischen den Richtungen: „Im Grunde genommen ist jede Musik, die mit Loops und Grooves arbeitet, mit Jazz verwandt. Nur steht beim Jazz oft die Improvisation im Vordergrund, was beim Techno nicht unbedingt der Fall ist – aber sein kann!“

Hier könnt ihr das Album kaufen:
https://springstoff.lnk.to/Komfortrauschen_Plaste

Aus dem FAZEmag 068/10.2017
Text: Janosch Gebauer
Fotos: Caren Pauli
www.komfortrauschen.net