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Lutz Ludwig, allen Techno-Kennern und langjährigen Szeneaktivisten besser als L.U.P.O. bekannt, ist gestern (10.04.2014) von uns gegangen. Uns vom FAZEmag trifft es besonders, da wir vor kurzem noch ein Interview mit ihm geführt hatten.
In der Rubrik ‚Gibt es ein Leben nach der Musik‘ haben wir ihn zu seinem musikalischen Werdegang und seinem aktuellen Leben befragt.

Wer in den 90er Jahren an der Loveparade teilnahm, ist zwangsläufig und mehrmals mit L.U.P.O. in Kontakt gekommen. Denn das Berliner Label Low Spirit von William Röttger, Westbam, Dick und Klaus Jankuhn war immer in  die Organisation der Loveparade eingebunden und Ludwig releaste nicht nur den Mega-Hit „Hell Or Heaven“ auf Low Spirit Recordings sondern arbeitete für das 1986 in Berlin gegründete Label jahrelang als Booker und DJ-Promoter.

Ludwig habe ich als stets gut gelaunt kennengelernt. Er war ein Feier-Monster vor dem Herrn, hat aber nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten, wenn ihm irgendetwas nicht passte. Seine Musikkenntnisse waren enorm, kein Wunder, hat er doch früh in Münchens Vorzeigeclub P1 als DJ aufgelegt. Wir haben hier noch einmal das Interview mit L.U.P.O., das wir vor kurzer Zeit geführt hatten.

FAZEmag: Du heißt bürgerlich Lutz, aber jeder in der Szene kennt Dich als L.U.P.O.. Wie bist Du zu dem Spitz- bzw. Künstlernamen gekommen?

L.U.P.O.: Als Lutz Ludwig wurde ich auf der Grundschule Lulli oder Loulou genannt, da ist doch Lupo ein Schritt nach vorne gewesen. Gut fand ich das nie, aber welcher Herbert findet seinen Namen gut.

FAZEmag: Du hast früher im Münchener Szene-Club P1 aufgelegt und hast diverse erfolgreiche Relases auf einem der wohl bedeutendsten Labels der elektronischen Szene verbuchen können. Erfüllt es dich mit Stolz, wenn du dies Revue passieren lässt oder hättest du rückblickend etwas anders gemacht?

L.U.P.O.: Ich habe schon so lange vorher als DJ in Locations wie Madhouse HH oder dem Jara in Dortmund etc. gearbeitet, bin durch die Gegend geflogen, als es noch keine steuerliche Lösung für diese neue Berufsform gab und hatte mein erstes Label mit Andy Weiner namens ‚p1 Records‘ schon sehr früh in den 80er Jahren mit Releases wie „Nightmoves“ – einem absoluten Houseklassiker. Als ich Max und Fabi kennenlernte, war ich vor allem begeistert von deren Begeisterung für eigens gemachte Musik und die ganze Szene. So wurden wir in München Mitte der 80er Freunde und haben lange zusammen gewohnt. Bis heute sind wir sehr eng befreundet und ich passe gerne auf seine Jungs auf – auch wenn ich nicht mehr so viel Zeit habe.

FAZEmag:Was war in dieser Zeit das Aufregendste, was du erlebt hast?

L.U.P.O.: Definitiv, wie toxisch man leben kann, ohne zu sterben! Auch wie viel dieser Sound auslösen kann und gar nicht so Schickiemickie ist, wie viele denken. Sondern etwas Politisches, was wir damals viel zu leicht aus der Hand gaben – nämlich äußerst selbstlos.

FAZEmag: Wann hast du festgestellt, dass das Musik-Business nichts mehr für dich ist und du etwas anderes brauchst?

L.U.P.O.: Als ich mit Anwälten oder über Anwälte mit meinen besten Freunden sprechen musste. DJ zu sein war für mich kein normaler Job. Viel mehr war es eine Passion, der ich auch oft ohne Entlohnung nachgegangen bin.

FAZEmag: Was genau machst du jetzt?

L.U.P.O.: Ich arbeite jetzt als Headhunter. Dabei bringe ich gut ausgebildete Leute in Führungspositionen bzw. begleite sie auf den Weg dahin! Es macht Spaß. Ist genauso kommunikativ wie Musik – nur ehrlicher als das Business, seit es keine Freiberufler mehr gibt, sondern GmbHs! Und seitdem sich Vieles sehr gleich anhört, irgendwie auch sinnvoller.

FAZEmag: Gibt es Parallelen zwischen deinem jetzigen Job und dem damals?

L.U.P.O.: Ja – ich mag den schnellen Erfolg und will immer gewinnnen!“

FAZEmag: Welche Musik hörst du aktuell und in welchem Format legst du dir deine Musik zu?

L.U.P.O.: MP3 oder AAC. Ich habe schon immer Hüllen gehasst – man sucht und findet, was man das letzte Mal davor gehört hat. Ich mag von Klassik über Pop bis hin zu Techno und House alles, was neu klingt. Musik, die schwerelos klingt und nicht bedrängt. Bei der man erkennt, dass der Musiker sich nicht zu viele Gedanken gemacht hat. Denn das macht für mich gute Musik aus.

Rest in peace Lupo, we’ll see you in hell or heaven.

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