Der schwedische DJ und Produzent Axel Boman hat vor zehn Jahren seine erste EP veröffentlicht. Seinen Durchbruch hatte er mit seiner „Holy Love“-EP auf DJ Kozes Label Pamap Records, von der auch der Track „Purple Drank“ stammt. Im gleichen Jahr gründete Boman zusammen mit Kornél Kovács und Petter Nordkvist das Imprint Studio Barnhus, auf dem 2013 auch sein Debütalbum „Family Vacation“ erschien. Ende Augsut erschien auf dem Label die Compilation „Studio Barnhus Volym 1“.
Wie „Purple Drank“ entstanden ist, erklärt er uns hier im Interview.

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Woher hast du das charakteristische Vocal-Sample und wie hast du es verarbeitet? War es ein Grain Delay?

Ich erzähle lieber nichts darüber, wo ich es herhabe. Als ich jünger war, hatte ich nicht wirklich viel übrig für Copyright-Angelegenheiten. Ich kann nur sagen, dass ich es mit Ableton Live runtergepitcht habe, also ein ziemlich normales Processing.

Alle anderen Elemente von „Purple Drank“ klingen sehr roh und analog. Wie hast du die deepe Bassline und die hypnotischen Pads kreiert?

Ich bin eher der Sampling-Typ. Ich habe nie viele Effekte verwendet und habe nie irgendwas auf den Master-Kanal gepackt. Ich verlasse mich mehr auf Sample-Einsatz, wenn es Sinn macht – und dann auch nur EQ und ein bisschen Panning. So arbeite ich auch heute noch.
Ich habe ein Arturis Minimoog Bass-Preset für die Bassline und eine Kirchenorgel eines Gospelsongs für das Pad benutzt. Für die Drums und einen Teil der Percussions habe ich dieses alte Plugin benutzt, dass Samples gechoppt hat, aber auch Granularsynthese konnte. Es war ein großartiger VST, schade nur, dass ich seinen Namen vergessen habe.

Du magst stilvolle Drummachine-Sounds, oder? Wo kommen all diese Claps, Klicks, Hats und Percussions her?

Meistens sample ich dafür die Musik anderer. Bits und Bobs von meinen Lieblingsproduzenten. Ich klaue ohne Scham. Ich benutze kaum VST-Drummachines, um ehrlich zu sein. Und ich mag den knisternden Sound alter Vinylplatten.

Mischt du schon, wenn du komponierst oder trennst du das? Erzähl uns auch ein bisschen über den Mixing-Prozess. Und wie hast du es geschafft, dass der Track so weit im Stereopanorama klingt?

Normalerweise mische ich, wenn ich auch den Tracks mache – ich versuche, eine gute Balance zu bekommen. Meine Methode damals war, die Kick wirklich laut zu machen und zu alles zu versuchen, sie oben zu halten – total unmöglich für den Master-Engineer, damit zu arbeiten (lacht). Heutzutage versuche ich etwas Luft nach oben zu lassen für den Engineer.

Ich weiß letztlich nicht wirklich, warum meine Musik so klingt, wie sie klingt – ich wünschte wirklich, ich wüsste es. Aber vielleicht ist es auch besser so und wenn ich mich jetzt zu wissenschaftlich damit beschäftigen würde, dann würde das meine Arbeitsweise killen.

Lässt du viele Leute deinen Track hören, bevor er komplett fertig ist? Und wie lange hattest du „Purple Drank“ auf deiner Festplatte, bevor du es veröffentlicht hast?

Ich spiele eigentlich niemandem einen unfertigen Track vor, denn eine schlechte Reaktion könnte für eine sensible Seele wie mich verheerend sein und ich würde den Track nie beenden. „Purple Drank“ war jahrelang auf meinem Computer, bevor es veröffentlicht wurde. DJ Koze sagte mir damals, dass er ein neues Label startet und er dafür den Track gerne hätte. Das war natürlich ein Traum und so wartete ich noch ein bisschen. Vielleicht habe ich ihm sogar meine Karriere zu verdanken.

Und zu guter Letzt: Nenne uns doch deinen liebsten Trick beim Produzieren.

Boris Werner hat mir in seinem Amsterdamer Studio einen Trick beigebracht, den ich sehr gerne benutze. Nimm eine alte Platte – Reggae oder vielleicht schwedischen Fusion-Pop aus den 80er-Jahren – starte sie und dann lege die Nadel an zufällig ausgewählten Stellen drauf, aber nur ganz kurz jeweils. Am Ende hast du eine Aufnahme mit all diesen Mikro-Samples und in der Regel klingen fünf oder sechs davon ziemlich cool und sehr unerwartet, so dass sie sich als Percussion-Elemente oder Effekte sehr gut eignen. Try it, kids!

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