
Manche Jugendliche träumen davon, mit 18 endlich selbst Auto fahren zu dürfen. Andere scheinen es deutlich eiliger zu haben – und verzichten dabei gleich auf Führerschein, Nüchternheit und offenbar auch auf ein Mindestmaß an Verkehrssicherheit. Ein 15-Jähriger hat im südhessischen Büttelborn jedenfalls eine ziemlich denkwürdige Vorstellung von Mobilität geliefert. Unter dem Einfluss von Cannabis und Amphetaminen klaute er einen Lastwagen und verwandelte die Straßen kurzerhand in eine unfreiwillige Hindernisstrecke.
Am Dienstagmorgen gegen 6.20 Uhr stieg der Jugendliche in einen auf einem Hof abgestellten Lkw. Der Schlüssel befand sich noch im Fahrzeug. Sehr einladend. Was danach folgte, war allerdings weniger eine Spritztour als vielmehr ein Belastungstest für die örtliche Infrastruktur. Bereits beim Rangieren erwischte der Nachwuchs-Trucker zwei geparkte Transporter. Doch anstatt die Sache als deutlichen Hinweis zu verstehen, dass seine Karriere als Berufskraftfahrer vielleicht noch etwas warten sollte, setzte er seine Fahrt unbeirrt fort.
In der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße musste eine Mauer Bekanntschaft mit dem Lkw machen. In der Darmstädter Straße bekamen ein Carport und ein Hoftor ebenfalls ihre Portion Aufmerksamkeit. Und auch das Dach einer Kindertagesstätte in der Platanenstraße blieb von der ungewöhnlichen Fahrt nicht verschont. Man könnte sagen: Der Jugendliche legte eine bemerkenswerte Trefferquote hin. Leider nicht beim Einparken.
Besonders kreativ wurde es schließlich bei einem Findling. Der große Stein wurde überfahren und verkeilte sich anschließend unter dem Lastwagen. Für andere Fahrer wäre das vermutlich der Moment gewesen, an dem man die Reise beendet und sich Gedanken über die weitere Vorgehensweise macht. Der 15-Jährige schaffte es noch bis zu einem Feld in Verlängerung der Schubertstraße. Dort endete die Fahrt schließlich endgültig. Die Polizei nahm ihn noch im Führerhaus fest. Widerstand leistete er dabei nicht.
Bei der anschließenden Kontrolle kam auch heraus, was die Fahrt zusätzlich brisant machte. Ein Drogentest reagierte positiv auf Cannabis und Amphetamine. Die Polizei veranlasste deshalb eine Blutentnahme. Der Verdacht auf eine Fahrt unter Drogeneinfluss stand damit im Raum. Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Der Jugendliche war aus einer Jugendeinrichtung in Bayern abgängig und wurde bereits per Haftbefehl wegen eines Raubdelikts in Augsburg gesucht. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde er an die dortige Polizei überstellt.
Die Bilanz dieser morgendlichen Lkw-Tour fällt entsprechend ernüchternd aus. Rund 24.000 Euro Schaden nach ersten Schätzungen. Dazu kommen mehrere Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen unbefugten Gebrauchs eines Kraftfahrzeugs, Unfallflucht, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens unter Drogeneinfluss. Für den örtlichen Fuhrpark dürfte die Geschichte jedenfalls eine neue Erkenntnis gebracht haben: Ein im Fahrzeug liegender Schlüssel ist manchmal eine Einladung, die man besser nicht offen herumliegen lässt.
Und für den jungen Mann gilt vermutlich: Wer mit 15 schon unter Drogeneinfluss einen Lkw bewegt, sollte seine Karriereplanung vielleicht noch einmal überdenken. Der erste Schritt wäre jedenfalls, künftig einen großen Bogen um fremde Fahrzeugschlüssel zu machen.
Quelle: hessenschau.de
Foto: Symbolbild