
25 Jahre Greenfields Open Air – und ein Ende ist nicht in Sicht. Was 2001 als vergleichsweise kleine Veranstaltung begann, gehört heute längst zu den festen Größen der deutschen Festival- und Clublandschaft. Zum Jubiläum fährt das Münchner Festival nicht nur ein besonders starkes Line-up mit Peggy Gou, Richie Hawtin, Sven Väth, Ben Klock und &ME auf, sondern erweitert auch das Gelände und die gesamte Produktion deutlich. Trotzdem wird im Gespräch mit Roman Lehmann und René Vaitl vom Team schnell klar: Greenfields will sich nicht neu erfinden, sondern vor allem sich selbst treu bleiben. „Wir haben uns nie verbogen und gehen nach wie vor mit dem Anspruch an das Projekt heran, etwas Authentisches zu schaffen“, sagt Roman Lehmann. Genau das scheint bis heute das Fundament des Festivals zu sein.
Dass Greenfields einmal zu den wichtigsten Open-Air-Adressen für elektronische Musik in Deutschland gehören würde, war laut René Vaitl zumindest nicht völlig unrealistisch: „Im Jahr 2001 gab es ja nicht so wahnsinnig viele Electronic Open-Air-Festivals in Deutschland. So gesehen waren wir von Anfang ziemlich wichtig“, sagt er lachend. Trotzdem ist spürbar, wie sehr das Festival bis heute Herzensprojekt geblieben ist. Für Roman Lehmann ist Greenfields „nach wie vor mein persönliches Highlight im Jahr“. Die monatelange Vorbereitung schaffe eine enge Verbindung zum Projekt: „Am Veranstaltungstag dann das Ergebnis zu sehen, ist immer ein besonderer Moment, der schwer in Worte zu fassen ist.“
Gerade diese Haltung scheint entscheidend dafür zu sein, warum das Festival über viele Jahre hinweg eine so treue Community aufgebaut hat. „Wir schaffen eine Veranstaltung, zu der wir selbst auch als Gast immer gehen würden“, erklärt Lehmann. Authentizität sei dabei immer wichtiger gewesen als künstliches Wachstum oder kurzfristige Trends. Das gilt auch für das Booking. Während viele Festivals zunehmend auf schnelle Hypes setzen, verfolgt Greenfields bewusst einen anderen Ansatz. „Wir buchen ja quasi seit Tag 1 die Line-ups um Sven Väth herum“, erklärt René Vaitl. Ziel sei es, einen House- und einen Techno-Floor zusammenzustellen, „der ein paar Jahre später auch noch so funktionieren würde“. Deshalb verzichte man bewusst auf Artists, „die vielleicht viele Tickets verkaufen würden, aber uns keine musikalische Nachhaltigkeit liefern“.
Auch das diesjährige Jubiläumsmotto „25 Years. One Love.“ entstand eher spontan als strategisch. Roman Lehmann relativiert direkt: „Eigentlich haben wir kein Motto und sind auch kein Format, das sich emotionale Sprüche auf die Fahne schreiben muss.“ Greenfields stehe seit jeher „für sich selbst, die Künstler und die Musik“. Die bekannte Jubiläumszeile sei ursprünglich lediglich eine Instagram-Caption gewesen. Trotzdem müsse er zugeben: „Es ist kurz, emotional, bleibt hängen und trifft es irgendwie.“
Dass sich die elektronische Musikszene und die Festivalwelt in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert haben, sehen beide als völlig natürlichen Prozess. „Wandel ist spannend“, sagt Lehmann. Gleichzeitig müsse man aber nicht jedem Trend hinterherlaufen: „Entscheidend ist, authentisch zu bleiben und die Entwicklungen bewusst einzuordnen, statt blind hinterherzulaufen.“
Besonders spannend ist dabei auch der Blick auf München selbst. Die Stadt galt lange nicht unbedingt als Techno-Metropole wie Berlin oder Frankfurt. René Vaitl erinnert sich: „Ende der 80er und Anfang der 90er hatte München tatsächlich den Ruf, in Sachen Techno und House ein bisschen rückständig zu sein.“ Das habe sich jedoch spätestens mit den legendären Rave-Events am alten Flughafen München-Riem grundlegend geändert. „Zwischen 94 und 95 gab es drei ‚Rave City‘-Editionen mit jeweils 25.000 Besuchern.“ Später seien dann Clubs wie Rote Sonne, Blitz Club oder das KW hinzugekommen und hätten München endgültig auf die Landkarte der elektronischen Musik gesetzt. Auch die Auswirkungen von Social Media betrachtet Vaitl differenziert. Positiv sei vor allem, dass sich Künstler heute unabhängig selbst vermarkten und eigene Fanbases aufbauen könnten. „Es gibt heutzutage für die verschiedensten Festival- und Clubformate sehr viel mehr Künstler zur Auswahl als noch vor 20 Jahren.“ Kritischer sieht er hingegen die Entwicklung des Nachtlebens insgesamt: „Die Leute gehen weniger, aber dafür exzessiver aus. Das ist für die Clubkultur natürlich nicht so toll.“
Zum Jubiläum wächst das Event in diesem Jahr noch einmal deutlich. Mehr Fläche, mehr Infrastruktur, mehr Produktion. Roman Lehmann betont jedoch, dass man inzwischen „wirklich am Limit des Möglichen angekommen“ sei. „15.000 Gäste brauchen eben Platz.“ Gleichzeitig spiele das Gesamterlebnis für Besucher heute eine deutlich größere Rolle als früher. Neben Musik und Booking gehe es längst auch um „Bühnen, Licht und die gesamte visuelle Inszenierung“, aber ebenso um „gutes Essen, funktionierende Infrastruktur, kurze Wartezeiten an den Bars, saubere WCs, ausreichend Wasser, Schattenplätze und solche Dinge“. Das Ziel sei letztlich simpel: „Am Ende wollen wir ja, dass die Leute für einen Tag abschalten können.“
Besonders emotional wird es für Lehmann beim Rückblick auf prägende Festivalmomente. Einer davon bleibt für ihn das Greenfields 2022 – die erste Ausgabe nach der Pandemie. „Man hat einfach gemerkt und gesehen, was den Leuten gefehlt hat. Das war in jeder Millisekunde spürbar.“ Ebenso unvergessen: 2019, als Gregor Tresher an Sven Väth übergab und „Substance“ spielte. „Absoluter Gänsehaut-Moment. Bei mir und in der Crowd.“ Und auch 2025 sorgte ein Closing von Charlotte de Witte für Ausnahmezustand auf den „Green-Fields“.
Von einem „neuen Kapitel“ will Lehmann trotz Jubiläum übrigens gar nicht sprechen. „Das klingt, als würden wir mit etwas abschließen. Tun wir nicht.“ Vielmehr verstehe sich Greenfields als fortlaufende Entwicklung. „Also eher kein neues Kapitel, sondern mehr die Fortschreibung einer ongoing Erfolgsstory.“
Line-Up: &Me, Ben Klock, Desiree, Marie Montexier, Meere, Pan-Pot, Peggy Gou, Richie Hawtin, René Vaitl, Sven Väth
01.08.2026 · Galopprennbahn, München