AFK Audio Drumbeam im Test: Trommeln bis der Arzt kommt!

Fünf Minuten, das reicht meistens. Studio oder Bühne oder Karton, Bauchgefühl, fertig. Beim Drumbeam ging dieser Automatismus nicht auf. Kein Vergleich mit den üblichen Verdächtigen unter den Drum Controllern, sondern eher ein Gefühl, einem Gerät in die Hände gefallen zu sein, das die Beziehung zum Rhythmus neu verhandelt. Ich hatte schon als Teenager ein Yamaha DD-12 und fand elektronische Drumpads immer schon sexy. Pads und Controller findet man daher in meinem Studio in jeder Ecke. Auf der Bühne war lange Zeit ein Nord Drum Pad mein treuer Begleiter, robust, direkt, absolut bühnentauglich. Genau deshalb war ich erstmal skeptisch, ob ein Gerät in einer anderen Bauform diese Rolle überhaupt übernehmen kann. Im Studio darf Technik experimentell sein. Auf der Bühne muss sie aber einfach funktionieren. Und genau das macht er: Der Drumbeeeeeaaaaam!

Die Idee klingt für Profi-Schlagzeuger vielleicht erstmal ungewohnt: Statt einzelner Pads gibt’s hier eine durchgehende Leiste mit Segmenten, die nicht nur erkennt, ob man trifft, sondern auch wo genau innerhalb des Segments und wie fest man spielt. Selbst ein Quetschen (Squeeze Function) der Oberfläche wird in Sound oder Modulation übersetzt. Klingt auf dem Papier nach Spielerei, fühlt sich in der Praxis wirklich überraschend direkt und musikalisch an. Gerade für Musik-Producer, die zum ersten Mal mit solchen Schlag-Into-Midi Tools in Berührung kommen ein echter Gamechanger.

Gerade live zeigt er seine größte Stärke. Er bringt etwas organisches zurück in elektronische Performances, das zwischen Laptop, Controller und Display auch schonmal schnell verloren geht. Das Publikum sieht deine Bewegung und hört sofort das Ergebnis. Dazu kommt die RGB Beleuchtung der Segmente, die bei jedem Hit aufleuchtet und mitpulsiert. Das sieht auf einer dunklen Bühne richtig gut aus und macht aus dem Drumbeam fast schon ein eigenes Lichtelement im Set. Man spielt nicht einfach einen Beat ab, man performt ihn, und ja: Man sieht ihn sogar!

Die eigentliche Überraschung für mich war aber nicht der Showeffekt, sondern die unfassbar tolle Stabilität. Der Drumbeam fühlt sich nicht nach einem Experiment an, sondern eher wie ein Werkzeug. Daran scheitern nämlich viele neue Controller. Eine super Idee reicht nicht, wenn man sich on Stage nicht auf sie verlassen kann. Klar stellt sich bei so einem Konzept sofort die Frage, wie präzise das Ganze auch wirklich funktioniert. Bei Drums gibt es wenig Spielraum für Kompromisse. Eine Filterfahrt darf ruhig mal anders reagieren, eine Modulation darf auch gerne mal frei schwingen, aber ein Drum Hit muss halt einfach sitzen. Timing ist doch alles, und genau hier konnte mich der Drumbeam überzeugen. Ich habe ihn klassisch mit Drumsticks gespielt sozusagen als MIDI Eingabe Gerät für mein Drum Rack in Ableton Live. Er ist also kein isoliertes Instrument, sondern integriert sich direkt in mein bestehendes Live Setup. Eigene Sounds, eigene Samples, eigene Effektketten, alles blieb wie gewohnt, nur die Art des Spielens änderte sich. Auch zum einspielen von Bassline Melodien oder Synth Shots hat er super viel Spass gemacht.

Seine Reaktionszeit ist extrem schnell. Zwischen Bewegung und ausgelöstem Sound liegt keine Millisekunde, in dem man über die Technik nachdenken müsste. Man spielt einfach. Gerade für Drummer, die von klassischen Pads kommen, ist das enorm wichtig. Ein Controller darf sich nicht wie ein Computer Eingabegerät anfühlen. Er muss verschwinden und ein Teil von Deiner Performance werden: Zero Latency.

Lange Zeit war mein Nord Drum Pad genau dieses Werkzeug für mich, simpel, stabil und bühnentauglich. Der Drumbeam tritt nun in diese Fußstapfen, geht aber gleichzeitig einen eigenen Weg. Er ersetzt nicht einfach ein Pad durch ein anderes sondern macht aus mehreren Pads eine einzige durchgehende Leiste mit frei einteilbaren Zonen. Klingt vielleicht erstmal nach Einschränkung, wird aber schnell zur Stärke. Man trifft keinen einzelnen festen Punkt mehr, sondern bewegt sich über eine größere Fläche, je nachdem, wie man die Zonen selbst aufteilt. Die Performance wird größer, sichtbarer, körperlicher, und gerade auf einer Club oder Festivalbühne ist das ein echt geiler Faktor.

Setup und erste Schritte

Meistens läuft es ja so: Handbuch öffnen, Menüs verstehen, Einstellungen testen, und nach ein paar Stunden hat man halbwegs das Gefühl, zu wissen, was man tut. Beim Drumbeam ging das erstaunlich schnell. Nach dem Auspacken hat es bei mir keine zehn Minuten gedauert, bis das Gerät eingerichtet und spielbereit war. Gerade für den Live Einsatz ist das wichtig. Kreative Technik darf komplex sein, aber sie sollte nicht kompliziert sein. Deepes Menüdiving macht zumindest mir keinen großen Spass. Wenn die Idee kommt, will man direkt loslegen und nicht erst eine Stunde konfigurieren. Der Einstieg ist einfach, die Möglichkeiten darunter gehen aber natürlich deutlich tiefer.

In meinem Setup nutze ich meistens die maximale Anzahl von 12 virtuellen Zonen und spiele zu meinen fertigen Tracks zusätzliche Drums, FX-Sounds oder Synth-Shots dazu. Der Reiz liegt für mich nicht darin, ein klassisches Pad eins zu eins zu ersetzen, sondern den zusätzlichen Raum zu nutzen, den der Drumbeam bietet. Eine einzige Spielfläche wird so zu einem flexiblen Performance Werkzeug mit zwölf eigenständigen Funktionen. Besonders bei Snares, HiHats und FX merkt man den Unterschied zu einem starren Trigger. Durch die Positionserkennung und die MIDI CC Daten bleibt ein Hit nicht einfach ein Hit. Kleine Bewegungen verändern den Sound während des Spielens, und genau das macht meine Patterns lebendiger als alles, was ich vorher programmiert habe.

Hardware, Software und Alltag auf der Bühne

Nicht die Idee eines Instruments entscheidet, ob es dauerhaft im Setup bleibt. Am Ende entscheidet der Dancefloor. Proben, Transporte, Auftritte, hektische Umbauten auf dunklen Bühnen, das muss so ein Gerät aushalten. Der Drumbeam fühlt sich genau dafür gemacht an. Die Verarbeitung vermittelt sofort Vertrauen. Es ist kein empfindliches Stück Studiotechnik, das man nur vorsichtig anfassen darf. Ich war mit dem Drumbeam auf einer kleinen Mini-Tour, und genau dort zeigte sich, ob ein neues Konzept wirklich trägt. Robustheit ist das Stichwort.

Man kann auch ganz ohne tiefen Einstieg in die Software direkt loslegen: anschließen, einrichten, spielen. Wer einfach eine schnelle MIDI Steuerung für sein bestehendes Setup sucht, kommt sehr schnell ans Ziel. Die eigentliche Stärke steckt aber natürlich in den erweiterten Möglichkeiten der webbasierten App. Hier lässt sich der Drumbeam wesentlich genauer an die eigene Arbeitsweise anpassen, virtuelle Zonen, Sensorverhalten, kreative Optionen, das macht aus dem Gerät weit mehr als einen simplen Trigger.

Einen winzig kleinen Kritikpunkt habe ich beim mitgelieferten USB Kabel. Gerade weil der Drumbeam so viel Spaß macht und man mit Sticks richtig in den Performance Modus kommt, hatte ich auf der Bühne manchmal den Gedanken: Hoffentlich bleibt das Kabel da, wo es sein soll. Im normalen Betrieb gab es hier tatsächlich keine Probleme, nur: Auf einer dunklen Festivalbühne denkt man über solche Kleinigkeiten eben anders nach. Das „Locking USB Kabel“ welches als Zubehör erhältlich ist, wäre eine sinnvolle Ergänzung im Lieferumfang. Für eine mögliche MK2 Version wäre vielleicht auch ein eingebauter Akku mit Bluetooth eine spannende Idee, komplett kabellos würde das Konzept des freien Spielens noch konsequenter weiterführen. Aber eigentlich ist er perfekt, wie er ist. Der Drumbeam funktioniert dort, wo es zählt. Für mich ist er nicht nur ein interessantes Experiment, sondern eine echte Alternative zu einem klassischen Drum Pad geworden.

Für wen ist der Drumbeam gemacht?

Der Drumbeam ist nicht auf eine spezielle Zielgruppe ausgelegt. Live Drummer können ihr bestehendes Setup erweitern und zusätzliche elektronische Sounds vom Laptop oder einem anderen Klangerzeuger abfeuern, ein akustisches Drumset lässt sich so einfach um digitale Elemente ergänzen, ohne dass ein großes zusätzliches Setup nötig wird. Auch für Produzenten ergibt das Konzept Sinn. Viele kennen die Situation: Drums mit der Maus programmieren, Noten verschieben, quantisieren, und am Ende klingt alles perfekt, aber auch ein bisschen zu sauber. Mit dem Drumbeam lassen sich handgespielte Drumloops direkt in die DAW einspielen, Microtimings entstehen automatisch und bringen mehr Menschlichkeit in die Produktion zurück.

Die dritte Gruppe sind DJs. Gerade hier wird oft unterschätzt, wie viel Potenzial zusätzliche Performance Elemente haben. Ein DJ Set muss nicht nur aus Übergängen bestehen, mit dem Drumbeam lassen sich zusätzliche FX Sounds, Snares, Drops oder kleine rhythmische Elemente live einbauen. Aus einem klassischen Set wird so schnell etwas Eigenes.

Fazit

Der Drumbeam ist ein Gerät, bei denen man erst beim Spielen wirklich versteht, warum das Konzept funktioniert. Auf dem Papier könnte man sich fragen: Eine Leiste statt einzelner Pads. Braucht man das wirklich? Nach meinem Test ist die Antwort ziemlich klar: Ja, weil es nicht darum geht, einzelne Schlagflächen einfach durch eine größere zu ersetzen, sondern darum, mit der Sensorik für Position und Druck neue Möglichkeiten zu schaffen. Und es gibt da draussen so viel Schnick Schnack, da kann man das klassische Drumpad doch auch gerne mal neu denken.  Die Kombination aus extrem schneller Reaktion, präziser Positionserkennung, MIDI Steuerung und virtuellen Zonen macht ihn zu einem erstaunlich ausdrucksstarken Instrument, und trotzdem bleibt der Einstieg unkompliziert. Auspacken, anschließen, ein paar Minuten später: Musik machen.

Für mich persönlich hat der Drumbeam vor allem auf der Bühne überzeugt. Er bringt mehr Bewegung und Sichtbarkeit zurück in elektronische Performances und ist gleichzeitig robust genug, um nicht nur ein spannendes Produktionstool zu bleiben, sondern wirklich mit auf Tour zu gehen.

Nach vielen Jahren mit klassischen Pads hätte ich nicht gedacht, dass mich nochmal ein neues Konzept in diesem Bereich so überraschen kann. Aber genau das hat der Drumbeam geschafft.

Aus dem FAZEmag 173/07.2026
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