
Aida Arko steht für einen Sound, der sich weniger an klaren Genregrenzen orientiert als an Gefühl, Energie und persönlicher Entwicklung. Geprägt von ihren persischen Wurzeln und einem bewegten Lebensweg zwischen Iran, Wien, Berlin und inzwischen Ibiza, hat sie sich eine künstlerische Identität aufgebaut, die auf Instinkt, Emotion und Authentizität basiert. Mit ihrer neuen EP „Art of Rebirth“ verarbeitet sie genau diesen Prozess: Transformation, Selbstfindung und das bewusste Durchlaufen von Veränderungen. Im Gespräch gibt sie Einblicke in ihre Geschichte, ihre Arbeitsweise und die Gedanken hinter ihrem aktuellen Release.
Wer ist Aida Arko und wo bist du aktuell – geografisch und musikalisch – verortet?
Ich bin ein persisches Mädchen, das im Iran aufgewachsen ist und das Land in sehr jungen Jahren verlassen hat. Seitdem habe ich viele verschiedene Leben und Versionen von mir selbst erlebt. Ich war schon immer jemand, der sich gegen Systeme und Erwartungen auflehnt. Nach einer Karriere als Performerin habe ich schließlich meinen Weg in die elektronische Musikszene gefunden – als Produzentin und DJ hinter dem Pult, was zu meiner wahren Leidenschaft geworden ist. Musik war dabei immer mein Kompass. Ich bin ihr stets gefolgt, anstatt zu versuchen, sie zu kontrollieren. Aktuell lebe ich auf Ibiza, einer wunderschönen Insel, die mich durch ihre Kontraste ständig inspiriert – sehr organische, natürliche Landschaften treffen hier auf eine intensive, immersive, vernetzte, futuristische und fast surreale Energie.
Wie würdest du deine EP in eigenen Worten beschreiben – und was macht sie besonders?
Ich habe ganz bewusst entschieden, möglichst keine Samples zu verwenden. Fast alles, was man hört, basiert auf eigenen Aufnahmen. Die Vocals sind entweder meine eigene Stimme oder die Stimmen von talentierten Freund:innen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Die beiden Feature-Tracks auf der EP sind Ausdruck davon, wie unterschiedliche Menschen und Visionen zusammenkommen. Mein Ziel war es, all diese Energien in eine gemeinsame Richtung zu lenken und sie mit den anderen, komplett eigenen Tracks der EP zu verbinden, um mehr Vielfalt zu schaffen. Die EP hat eine starke Identität – musikalisch und in ihrer Geschichte – bleibt dabei aber vielseitig. Sie funktioniert in einem Trance-Set, in einem bouncy Set, in einem härteren Techno-Set oder auch in einem emotionalen Prime-Time-Moment.
Was steckt konzeptionell hinter „Art of Rebirth“?
„Art of Rebirth“ steht für Transformation. Die EP spiegelt eine Phase meines Lebens wider, in der ich mich emotional, kreativ, körperlich und beruflich neu aufbauen musste. Der schwierige Teil ist dabei essenziell, denn ich glaube, dass es eine Kunst ist, sich selbst neu zu erfinden. Das passiert nicht passiv, sondern ist ein aktiver Prozess, in dem man sich seinen tiefsten Ängsten stellt, sie neu verdrahtet und formt. Auf diesem Weg begegnet man sich selbst in unterschiedlichen Momenten und wird vielleicht von verschiedenen Versionen seiner selbst überrascht – und genau das wird Teil der eigenen neuen Identität. Es ist essenziell für Wachstum, etwas, das ich irgendwann gelernt habe zu entdecken und als Prozess zu genießen.
Kannst du uns durch die Tracks und ihre Geschichten führen?
Jeder Track steht für eine Phase der Transformation: “Pain to Light (Aida Arko & Hacoon – ARAA–DE Vocals)” ist inspiriert vom Adler, der alle sieben Jahre seine Federn abwirft, um neue wachsen zu lassen. Der Track steht für den Beginn der Transformation, in dem Schmerz notwendig ist, um die Komfortzone zu verlassen. “The Art of Rebirth (Extraterrestrial)” steht für Akzeptanz und Selbstwahrnehmung. Man hört auf, sich zu wehren, und beginnt den Wert dessen zu verstehen, was man durchlebt. Es entsteht Dankbarkeit für Wachstum und dafür, sich selbst genau so zu lieben, wie man wirklich ist. “Azadi (Way of Freedom) (feat. Moonface)” – „Azadi“ bedeutet Freiheit auf Persisch. Dieser Track steht für Befreiung – der Moment, in dem das Licht beginnt, die Dunkelheit zu überwiegen, während man in seiner Ausrichtung bleibt und Fehler nicht als negativ, sondern als Lernprozess und Annäherung an die Wahrheit versteht. “House of Eternity (Universe Connected With Higher Self)” ist quasi die Phönix-Phase. Die Rückkehr zu sich selbst, die Verbindung mit dem höheren Selbst und das Gefühl, wieder vollständig integriert zu sein.

Wie sind die Kollaborationen entstanden?
Die Kollaborationen sind sehr organisch entstanden. Ich habe die beiden Vocalists ARAA und MOONFACE ganz natürlich bei Events auf der ganzen Welt kennengelernt. Bei Hacoon war es so, dass ich einen Track von ihm geliebt habe und ihn daraufhin für eine Zusammenarbeit kontaktiert habe. Bei allen hatte ich sofort das Gefühl, dass wir etwas Spannendes zusammen erschaffen können. Für mich ist es extrem wichtig, meinem Instinkt zu vertrauen. Manchmal spürt man sofort etwas – und wenn man diesem Gefühl folgt, ohne es zu zerdenken, landet man ganz natürlich am richtigen Ort.
Was hat den Sound der EP beeinflusst?
Die EP trägt ein Gefühl von Veränderung, Wachstum und der Suche nach Antworten in sich – sowie die Resilienz, die auf diesem Weg entsteht: lernen, empfangen, sich neu orientieren, anpassen und größer denken als das eigene Umfeld. Sie spiegelt diesen fortlaufenden Transformationsprozess wider, in dem nichts feststeht und alles in Bewegung ist.
Wie sieht dein kreativer Prozess aus?
Kreativität kennt für mich keine Grenzen oder Limits. Sie existiert in allem – in grauen, regnerischen Tagen, an denen scheinbar nichts fließt, genauso wie in Momenten purer Inspiration, in denen Ideen endlos kommen. Alles ist Kreativität. Auch die Tage, die sich leer oder blockiert anfühlen, sind Teil des Prozesses, weil sie den Momenten des Flows Tiefe und Bedeutung geben. Ich nehme beides an.
Woher kommen die Vocals und Soundelemente?
Die meisten Vocals auf dieser EP stammen von mir selbst und von meinen talentierten Freund:innen. Wir haben sie gemeinsam aufgenommen und komponiert – in einem ständigen Austausch von Ideen. Ich bin sehr stolz darauf, wie organisch dieser Prozess war. Alles fühlt sich lebendig und menschlich an, weil es aus echter Interaktion entstanden ist und nicht aus überproduzierten, komplizierten Konstruktionen.
Was treibt dich kreativ an – und welche Herausforderungen haben deinen Weg geprägt?
Als Frau aus einem Land zu kommen, das von Einschränkungen und Herausforderungen geprägt ist, hat meine Perspektive stark geformt. Ich musste lernen, meine Kraft selbst in die Hand zu nehmen und den Unterschied zwischen Kraft und Zwang zu verstehen, um meinen eigenen Weg zu gehen. Das war der schönste, aber auch der herausforderndste Teil meiner Reise. Ich glaube, je mehr dich das Leben herausfordert, desto stärker wächst deine Kreativität, weil dein Geist gezwungen ist, zu wachsen, sich anzupassen und über Grenzen hinauszudenken.
Was steht als Nächstes an?
Für dieses Jahr sind mehrere Releases geplant, darunter auch das spannendste Projekt nach dieser EP: der Launch meines Labels Ark Angel Recordings. Über mein Label werde ich künftig deutlich häufiger meine eigene Musik im Rahmen meiner Vision veröffentlichen. Diese Freiheit im Ausdruck ist der Hauptgrund, warum ich es gegründet habe. Darüber hinaus stehen viele weitere Releases, Kollaborationen, Festivals und Shows an, auf die ich mich sehr freue und über die ich bald mehr teilen werde.
Aus dem FAZEmag 171/05.2026
Text: Triple P
www.instagram.com/aida_arko