In der vergangenen FAZE-Ausgabe präsentierten wir euch mit den drei Berlinern Holger, Hannes und David Thalstroem bereits ein Tour-Special, in dem sie u.a. über Heimweh, den verrücktesten Fans, das beste Steak und das beste Frühstück berichteten. Nur vier Wochen später zeichnet das Hauptstadt-Trio – inmitten aller Festlichkeiten über ihr Remixwerk zum Album „Varieté nach DJ Hell und Peter Cornely aka Karotte für den dritten Download-Mix in der FAZE-Geschichte verantwortlich. Zu diesem Anlass gab es an einem Montagvormittag einer für DJs sonst mehr als unüblichen Zeit ein entspanntes Interview zu viert.

Wirft man einen Blick auf den aktuellen Tourkalender von Aka Aka, fragt man sich, wann die Jungs überhaupt mal zur Ruhe kommen. Zum Zeitpunkt des Interviews zeigte der Kalender gerade einmal eine Hand voll Free-Dates. Bis Silvester. Dennoch wirken allesamt sympathisch, entspannt und voller Tatendrang. „Montag ist eigentlich – wie bei jedem DJ – unser strikter Schontag. Heute machen wir für FAZE aber eine Ausnahme, lacht Holger und überlässt Hannes das Wort. „Es war mal wieder ein tolles und zugleich anstrengendes Wochenende, an dem wir u.a. beim Plus-Minus-Festival gespielt haben. Insgesamt vier Gigs in zwei Tagen und jeweils nur zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht. Aber wie so oft in letzter Zeit sitzen wir voller Glücksgefühle und mit einem satten Lächeln in Berlin und freuen und schon jetzt auf das kommende Wochenende.

Mit ihrem Sound zwischen straighten Beats und von David Thalstroem live eingespielten Instrumental-Melodie-Hymnen, lassen sie sich dieser Tage schwer in eine Schublade packen. Einen Trend erkennt Hannes für 2012 aber dennoch: „Ich habe das Gefühl, dass Vocals noch stärker kommen als es 2011 der Fall war. Solomun gehört für uns persönlich auf diesem Gebiet zu den Pionieren, der dies wie kein zweiter beherrscht. Aber auch ein Marek Hemann oder Phonique, die jeweils ein Remix zu unserem „Afterglow anfertigen, überzeugen immer wieder mit Vocals. Es macht den Anschein, dass Techno wieder Techno wird und House dementsprechend housiger. Damit meine ich keine Schubladen, in die die jeweiligen Styles gepackt werden, sondern eher die Trennwände, die wieder präsent sind. Es gab eine Zeit, da hat sich alles gleich angehört, erinnert sich Holger, der auch direkt eine Antwort auf Inspiration und Ideen des typischen Aka Aka-Sounds hat: „Eigentlich muss man nur einen Blick auf die Remixerliste unseres Albums werfen. Das ist in unseren Augen das absolute Who-is-Who der Szene, und wir sind wirklich froh und stolz, all diese unglaublichen Künstler für unsere Arbeiten gewinnen zu können und auf einer einzigen CD zu vereinen. Grundsätzlich lassen wir uns aber wirklich von allem beeinflussen. Sei es das Reisen, jeder einzelne Gast, die Hotels, die verschiedensten Kulturen und vieles mehr. David meint: „Der Vorteil ist, dass wir musikalisch wirklich aus drei verschiedenen Ecken kommen und dadurch jeder anders geprägt ist. Das ergibt im täglichen Zusammenleben eine äußerst interessante Mischung. Und beim Remixalbum haben mich sehr viele Leute überrascht, weil sie noch viel musikalischer waren als ich gedacht hatte. Wie viele wissen, mag ich es eher verspielt und melodiös. Deshalb stehen wir drei z.B. sehr auf Laurent Garniers neue Nummer ‚Jack In The Box‘. Diesen Track hätte er genau so vor oder aber auch erst in acht Jahren veröffentlichen können. Zeitlose, schöne Musik.

Mit solchen Begriffen wurde auch ihr Album „Varieté“ auf dem hauseigenen Label Burlesque Musique bei Veröffentlichung betitelt. Nach dem Motto „Nach dem Album ist vor dem Album“ gibt es schon wage Pläne für den kommenden Longplayer. Eins steht fest das nächste Album wird mit wesentlich weniger Druck angefertigt. Wir werden es langsamer angehen lassen. Die Deadlines beim vergangenen Album waren immens. Ein paar zukünftige Tracks haben wir auch schon in petto, da steht es aber noch nicht fest, ob sie als Single erscheinen oder nicht. Da erweist es sich als riesen Vorteil, ein eigenes Label zu haben weil wir einfach zu jeder Zeit das du tun können, worauf wir Lust haben. Wobei ich denke, dass die Produktionszeit an sich wieder sehr geballt sein wird. Bis dahin haben wir aber entspannt Zeit, viele Eindrücke und Impressionen auf unseren Gigs zu sammeln und zu verarbeiten, schätzt David.

Und obwohl Holger und Hannes sich erst im Sommer 2008 auf einem Berliner OpenAir kennenlernten und erst kürzlich in die Riege des DJ-Olymp aufstiegen, tragen sie bereits jetzt den Status der besonderen Sympathieträger. Wir haben mit cliquebookings eine der angesehensten Agenturen in der Szene an unserer Seite sodass so gut wie alle Bookings auf einer sehr freundschaftlichen Basis ganz ohne Stress ablaufen. Da weiß man einfach mittlerweile, mit wem man arbeiten kann und mit wem nicht. Natürlich gibt es immer wieder Bookings, die man im Nachhinein eher ungern wiederholen möchte. Aber das gehört zum Job. Unser größter Feind in den Clubs war und ist immer wieder der Platzmangel. Wir sind eben mit drei Leuten, einer Menge Controller, Live-Instrumenten, zwei MacBooks etc. am Start da braucht man Platz. Aber der Punkt, an dem wir auch nur ansatzweise das Wort ‚Stress‘ ernsthaft in den Mund nehmen, ist noch lange nicht erreicht. Wir lieben das, was wir tun, berichtet Hannes über ihren Alltag in der Nacht.

Auch David, der mit seinem Background als klassischer Musiker Wochenende für Wochenende mit seinen Instrumenten wie der Trompete eine Menge Gefühle auf die Dancefloors dieser Welt loslässt, ist über die elektronische Szene – auch hinter den Kulissen – angetan. Da ich aus einer ganz anderen Szene komme, stelle ich regelmäßig fest, wie organisiert das hier alles abläuft. Bei den Jazzern geht es schon wesentlich chaotischer zu. Ich fühle mich hinter den verrauchten DJ-Pulten zu teilweise  unmenschlichen Zeiten pudelwohl. Auch die Aussage, dass sie außer Bier, Cola, ein paar Flaschen Wasser und Handtüchern nichts brauchen, um geschmeidig und erfolgreich durch die Nacht zu kommen, ist ein Beleg dafür, dass es auch ohne seitenlange Rider geht. Schampus und Ruhm hin und oder her – hier wird tagtäglich mit Herzblut gearbeitet. Ok, Holger und David brauchen definitiv noch Raucherzimmer und den Latest-Check-Out, schmunzelt Hannes.

Für die dritte FAZE-Ausgabe präsentieren Aka Aka also den Download-Mix – eine Mischung aus eigenen Nummern und aktuellen Favourites. Eine Verbindung zu ihren Mix-Vorgängern DJ Hell und Karotte haben sie ebenfalls, erzählt Holger. Helmut haben wir bislang ein paar mal live gesehen. Er ist ein toller Künstler und liefert seit Jahren großartige Arbeit. Einen äußerst freundschaftlichen Draht verbindet uns mit Peter aka Karotte. Wir haben selten jemanden gesehen, der mit so viel Spaß und Freude durch die Clubs zieht. Um ehrlich zu sein, haben wir ihn noch nie schlecht gelaunt erlebt. Jetzt am Wochenende hatte er nach Wochen samstags frei und hat uns tatsächlich bei unserer Homeparty in Offenbach besucht. Das war wieder sehr spaßig. Mindestens einmal im Monat trifft man sich mal geplant, mal durch Zufall im Club, zum Essen oder am Flughafen und verbringt eine gute Zeit. Er ist ein Coinasseur, der seinesgleichen sucht. Man könnte fast sagen, dass wir ihn bewundern.

In den kommenden Wochen werdeb neben dem wochenendlichen Wahnsinn mit Aka Aka auch einige EPs erscheinen. Mehr Infos konnten die Jungs leider noch nicht preis geben. Dafür entlockten wir von jedem einzelnen jedoch seine Vorstellung eines gepflegten Samstagabend in Berlin. Hannes: 1. Abendessen im Grünfisch in Kreuzberg, einem wunderbaren Sizilianer. Danach Aufwärm-Programm im Kreuz Köln oder in einer der zahllosen Kneipen auf der Weserstraße. Zum Abschluss in den Arena-Club, und wenn zu später Stunde die Kräfte noch reichen, definitiv noch ins Ritter Butzke zum ‚Warm-Down‘. Holger: Zuerst schön selbst zuhause mit der Familie kochen, danach zu einem der vielen kleinen OpenAirs; die faszinieren mich gerade sehr. Eigentlich reicht mir das schon. David: Ja, zuhause kochen oder zu meinem Lieblingsitaliener in Kreuzberg. Danach müsste ich mich Holger anschließen. Ich bin schon im OpenAir-Modus …

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