AlphaTheta CDJ-1500X – Nur keine Berührungsängste!

Oha, ein neuer CDJ. Dachte man sich beim Hören der News und hatte gleich ein Bild im Kopf. Mit diesem Kopfbild passten die ersten Bilder des CDJ-1500X dann aber kaum zusammen. Denn AlphaTheta geht offensichtlich einen etwas anderen Weg. Die Oberfläche des kompakten Tools wirkt futuristisch-plan. Bedienelemente sind kaum mehr vorhanden. Im Zentrum steht ein riesiger Touchscreen wie man ihn bereits vom Spitzenmodell CDJ-3000X kennt. Hinter der ungewöhnlichen Optik und dem veränderten Konzept steckt allerdings keine drastisch abgespeckte Unit, sondern ein eigenständiger Standalone-Multiplayer mit großem Display, WLAN, Cloud- und Streaming-Anbindung, Pro DJ Link und zahlreichen Performance-Funktionen.

Design, Verarbeitung und Format

Trotz der reduzierten Oberfläche fühlt sich der CDJ-1500X mitnichten wie ein Kompromissgerät an. Das mattschwarze Gehäuse macht einen hochwertigen Eindruck, die Taster besitzen definierte Druckpunkte, Encoder laufen sauber und das mittelgroße Jogwheel sitzt satt in seiner Lagerung. Mit 252,1 × 374,7 × 116,5 Millimetern und nur 3,6 Kilogramm ist der Player erfreulich kompakt. Ein schönes Detail sind die tief in das Gehäuse eingelassenen Anschlussbereiche, die sich zugleich als Griffmulden nutzen lassen. Die innenbeleuchtete Aussparung vorn sorgt dafür, dass man auch bei schlechtem Licht erkennt, wo die Speichermedien eingesteckt werden müssen. Auch das transportfreundlich kleine, externe Netzteil passt zum mobilen Konzept.

Anschlüsse: alles Wichtige an Bord

Bei den Anschlüssen zeigt sich der CDJ-1500X nahezu vollständig. An der Vorderseite sitzen ein USB-A- und ein USB-C-Anschluss für Speichermedien. Auf der Rückseite kommt ein weiterer USB-C-Port für die PC/Mac-Verbindung hinzu. Dazu gibt es LAN für Pro DJ Link, WLAN sowie den analogen Stereo-Cinch-Ausgang für das Audiosignal. Über Pro DJ Link lassen sich bis zu vier Player über ein Netzwerk miteinander verbinden. WLAN wird unter anderem für CloudDirectPlay und StreamingDirectPlay genutzt. Unterstützt werden außerdem NFC und die Anmeldung per QR-Code. Was allerdings fehlt, ist ein koaxialer Digitalausgang. Das dürfte für viele Home- und Mobile-DJs kaum relevant sein, kann bei professionellen Setups mit Digitalmixer aber durchaus eine Rolle spielen.

Bedienoberfläche: weniger Tasten, mehr Touch

Wesentliche Teile der Bedienung werden vom kapazitiven 10,1-Zoll-Vollfarben-Touchscreen bestimmt, wie man ihn u. a. vom Flaggschiff CDJ-3000X kennt. Als Hardware sind noch einige wichtige Performance-Funktionen ausgeführt: Play und Cue sowie der Pitch-Regler natürlich. Zudem sind acht Hot-Cue-Tasten und der neue Beat-Loop-Regler vorhanden.

Die beiden wichtigsten Drehregler sitzen rechts und links vom Display. Der Browse-Encoder rechts übernimmt klassisch die Navigation durch Bibliothek, Ordner und Playlisten. Drehen bewegt den Cursor, ein Druck bestätigt die Auswahl. Alternativ lässt sich natürlich auch über den Touchscreen navigieren. Auf der gegenüberliegenden Flanke sitzt der Beat-Loop-Regler. Durch Drehen wird die gewünschte Loop-Länge eingestellt, ein Druck startet den Loop. Gerade während eines laufenden Mixes ist das angenehm direkt und erspart die klassische Bedienung über mehrere Loop-Tasten.

Das Display als DJ-Cockpit

Der Touchscreen ist mehr als eine große Trackliste. Der Arbeitsablauf beginnt auf dem Source-Screen, über den USB, Cloud oder Streamingdienste ausgewählt werden. Anschließend geht es in den Browse-Bereich. Dort zeigt der Player neben Trackinformationen auch Cover, Wellenformvorschau, BPM und Tonart an. So lässt sich bereits vor dem Laden einschätzen, welcher Titel als Nächstes passen könnte.

Ist der Track geladen, wechselt die Anzeige in die Waveform-Ansicht, deren Zoom-Faktor sich über den Browse-Regler variieren lässt. Hier stehen Wellenform, Cues, Loops, BPM und Tonart im Mittelpunkt. Besonders interessant sind die zusätzlichen Informationen. Der Touchscreen kann Vocal-Positionen, BPM-Änderungen und die Phrasenstruktur eines Tracks anzeigen. Gerade bei unbekannten Titeln ist das im laufenden Set eine echte Orientierungshilfe. Vocal-Daten und weitergehende Analyseinformationen setzen allerdings eine entsprechende Analyse in rekordbox voraus. Hinzu kommen Shortcuts für Anzeige- und Bedienoptionen sowie separate Bereiche für CoBeat-Anfragen und Nachrichten. Zu den letzten Punkten später mehr. Dark- und Light-Mode ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche Lichtbedingungen. Der Workflow ist dadurch angenehm geradlinig: Quelle wählen, Track suchen, gegebenenfalls vorhören, laden und spielen. Auch Playlisten lassen sich direkt am Gerät bearbeiten.

Interessant ist auch die Option, neue Tracks direkt auf dem CDJ-1500X zu analysieren. Dieser wichtige Punkt geht in der Anleitung fast unter. Dabei werden die für die grundlegende Trackdarstellung und Wiedergabe benötigten Informationen ermittelt, etwa BPM, Tonart und Wellenform. Für weitergehende Daten wie Phrase- oder Vocal-Informationen bleibt die Analyse in rekordbox notwendig. Die rekordbox DJ-Software lässt sich natürlich ebenfalls vom CDJ-1500X steuern. Unterstützt werden unter anderem rekordbox im Performance-Modus sowie die Nutzung als DJ-Controller über USB; für den Export-Workflow steht die Netzwerkverbindung zur Verfügung.

Cloud und Streaming

Auch hierbei rückt der CDJ-1500X dicht an das 3000X-Modell heran. Über rekordbox CloudDirectPlay lässt sich auf eine cloudbasierte Musikbibliothek zugreifen. StreamingDirectPlay unterstützt Apple Music, Beatport Streaming und TIDAL. Die Anmeldung kann über QR-Code oder NFC erfolgen. Neu ist das zwar nicht: Diese Funktionen gehören bereits zum Konzept des CDJ-3000X. Interessant ist aber, dass AlphaTheta sie nun in den deutlich kompakteren CDJ-1500X bringt. Gleichzeitig bleibt der klassische USB-Workflow vollständig erhalten.

Ein wesentliches Novum besitzt aber selbst der 3000X nicht: CoBeat. Über einen QR-Code kann das Publikum per Smartphone Songwünsche und Nachrichten direkt an den DJ senden. Die Informationen erscheinen direkt auf dem Display des CDJ-1500X. Ein Underground-DJ mit Drang nach ungestörter Selbstentfaltung wird CoBeat natürlich als Frevel ansehen. Aber keine Panik: Die Anfragefunktion lässt sich über den Request-Status schließen. Für Hochzeiten, Bars, Firmenveranstaltungen oder mobile DJs ist die Funktion hingegen durchaus sinnvoll. Der DJ behält die Kontrolle über das Set, bekommt aber gleichzeitig ein Feedback vom Publikum.

Jogwheel und Performance

Das mittelgroße Jogwheel ist einer der Punkte, bei denen der kompakte Aufbau spürbar wird. Sein Durchmesser ist geringer als bei großen Clubplayern, es besitzt aber durch seine rutschfeste Oberfläche einen sehr angenehmen Grip. Für Pitch-Korrekturen und normale Performance-Aufgaben arbeitet es absolut präzise. Eine kleine Eigenheit fällt beim Jogwheel allerdings auf: Im Displayauge wird eine virtuelle Nadel durch einen Doppelstrich dargestellt, der die aktuelle Position innerhalb der Umdrehung visualisiert. So weit, so bekannt. Beim Rundlauf wirkt diese Anzeige allerdings optisch unruhig. Mutmaßlich aufgrund von relativ großen Segmentabständen wirkt die Animation nicht ganz sauber. Funktional ist das unproblematisch, optisch fällt es bei dem ansonsten sehr modernen Display aber auf.

Die acht Hot-Cue-Tasten, Beat Jump, Beat Sync und der Beat-Loop-Regler machen den Player auch für performativere Sets interessant. Entscheidend ist dabei die Kombination aus direkter Hardware und Touchscreen: Was während des Mixes ad hoc erreichbar sein muss, bleibt als Taste oder Regler erhalten. Alles andere wandert aufs Display. Und betrachtet man sich die CDJ-Historie, ist das nur konsequent.

Klang, Praxis und Fazit

Klanglich gibt sich der CDJ-1500X ausgesprochen souverän. Er überzeugt durch die saubere und ausgewogene Wiedergabe. Der Bass besitzt Druck und Definition, während Mitten und Höhen transparent bleiben. Stimmen und Instrumente werden sauber aufgelöst, ohne dass der Klang unnötig kühl wirkt. Damit ist der Player auch für kritisches Abhören geeignet. Wer den Player allerdings digital in einen Mixer oder eine andere digitale Audiokette führen möchte, hat aufgrund des fehlenden Digitalausgangs das Nachsehen. Nach einigen Stunden mit dem CDJ-1500X bleibt vor allem ein Eindruck hängen: AlphaTheta hat hier nicht einfach einen kleineren Player gebaut, sondern den klassischen CDJ-Workflow ordentlich aufgeräumt. Das große Display, die reduzierte Hardware-Oberfläche, Cloud- und Streaming-Zugriff sowie die direkte Bibliotheksnavigation machen den Player ausgesprochen modern. Gleichzeitig bleiben die wirklich entscheidenden Performance-Funktionen dort, wo man sie erwartet: unter den Fingern.

Natürlich gibt es Kompromisse. Vor allem der fehlende Digitalausgang ist bei bestimmten professionellen Setups ein echter Minuspunkt. Und wer möglichst viele physische Bedienelemente bevorzugt, muss sich an die Steuerung vieler Funktionen ausschließlich über den Touchscreen erst gewöhnen. Nicht wenige dürften genau das aber auch als übersichtlich und befreiend empfinden. Wer einen kompakten, eigenständigen Multiplayer mit aktuellem Workflow sucht, bekommt ein absolut vielseitiges Gerät. Der CDJ-1500X eignet sich damit sowohl für Home-Setups als auch für Bars, Lounges, kleinere Clubs und mobile Anwendungen, bei denen Platz und Flexibilität eine wichtige Rolle spielen. Wer allerdings mit dem Wegfall zahlreicher Hardwarefunktionen auf ein Preisschnäppchen spekuliert hat, muss sicherlich kurz schlucken: 1.699 Euro sind durchaus eine Ansage.

Aus dem FAZEmag 175/09.26
www.alphatheta.com