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Noch liegt das Alpicon House Music Festival Vol. 4 vor uns – doch bereits jetzt ist spürbar, dass der März im Hochzillertal wieder ganz im Zeichen elektronischer Musik stehen wird. Am 20. und 21. März verwandelt sich die Region rund um Kaltenbach und Fügen erneut in einen temporären Schmelztiegel aus House-Sounds, Wintersport und internationaler Clubkultur. Mehrere Locations am Berg und im Tal, freier Festivalzutritt und ein hochkarätiges Line-up bilden den Rahmen für ein Event, das bewusst auf Atmosphäre und musikalische Tiefe setzt – und nicht auf bloße Effekthascherei.
Was Alpicon auszeichnet, spiegelt sich besonders in den Worten derjenigen Artists, die 2026 Teil des Programms sind. LOVRA verbindet mit dem Festival vor allem emotionale Eindrücke. „Die verschneite Landschaft, die tollen Leute und die großartige Stimmung sind mir in bester Erinnerung geblieben“, sagt sie rückblickend – und genau diese Mischung ist es, die sie immer wieder gern ins Zillertal zurückkehren lässt. Musikalisch bewegt sie sich heute „klar im Tech-House- und im UK-House-Bereich“, wobei sie betont, dass „Deep-House und klassischer UK-House bis heute mein musikalisches Fundament bilden“. Diese Entwicklung lässt sich auch an ihren Sets ablesen, die bewusst zwischen Stilen und Generationen vermitteln. „Ich baue in meine Sets immer viele IDs ein und liebe es, die Leute mit neuer Musik zu überraschen“, erklärt sie. Gleichzeitig bleiben prägende Inspirationen präsent: „Meine Einflüsse aus den 90ern und 2000ern habe ich immer mit dabei – das ist einfach ein Teil von mir und meinem Sound.“ Der Blick geht dabei klar nach vorn, denn „2026 steht ganz im Zeichen neuer und starker Releases – ein musikalisch sehr starkes Jahr, auf das ich mich extrem freue.“

Einen anderen, aber ebenso konsequenten Ansatz verfolgen LUNNAS. Als Schwestern-Duo verstehen sie ihre unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkte nicht als Gegensatz. „Diese Unterschiede sind tatsächlich eine unserer Stärken“, erklären sie. Während bei der einen „Rhythmus und perkussive Strukturen“ dominieren, liegt der Fokus der anderen stärker auf „melodischen und harmonischen Elementen“. In den gemeinsamen Sets der Schwestern verschmelzen diese Ansätze zu einem klaren, modernen Afro-House-Sound. „Unser Sound ist sehr kuratiert: präzise Track-Auswahl, Aufmerksamkeit für Übergänge und ein starkes Gefühl für Progression“, sagen sie. Ziel sei es immer, dass ein Set „von Anfang bis Ende kohärent ist und eine klare musikalische Identität hat“. Insbesondere Festivals wie Alpicon bieten für sie den idealen Rahmen, um neue Musik zu präsentieren: „Eine großartige Plattform, um frische Sounds vorzustellen.“ Dass Afro-House außerhalb von Ibiza auf ein anderes Publikum trifft, empfinden sie nicht als Einschränkung: „Außerhalb der Insel passen wir uns an – wir achten auf den Raum, den Zeitrahmen und darauf, wie schnell wir Intensität aufbauen können.“ Entscheidend sei letztlich die Verbindung zur Crowd: „Unser Ziel ist immer, diesen ‚Wow‘-Moment zu schaffen, in dem es nur noch ums Tanzen und eine unvergessliche Nacht geht.“

Tom Novy wiederum blickt mit der Erfahrung vieler Jahre auf das Alpicon House Music Festival und dessen Entwicklung. „Alpicon ist eindeutig gewachsen“, konstatiert er und verweist darauf, dass „jedes Jahr mehr Leute kommen, die Bock haben, Skifahren und elektronische Musik zu kombinieren“. Besonders bemerkenswert sei, wie sich das Booking internationalisiert hat: „Das Team greift immer wieder neue Trends auf und bringt frischen Sound ins Zillertal.“ Für ihn liegt die Besonderheit des Festivals jedoch weniger im Line-up als im Gesamtgefühl. „Ganz einfach: die Mischung. Diese unglaubliche Bergkulisse, die Leute, die Atmosphäre – und natürlich die Musik“, so Tom Novy. Alpicon habe Charakter und sei „nicht einfach nur ein Festival, sondern ein Gefühl, das du da oben am Berg bekommst“. House-Music in den Alpen zu etablieren, hält er für konsequent und zeitgemäß: „House ist unpolitisch, offen und lädt jeden ein, Teil des Ganzen zu sein. Es verbindet Menschen, egal, woher sie kommen.“ Genau daraus entstehe eine eigene Community, „und das fühlt sich verdammt gut an“.

Was sich durch alle Gespräche zieht, ist der Stellenwert des Ortes selbst. Alpicon funktioniert durch Übergänge: vom Tag in die Nacht, von der Piste auf den Dancefloor, vom individuellen Erlebnis zur kollektiven Bewegung. Die unterschiedlichen Locations verstärken diesen Effekt, weil sie immer neue Kontexte schaffen und Künstler*innen wie Publikum herausfordern, sich darauf einzulassen. Noch ist die nächste Ausgabe Zukunft – doch genau darin liegt der Reiz. Das Alpicon House Music Festival 2026 kündigt sich nicht als lautes Spektakel an, sondern als bewusst gestaltetes Erlebnis, bei dem Musik, Umgebung und Menschen in einen Dialog treten. Für zwei Tage entsteht so ein temporärer Raum, der zeigt, wie selbstverständlich elektronische Clubkultur auch in den Bergen funktionieren kann.
20. – 21.03.26 — Hochzillertal-Kaltenbach, Fügen (Österreich)
Line-up: Adala, ALMA, Caleesi & Kreis, Chaz Washington, Cristiano da Silva, David Penn, der Alte, ENREY, Hoody, LENI, LeSano, LOVRA, LUNNAZ, Malu, Marco Fehr, Mario Sanxez, Marvin Aloys, Max Grösswang, MiBA, Mimi Love, MÖWE, Natalie Blüme, Nena Polap, Ninedegree, PBH, Pete, Pomboklap, Raoul Tosa, Rayco Santos, Saintro P. Sax Up, Tom Novy, Vornelinks, Wankelmut
www.instagram.com/alpicon.zillertal
Aus dem FAZEmag 168/02.2026