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In der Tat benötigt man bei manchen Künstlern nur eine geringe Anzahl an Schlagworten, um zu wissen, von wem die Rede ist. In diesem Fall wären das z.B. Begriffe wie „Flashing Disco Sounds“, „apeoffice“ oder schlichtweg „Dortmund“. Ante Perry gehört mit seinem Dasein als Künstler nicht erst seit gestern zum Innercircle der Sympathieträger und erfolgreichen Plattendreher der Republik. Unvergessen bleiben auf eh und je Stücke wie „Beachpower“ und „Der Urknall“. Seit über zehn Jahren verfolgt der einstige Jugend-Nationalspieler Andreas Pachurka einen roten Faden. Zwischen Großveranstaltungen wie MAYDAY und NATURE ONE, krediblen Raves im Berliner Underground und seiner in gelbschwarz getünchten Heimatstadt im Ruhrpott – am Pult beweist Ante im Wochentakt, dass er zu den großen Spielführern dieser Nation gehört. Releases verbuchte er auf Imprints wie Moonbootique oder Systematic. Zweifelsohne hat sich sein roter Faden bislang stets bewährt. Doch nun ist es an der Zeit für „the next big thing“. Im Herbst geht Ante Perry mit Be An Ape mit seinem eigenen Label an den Start.


Man könnte meinen, es wäre Ende letzten Jahres etwas ruhiger um dich geworden. Allerdings liest man deinen Namen dieser Tage häufiger denn je – unter anderem durch ein Release auf Katermukke. Wo bist du gerade und wie geht es dir?
Ante Perry: Ich befinde mich gerade in Makarska in Kroatien und mache Urlaub. Eigentlich sollte ich auf dem Alligator Festival in Petrcane spielen, aber das wurde aufgrund behördlicher Probleme abgesagt. Also bleibt es beim Urlaub, den ich auch echt gebraucht habe. Es ist kurz vor Mitternacht, wir sind kurz davor, in den Deep Club aufzubrechen, in dem ich die letzten Jahre immer gespielt habe. Allerdings haben sie das Programm auf Kommerz umgestellt, so dass ich in diesem Jahr erstmals nicht dort spielen darf. Daher gehen wir einfach nur mal dancen.“

Nach dem Urlaub gehst du nach über einem Jahrzehnt in diesem Business mit deinem eigenen Label Be An Ape an den Start. Was hat dich dazu bewegt?
Du hast einleitend erwähnt, das es scheinbar etwas ruhiger um mich geworden sei. Allerdings habe ich im apeoffice gesessen und sämtliche Vorbereitungen getroffen. Nach dem Release von „Flashing Disco Sounds II“ habe ich sehr viel aufgelegt und vor allem eins gemacht – selbst produziert bzw. meine Skills darin vorangetrieben. Die Jahre zuvor waren ja vor allem Tube & Berger und Kolombo dafür mitverantwortlich, dass ich als Ante Perry überhaupt Releases hatte.  Ich habe jahrelang daneben gesessen und ihnen genau auf die Finger geschaut. Mit den Jungs habe ich einfach super Lehrer gehabt und dabei eine Menge gelernt. Musik machen kann heutzutage jeder, aber die dicken Eier in die Musik reinzubringen, ist halt die wahre Kunst dabei. Und genau das beherrschen Tube & Berger und Kolombo aus dem Effeff. Bessere Lehrer hätte ich daher gar nicht haben können. Nun, wo die Herrschaften durch die Decke schießen, war es endlich an der Zeit, dieses Handwerk selbst zu erlernen, anstatt es sich einfach zu machen und sich jemanden Neues zu suchen. Genau aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, ein eigenes Label zu gründen. Habe ich früher sehr viele Partys veranstaltet, um mir als DJ eine Plattform nach meinem Geschmack zu geben, könnte man dies nun auf das Label ummünzen. Ich möchte meine Musik rausbringen – that’s it. Für meinen Stil gibt es für meinen Geschmack sehr wenige Anlaufstellen, das habe ich in den vergangenen Jahren herausgefunden. Die Zeit für ein eigenes Label war demnach überreif.

Du hast auch vor, Vinyl pressen zu lassen. In dieser Zeit ein gewagter Schritt. Ist es die Liebe zum Schwarzen Gold, die dich daran festhalten lässt?
Definitiv. Auch wenn ich selbst kein Vinyl mehr spiele, möchte ich ein Produkt auf den Markt bringen, das man anfassen bzw. aufhängen kann. Und das geht mit Vinyl ganz gut. Auch wenn ich Vinyl sehr gerne mag, bin ich da keiner von diesen Nerds. Ich bin eher ein Sound-Ästhet. Der Klang von Pladde ist einfach um Längen wärmer und klingt dicker als ein mp3-File.

Du wirst – gemeinsam mit deinem Projekt Mono Negro – auch der einzige Ästhet auf dem Label bleiben, richtig?
It’s my playground. Deswegen werde ich erstmal nur meine eigenen Tracks und die von Mono Negro veröffentlichen. Das ist das neues Projekt, das ich mit Flo Mrzdk ins Leben gerufen habe, der zufälligerweise gerade neben mir sitzt, da wir seit vier Jahren gemeinsam hier nach Makarska in den Urlaub fahren. Hier ist auch Idee von Mono Negro entstanden, bei einer Palette Karlovacko Bier unter der adriatischen Sonne. Dann haben wir im April mit unserer Debüt-EP auf Kittball das Licht der Welt erblickt, und in diesem FAZEmag-Mix sind ja auch einige Mono Negro-Tracks enthalten, wie ihr alle hören werdet. Wir spielen live, also mit Ableton, diversen Controller und DJM und CDJ als Back-Up. Wir  betreiben Understatement und bezeichnen unseren Sound als Dope Shit – und genau so soll das auch live rüberkommen.“

Wie kann man sich als Laie den Start eines Labels vorstellen?
Die Idee ein eigenes Lab ins Leben zu rufen, kreist schon aus Zeiten als A&R Manager bei Punx und Polo Records in meinem Kopf. Das war gegen 2006. Am Anfang einer Labelgründung brauchst du erstmal einen Namen und vor allem Tracks. Dann kommt die Logo-Entwicklung. Danach habe ich angefangen, die Vertriebsverträge auszuhandeln. Jetzt muss ich noch mal zum Gewerbeamt, um den Zusatz „Tonträgerhersteller“ in meinen Gewerbeschein zu integrieren, denn dann bekomme ich auch meinen Labelcode. Gerade stelle ich meinen Promopool auf, den ISRC Stammcode habe ich auch schon bekommen. Jetzt fehlt nur noch der Tube & Berger Remix für meine Debütplatte, und dann gehts endlich los.“

Inwieweit machst du dir, nun auch als Label-Owner, Gedanken über die GEMA bzw. wie stehst du zur aktuellen Diskussion?
Eigentlich, und das meine ich ernst, ist die GEMA eine gute Sache. Allerdings bin ich ehrlich enttäuscht von dieser Institution – mir fehlen einfach die Worte. Mit ihrer innovativen Tarifreform haben sie sich kurzerhand richtig derbe ins Abseits geschossen. Es würde hier den Rahmen sprengen, alles aufzulisten, was die verbockt haben. Aber nur so viel: Analoges Denken im digitalen Zeitalter ist definitiv fehl am Platz. Ich war auch bei der ersten GEMA-Demo in Berlin letztes Jahr, als die GEMA ihre Hauptversammlung in der Kulturbrauerei hatte. „Stoppt die GEMA-Tarifreform“ habe ich zusammen mit Dr. Motte geschrien. Und was hat es gebracht, dass sich ganz Deutschland über die GEMA aufregt? Gar nix. Jetzt sollen wir DJs auch noch blechen, wenn wir unsere Musik vom Stick oder einer gebrannten CD wiedergeben. Ganz im Ernst, die haben sie nicht mehr alle. Ich bin echt mal gespannt, wann die Bombe endgültig platzt.

Die erfreulichere Bombe, die be an ape 001, steht in den Startlöchern. Wann genau wird Release sein und was folgen?
Ich denke, Ende Oktober wird sie veröffentlicht. Ob 002, dann von Mono Negro, noch in diesem Jahr erscheint, entscheide ich noch. Ich werde das Tempo vorgeben und meinen eigenen Weg dabei gehen. Es werden vier oder maximal fünf Releases pro Jahr erscheinen, damit sich jedes davon voll entfalten kann. Ich bin froh, das Tube & Berger einen Remix beisteuern, denn alles, was die Jungs in den letzten drei Jahren gemacht haben, hat Hand und Fuß. Die Raw Rotz Jungs sind mir Anfang des Jahres aufgefallen, die werden einen Remix auf dem zweiten Release haben.

Womit produzierst du und was sind deine favorisierten Tools?
Ich produziere mit Ableton und habe angefangen, mir eine kleine Synthie-Sammlung aufzubauen. Ich stehe total auf die Korg-Sachen. Angefangen mit dem Microkorg habe ich mir jetzt den Electribe und den M50 angeschafft. Ganz oben auf der Wunschliste steht der Polysix, aber da muss ich noch ein wenig sparen. Ansonsten benutze ich diverse Plug-Ins. Ganz besonders liebe ich den Dune. Aber ich versuche, meine Synthies so oft wie möglich einzusetzen, da sich der analoge Sound einfach besser anhört.

Die Sommersaison ist kurz vor ihrem Finale. Was waren deine persönlichen Highlights, und was steht im Herbst Tour-Technisch an?
Mein größtes Highlight in diesem Jahr war tatsächlich der Gig auf dem Mainfloor bei der Ruhr-in-Love. Dort hab ich mit dem Phil Fuldner b2b gespielt, und das war einfach weltklasse. Ich hab noch nie vor so vielen Leuten aufgelegt. Das war beeindruckend. Super war auch unser eigener Floor auf der Juicy Beats und mein Closing Set im House of House bei der NATURE ONE am Sonntagmorgen. Tourmäßig gehts im September erstmals nach Dänemark, und in Zürich darf ich endlich auch mal spielen. 

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