
Zum 20-jährigen Jubiläum blickte das NEOPOP nicht einfach nur zurück, sondern ging gleich ganz an seinen Ursprung: Für eine Ausgabe wurde aus NEOPOP wieder ANTIPOP – jener Name, unter dem die Geschichte des Festivals einst begann. Vom 6. bis 8. August wurde Viana do Castelo damit erneut zu einem der wichtigsten Treffpunkte der internationalen Techno-Szene. Und selten dürfte deutlicher geworden sein, wie eng das Festival inzwischen mit der nordportugiesischen Stadt verbunden ist.
Schon vor dem eigentlichen Start am Donnerstag begann das Jubiläumsprogramm. Am Mittwochabend fanden im Teatro Sá de Miranda die „NEOPOP Original Sessions“ statt, unter anderem mit James Holden & Wacław Zimpel live und Mathew Jonson. Auch während der Festivaltage beschränkte sich das Programm nicht auf das Gelände am Forte de Santiago da Barra. Auf dem NEO Camping spielten einige der großen Namen zusätzliche Sets, darunter Héctor Oaks und FJAAK. Besonders gelungen war jedoch ein Pop-up von Richie Hawtin am Freitagnachmittag: Für zwei Stunden spielte er mitten in der historischen Innenstadt von Viana do Castelo und brachte ANTIPOP damit dorthin, wo sich an diesem Wochenende ohnehin vieles um das Festival drehte.

Überhaupt war die Verbindung zwischen Stadt und Festival überall spürbar. NEOPOP wirkt in Viana do Castelo längst nicht wie ein Fremdkörper, der einmal im Jahr für drei Nächte auftaucht. In Restaurants, Bars und auf den Straßen trafen Festivalbesucher auf Einheimische, und man merkte, dass das Wochenende hier seinen festen Platz gefunden hat. Gerade bei einem Festival dieser Größe und internationalen Strahlkraft ist das alles andere als selbstverständlich.
Auch auf dem Gelände selbst wurde die Geschichte der vergangenen zwei Jahrzehnte aufgegriffen. Das diesjährige Bühnensetting orientierte sich stärker an den frühen Jahren des Festivals, gleichzeitig kam mit der Back Stage ein zusätzlicher Bereich hinzu, auf dem vor allem Acts aus dem lokalen und portugiesischen Umfeld Raum bekamen. Auf dem Weg dorthin führte eine Ausstellung durch die visuelle Geschichte des Festivals: Artworks und Designs aus 20 Jahren zeigten, wie sich NEOPOP nicht nur musikalisch, sondern auch ästhetisch entwickelt hat.

Musikalisch war das Jubiläum entsprechend groß aufgestellt. NEOPOP gehört seit Jahren zu den Festivals, die es schaffen, etablierte Techno-Größen mit aktuellen Acts und ungewöhnlichen Kombinationen zusammenzubringen. Das zeigte sich 2026 besonders deutlich an den zahlreichen Back-to-back-Sets. Eines der stärksten des Wochenendes lieferten BIIA und Patrick Mason. Zwei sehr unterschiedliche Energien trafen hier so selbstverständlich aufeinander, dass aus dem B2B weit mehr wurde als die Summe zweier Namen auf dem Line-up.
Auch Jeff Mills zeigte einmal mehr, warum er auf einem solchen Jubiläumsprogramm nicht fehlen darf. Präzise, kompromisslos und völlig ohne den Eindruck, sich auf seinem Status als Techno-Legende auszuruhen, gehörte sein Set zu den musikalischen Höhepunkten des Samstags. Gleichzeitig machte das Programm mit Namen wie Ben Klock b2b Rødhåd, Goldie, Nina Kraviz, Richie Hawtin, Helena Hauff b2b IMOGEN oder FJAAK x KiNK deutlich, wie breit NEOPOP seine eigene Vorstellung elektronischer Musik inzwischen auslegt.

Dazu kamen perfekte sommerliche Bedingungen und ein Gelände, dessen Lage am Atlantik und unmittelbar an der historischen Festung weiterhin zu den großen Stärken des Festivals gehört. Gerade weil NEOPOP inzwischen international längst etabliert ist, tat dieser bewusste Blick zurück gut. ANTIPOP fühlte sich nicht wie ein nostalgisches Jubiläum an, bei dem vor allem vergangene Erfolge gefeiert werden sollten. Stattdessen wurde sichtbar, wie viel von der ursprünglichen Idee nach 20 Jahren noch vorhanden ist.
Den passenden Schlusspunkt setzte Laurent Garnier. Sein „Le Grand Finale“ am Sonntagmorgen war mehr als nur das Closing eines weiteren Festivalwochenendes. Nach drei Tagen voller Referenzen an Vergangenheit und Gegenwart führte ausgerechnet einer jener Künstler, die elektronische Musik seit Jahrzehnten prägen, das Jubiläum zu Ende. 20 Jahre nach den Anfängen als ANTIPOP hat sich NEOPOP zu einem der relevantesten elektronischen Festivals Portugals entwickelt und spielt auch im internationalen Vergleich längst in einer eigenen Liga. Für ein Wochenende wieder den alten Namen anzunehmen, war deshalb weniger ein Schritt zurück als eine ziemlich passende Erinnerung daran, wo alles begonnen hat. Und auch weitergeht. Denn nun wurde verkündet, dass das Festival vom 5. bis 7. August 2027 in seine 21. Ausgabe geht.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an