
Mit rund 1,6 Millionen Euro dotiert, zeichnet der von der Initiative Musik ins Leben gerufene APPLAUS-Award herausragende Clubs, Musikspielstätten und Konzertreihen in Deutschland aus. In sechs verschiedenen Kategorien, darunter „Inklusion“, „Nachhaltigkeit“ und „Awareness“, winken den Teilnehmer*innen Preisgelder von bis zu 50.000 Euro, die sie ohne Zweckbindung frei verwenden können. Wir wollten wissen, welchen Stellenwert die Auszeichnung für Clubs besitzt und welche Privilegien mit dem Award einhergehen. Hierfür haben wir mit einem der Gewinner aus dem Jahr 2023 gesprochen: Enrico Ebert vom Geheimclub Magdeburg.
Enrico, ihr habt 2023 den Preis als beste Musik-Livespielstätte in Sachsen-Anhalt gewonnen. Was bedeutet diese Anerkennung für euch – als Symbol, als Motivation und als sichtbarstes Stück eurer bisherigen Arbeit?
Die Auszeichnung mit dem Applaus-Award bedeutet für uns, dass auch ein Club, der mit Ausrichtung und Programm eine Nische bedient, dennoch sichtbar, gewürdigt und wertgeschätzt wird. Clubs werden — so unsere Meinung — oft als gottgegeben angesehen. Als Selbstverständlichkeit, und wenn ein Club zumacht, dann macht irgendwo halt ein neuer auf. Dass Clubs aber für viele Menschen eine Stadt erst lebenswert machen, wird oft vergessen, vernachlässigt, oder fällt meist komplett irgendwo hintenüber. Die Wertschätzung war Balsam für die Clubseele.
Mit welchen Intentionen und Ambitionen habt ihr euch damals beworben?
Es gab keine konkreten Ambitionen oder gar irgendein Kalkül. Wir haben das, was wir lieben und täglich weiterentwickeln, versucht, in Worte zu verpacken.
Als Gewinner der Kategorie „beste Musik-Livespielstätte“ habt ihr ein nicht zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro erhalten. Was habt ihr mit dem Preisgeld gemacht?
Wir haben das Preisgeld in einen neuen Außenbereich investiert, da der Trend für Veranstaltungen ganz klar in Richtung Open-Air geht. Wir konnten nun parallel zum Clubbetrieb im Innern eine gemütliche Atmosphäre unter freiem Himmel schaffen und haben seither einen attraktiven Spot mit ein wenig Festivalcharakter.
Als einer der wenigen – vielleicht einzigen – technozentrierten Clubs in Magdeburg seid ihr auch ein Mutmacher in einer Branche, die vielerorts schrumpft. Wie nehmt ihr diese Rolle wahr?
Derzeit geht es tatsächlich einzig und allein ums Überleben. Dass wir die Clubkultur mitgestalten, die lokale Szene mitaufbauen und mitprägen, das Nachtleben mitgestalten und attraktiv halten, ist vielen Helferinnen und Helfern zu verdanken, die in dem Club ihr zweites Wohnzimmer sehen. Ohne diese Unterstützung wäre keine weitere Prägung oder Weiterentwicklung, vermutlich nicht einmal mehr der Fortbestand, möglich. Hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Dass wir — wie viele andere auch — es doch noch irgendwie eigenverantwortlich hinbekommen, entbindet scheinbar Politik und Verwaltung von ihrer Pflicht, die groß und laut ausgesprochenen Versprechen auch endlich einmal in die Tat umzusetzen. Message: Clubs sind Kultur — macht’s endlich verbindlich!
Welche lang- oder kurzfristigen Projekte verfolgt ihr mit dem Geheimclub aktuell? Ein kurzer Einblick in die bevorstehenden Highlights eures Programms?
Wir haben viele Neuerungen geplant, manches läuft bereits ohne große Publicity. Abseits von Ballungszentren reicht es nicht mehr, nur laute Musik mit Gastronomie zu verbinden. Clubs müssen zurück in den Underground, Nischen besetzen und Safer Spaces bieten – für all jene, die kein Urlaubsbudget für eine Kommerzveranstaltung, gesponsert von einer Firma für Magerquark oder Vollgummireifen, ausgeben wollen. Für die, die nicht ihr Leben auf Snapchat, TikTok oder Instagram teilen, sondern im Club den Moment genießen. Unsere Aufgabe ist es, Räume für Träume zu schaffen, in denen man den Wahnsinn da draußen für ein paar Stunden vergisst. Genau dieses echte Clubfeeling wollen wir ermöglichen. Die Details bleiben jedoch geheimer als Colonel Sanders Gewürzmischung.
Die Verleihung des 12. APPLAUS-Awards findet dieses Jahr am 17. November in der Muffathalle in München statt.
Aus dem FAZEmag 163/09.2025
Text: M.T.
www.applaus-award.de