Arbeiten als Duo – mit Eli & Fur

Foto: Vita Petlakh

Eliza Noble und Jennifer Skillman sind Eli & Fur. Das aus London stammende Duo gehört zu den großen Gewinnern im modernen House- und Techno-Kontext und hat sich mit einer Reihe an eklektischen Produktionen in der Speerspitze der Dance Music festgesetzt, darunter die von der Kritik gefeierten Alben „Found In The Wild“ und „Dreamscapes“. Wir haben mit dem multitalentierten Zweiergespann über ihre Gewohnheiten im Studio gesprochen.

Was sind eure größten individuellen Stärken?
Fur: Ich lasse mich oft von Instinkt und Emotion leiten – von Lyrics, Vocals und dem ersten Gefühl beziehungsweise der Welt, die sich um einen Track herum entwickelt. Ich werfe Ideen meist sehr frei in den Raum und schaue, wohin sie uns führen.

Eli: Ich bringe wahrscheinlich etwas mehr Objektivität in den Prozess. Ich liebe es, ins Detail zu gehen, Strukturen auszuarbeiten, Ideen zu verfeinern und darüber nachzudenken, wie ein Track im Club oder im Zusammenhang eines größeren Gesamtwerks funktioniert. Wir nähern uns den Dingen aus leicht unterschiedlichen Perspektiven, aber genau dieser Kontrast ist ein wichtiger Teil des Eli-&-Fur-Sounds.

Würdet ihr also sagen, dass eure Rollen im Studio klar verteilt sind?
Nein, unsere Rollen sind alles andere als starr. Sie haben sich über die Jahre ganz natürlich entwickelt. Wir schreiben, produzieren und arrangieren beide und arbeiten gemeinsam an den Vocals, auch wenn es bestimmte Bereiche gibt, zu denen jede von uns instinktiv stärker tendiert. Meist beginnt eine von uns mit einer Idee und die andere hört darin etwas völlig anderes. Genau aus diesem Austausch entsteht oft der interessanteste Teil eines Tracks.

Was ist das Schwierigste daran, gemeinsam Entscheidungen zu treffen?
Zu wissen, wann etwas fertig ist. Uns sind die Details beiden extrem wichtig, aber wir kommen nicht immer gleichzeitig zum selben Schluss. Eine von uns kann sich bei einem Vocal, einem Arrangement oder Mix völlig sicher sein, während die andere noch das Gefühl hat, dass etwas fehlt. Das kann den Prozess verlängern, bedeutet aber auch, dass alles, was wir veröffentlichen, durch zwei sehr ehrliche Paar Ohren gegangen ist.

Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um?
Wir sind seit sehr langer Zeit beste Freundinnen und arbeiten ebenso lange zusammen. Deshalb haben wir gelernt, Entscheidungen nicht zu erzwingen, wenn wir gerade zu tief drinstecken. Manchmal ist es das Beste, Abstand zu nehmen, am nächsten Tag noch einmal reinzuhören und die Antwort auf sich zukommen zu lassen. Wir sind außerdem sehr ehrlich miteinander – fast wie Schwestern.

Welches Equipment oder welche Software hat euren gemeinsamen Workflow am stärksten geprägt?
Ableton hat unseren Workflow stärker geprägt als alles andere. Es ermöglicht uns, schnell und intuitiv zu arbeiten – egal, ob wir mit einem Vocal beginnen, einen Groove bauen oder einfach zusammen jammen. Auch für unsere Live-Sets war es enorm wichtig. Als wir anfingen, gemeinsam zu produzieren, hat Ableton für uns wirklich alles verändert.

Was war bislang der prägendste Moment für euch als Duo?
Es gab viele wichtige Momente, aber die Entstehung und Tour von „Dreamscapes“ war besonders prägend. Das Projekt hat die intimere, vokale und cineastische Seite unserer Musik mit der elektronischen Welt verbunden, in der wir uns schon immer bewegt haben. Diese Tracks live zu spielen, war etwas Besonderes. Zu sehen, wie Menschen eine Verbindung zu der Musik aufbauen und wie sie in unseren Shows noch einmal ein völlig neues Eigenleben entwickelt, hat uns viel klarer gezeigt, wer wir sind und wohin wir als Nächstes wollen.

Woran arbeitet ihr aktuell?
Wir arbeiten gerade am nächsten Kapitel unserer Musik und entwickeln die Welt rund um „Dreams at Dusk“ weiter. Viel neues Material nimmt bereits Form an – von intimen, vocal-getriebenen Tracks bis hin zu Musik für die dunkleren, späteren Momente unserer Sets.

Aus dem FAZEmag 176/10.26
Foto: Vita Petlakh
www.eliandfur.com/