Mit „Out Of Place Artefacts“ liefern uns Rødhåd und VRIL ein geniales, experimentelles Konzeptalbum, das unsere Ohren mit einer vielschichtigen Klangpalette und einer unfassbar intensiven Atmosphäre erobert. „Out Of Place Artefacts“ erschien am 20. Oktober via Rødhåds WSNWG-Label. In unserer neusten „Arbeiten als Duo“-Edition erfahrt ihr mehr über die gemeinsame Studioarbeit der Ausnahmekünstler.

 

Was sind die Vor- und Nachteile, zu zweit im Studio zu arbeiten?

Rødhåd: Ein großer Vorteil ist, dass wir zu zweit schneller Entscheidungen treffen und dann auch zügig zu einem Ergebnis kommen. Der größte Nachteil bei uns ist wohl die räumliche Distanz, da ich in Berlin lebe und VRIL in Hannover.

Habt ihr feste Rollen im Studio? Wer macht was?

VRIL: Es gibt keine feste Aufteilung bei uns, jeder macht alles. Da wir aber bis jetzt nur in Rødhåds Studio zusammen gearbeitet haben, übernimmt er dort sozusagen die Aufnahmeleitung und sieht zu, dass an der Patchbay alles richtig verkabelt ist und die richtigen Spuren für die Aufnahme scharf geschaltet werden.

Wie oft und wie lang seid ihr zusammen im Studio?

Rødhåd: Da wir normalerweise recht viel unterwegs sind, beschränkt es sich leider auf 1-2 Sessions im Jahr. Dadurch hat es sich in den letzten Jahren schon fast zu einer Art Ritual entwickelt, dass wir zum Beispiel 7-10 Tage im Januar/Februar für eine gemeinsame Zeit im Studio blocken. In diesem Jahr sieht das natürlich alles ein wenig anders aus und wir konnten schon mehrere Sessions starten.

Womit beginnt ein klassischer Studiotag?

VRIL: KAFFEE, dann einen weiteren und eventuell noch einen.

Mal die Hand aufs Herz: Gab es Situationen, in denen Uneinigkeit zwischen euch herrschte? Falls ja, wie wurden diese gelöst?

Rødhåd: Natürlich gibt es auch mal Reibungen, aber das befruchtet ja den Prozess. Wenn man zu zweit arbeitet, ist man auch eher dazu bereit, mal einen Kompromiss einzugehen. Am Ende muss es einfach gut klingen. Das ist ein ganz spezielles Gefühl, das man dann auch gemeinsam erlebt.

Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie kam es zur Zusammenarbeit? 

VRIL: Wir haben uns in Berlin, um 2014 herum, auf einer Dystopian-Party im Arena Club kennengelernt und hatten gleich einen guten Draht zueinander. Ein wenig später waren wir dann auch in derselben Booking-Agentur und haben dadurch viele Gigs zusammen gespielt. Durch das gemeinsame Reisen konnten wir unsere Freundschaft weiter festigen.

Ihr habt bereits für den Track „Target Line“ auf Rødhåds Debütalbum „Anxious“ zusammengearbeitet. Wart ihr damals auch zusammen im Studio? Falls ja, habt ihr dieses Mal etwas anders gemacht bzw. neue Sachen ausprobiert?

Rødhåd: „Target Line“ wurde in unserer ersten gemeinsamen Studio-Session im Jahre 2017 aufgenommen. Das war unsere Kennenlernphase im Studio und die ersten Tracks waren eher klassischer Techno und Electro. Ab 2018 wollten wir musikalisch weitergehen und etwas ändern. Wir haben also konsequent gesagt, dass alles erlaubt ist, außer klassischer 4/4-Techno. Daraus ist dann das neue Out-Of-Place-Artefacts-Projekt entstanden.

Darf man in Zukunft weitere Kollaborationen von euch erwarten? 

VRIL: Wir haben schon angefangen an einem zweiten Album zu arbeiten und wollen das Projekt auch, wenn es wieder möglich ist, live mit einer A/V-Show auf die Bühne bringen. Ein erstes Konzert im kleineren Rahmen haben wir in den letzten Wochen hier in Berlin im OXI gespielt.

 

 

Aus dem FAZEmag 105/11.2020

www.soundcloud.com/rodhad
www.soundcloud.com/vril_01