Die Freunde Artur und Batish bilden das ukrainische Duo ARTBAT, das momentan in aller Munde ist. Kaum ein Newcomer hat es geschafft, so einen Start hinzulegen wie diese beiden. Angefangen hat alles erst im Jahr 2014, als sich die Jungs in einem ukrainischen Underground-Club trafen. Artur war dort bereits DJ und Batish war mit einem befreundeten DJ zu Gast. Und wie das eben so ist, kommt man bei Partys mit der ein oder anderen interessanten Person ins Gespräch. Musikalische Gemeinsamkeiten wurden schnell erkannt, aber auch ihre Visionen von der Klubkultur stimmten überein – und so trafen sich die beiden bald, um zusammen Musik zu produzieren. Drei Monate später stellte sich bereits der erste sichtbare Erfolg ein, mit „Mandrake“. Heute haben Artur und Batish bereits mit Labels wie Diynamic Music, Fryhide oder Gigolo Recordings zusammengearbeitet. Ihre Tracks werden auf Festivals und Veranstaltungen weltweit gespielt. Wie sie mit ihrem Erfolg umgehen und was ihnen sonst noch so durch den Kopf geht, erfahrt ihr im Interview. 

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Hallo, ihr beiden, wie geht es euch? Hattet ihr ein gutes Jahr?

Artur: Hallo Sofia, es geht uns sehr gut. Danke der Nachfrage und natürlich für die Einladung. 2018 war für uns eine Explosion.

Batish: Wir hatten einen vollgepackten Tourplan und einige hochwertige Veröffentlichungen. Wir konnten viel reisen und hatten die Möglichkeit, in vielen verschiedenen Ländern und Städten aufzutreten, die wir zuvor noch nie gesehen hatten.

Ihr seid beide schon seit geraumer Zeit im Nachtleben unterwegs. Inwiefern unterscheidet sich die ukrainische Szene von der in anderen Ländern?

Artur: Die Ukraine hat eine sehr coole Szene, die täglich wächst. Es gibt einige schlaue Köpfe, gerade in Kreisen der elektronischen Tanzmusik. Die Leute dort haben einen guten Geschmack.

Batish: Wir haben unsere Residency in Kiew im CHI by Decadence House, einem sehr einzigartigen und atmosphärischen Veranstaltungsort.

Nun wollt ihr auch in Deutschland den Durchbruch erzielen. Was denkt ihr über die deutsche Szene? Habt ihr den Wunsch nach einem eigenen Label? Welche Labels vertreten euer Ideal? Und ist ein eigenes in Planung? 

Batish: Die deutsche Szene war schon immer die Basis für die Clubkultur. Sie ist Heimat und Zuhause für eine Vielzahl der Künstler, die die elektronische Musik voranbringen. Bisher waren wir in Stuttgart, Berlin, Köln, Hamburg und in München. Uns ist aufgefallen, wie die Menschen hier mit der Musik verschmelzen und sich während eines Sets komplett fallen lassen.

Artur: Mit der Gründung eines eigenen Labels haben wir es noch nicht eilig. Wir investieren jedoch viel Zeit in die Suche passender Labels. Es spielt eine große Rolle für uns, das richtige zu finden, also das, das auch zu unserer Musik passt. Labels wie Diynamic, Fryhide oder Afterlife passen ziemlich gut zu unserem Stil. Ein eigenes Label ist bislang nicht in Planung.

Ihr hattet euren Durchbruch im Jahr 2015 mit eurem Track „Mandrake“. Da ihr euch erst 2014 kennengelernt habt, war das in kurzer Zeit ein ziemlich großer Sprung auf der Karriereleiter. Erzählt mal, wie seid ihr mit diesem raschen Aufstieg umgegangen und was hat sich verändert?

Artur: Unsere erste Veröffentlichung „Mandrake“ war die entscheidendste. Große Unterstützung erhielten wir von Richie Hawtin, der den Track mehr als ein Jahr lang in jedem seiner Sets spielte. Das war wirklich der Wahnsinn und wir konnten es kaum glauben.

Batish: Es war etwas Besonderes und eine Art Zeichen für uns. Uns wurde dann schnell klar, dass unsere Produktionen besonders sind und die Leute verzaubern. Wir haben immer an unsere Musik geglaubt. Zu Beginn war es erst mal nur ein großer Traum und es brauchte viel Arbeit, um ihn zu verwirklichen. Der Hype um „Mandrake“ brachte uns dazu, weitermachen zu wollen. Wir wollten mehr produzieren und mit der Welt teilen. Wir haben uns seitdem nicht groß verändert. Wir sind einfach engagierter und haben das zu unserem Lebensinhalt gemacht.

Mit welchem Equipment arbeitet ihr? Was ist entscheidend für euren Sound? Wie ist eure Rollenverteilung beziehungsweise gibt es überhaupt eine?

Artur: Wir benutzen hauptsächlich Computer, Midi-Keyboard, hochwertige Lautsprecher und eine Menge verschiedene Soft- und Hardware. Manchmal verwenden wir Moog für analoge Sounds, aber wir nutzen gerne die Vielfalt der VSTs.

Batish: Das Wichtigste für unsere Sounds sind unsere Inspiration und Stimmung. Das ist heutzutage viel wichtiger. Wir haben immer eine gute Zeit, wenn wir uns treffen, und mit dieser positiven Stimmung gestalten wir unsere Musik.

Artur: Wir teilen unsere Rollen im Studio immer auf. Manchmal macht einer von uns den Rhythmus, während der andere nach neuen Ideen und Melodien sucht.

Was ist der größte Unterschied hinsichtlich der Produktion zwischen elektronischer Musik und anderen Musikrichtungen? 

Artur & Batish: Aus unserer Sicht ist der größte Unterschied das Publikum. Denn genau für dieses wird ja auch die Musik eines bestimmten Genres kreiert. Du musst es fühlen und auf der gleichen Welle sein, um deine Emotionen mit den Leuten teilen zu können. Nur dann kannst du auch Musik für sie produzieren und gut spielen.

Diesen Monat erscheint eure neue EP „Upperground“ auf Solomuns Label Diynamic. „Planeta“ wurde ebenfalls auf dem Label veröffentlicht und ging durch die Decke. Ihr habt bereits mit einigen renommierten Plattenfirmen zusammengearbeitet, aber ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit mit Solomun etwas ganz Besonderes für euch ist. Wie ist das Ganze zustande gekommen und was könnt ihr mir über eure neue EP erzählen?

Artur: Ja, du hast völlig Recht. Eine ganz besondere EP für uns. Diynamic Music hat uns sehr dabei geholfen, uns zu verwirklichen. Um ehrlich zu sein ist es eines unserer Lieblingslabels und der Sound kommt unserer Musikpräferenz am nächsten. Deshalb war es immer ein ARTBAT-Traum, auf Diynamic zu veröffentlichen. Im Jahr 2016 stieß Solomun auf unseren Track „Uplift“. Er unterstützte den Track in all seinen Sets und signte ihn dann für eine „Four To The Floor“-Compilation. Von diesem Moment an hatten wir ein sehr enges Verhältnis zu Solomun und seinem Label.

Batish: In Bezug auf unsere kommende EP „Upperground“: Unser Ziel ist es immer, tanzbare Musik zu kreieren, die den Menschen Freude bereitet. Ob im Club, auf einem Festival oder zu Hause. Es ist ein unglaubliches Gefühl für uns, wenn Menschen mit unserer Musik eins sind. Mit dieser kommenden EP setzen wir unsere Vision von Tanzmusik fort. Sie besteht aus zwei kraftvollen Tracks: „Upperground“ und „Atlas“, während „Don’t Bring Me Down“ tiefer und traumhafter ist. „DBMD“ ist die zweite Zusammenarbeit auf Diynamic mit einem unserer Lieblingssänger und Produzenten, Dino Lenny. Ein wirklich sehr talentierter Künstler.

Welche Rolle spielen die sozialen Medien für euch? Was denkt ihr, wäre euer Erfolg auch ohne möglich gewesen?

Batish: Durch die sozialen Medien ist es ein Leichtes für uns, uns mit verschiedenen Künstlern und Labels in Verbindung zu setzen. Auch den Austausch und die Kommunikation mit den Fans macht die Plattform reibungslos.

Artur: Somit sind wir sehr abhängig von den sozialen Medien, sie sind unverzichtbar für uns. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind. Es wäre alles viel langsamer vonstattengegangen und wir hätten viel mehr Zeit in die Verbreitung unserer Musik investieren müssen. Die sozialen Netzwerke geben Leuten auf der ganzen Welt die Möglichkeit, sich auszutauschen und einander näher zu kommen.

Im Jahr 2013 kam es in der Ukraine zu Bürgerprotesten aufgrund politischer Auseinandersetzungen. Wie haben sich die Ukrainer seit der euromaidanischen Revolution verändert, sind sie offener geworden? Hatte sie auch Auswirkungen auf die Clubkultur?

Artur: Auf jeden Fall. Das war keine leichte Zeit für die Ukraine. Das Gute daran ist, dass die Menschen endlich verstanden haben, dass sie die Macht haben, etwas zu verändern. Sie müssen keiner Sache zustimmen, mit der sie nicht einverstanden sind. Sie können ihre eigenen Entscheidungen treffen und für ihre Rechte kämpfen.

Trotz allem war die Zeit nach den Protesten hart. Nachbarn, die Teile der Ukraine und die Situation eroberten – maximale Eskalation, wir standen kurz vor dem Krieg.

Batish: Die Ukrainer haben sich sehr verändert. Die Menschen haben verstanden, dass das Wichtigste für unser Land die Unabhängigkeit ist und nur eine starke Nation am Ende glücklich sein kann. Die Menschen haben verstanden, dass viele alte Dinge in ihren Köpfen und Verhaltensweisen verändert werden müssen. Aber es ist ein langer Weg, der gerade erst begonnen hat. Und natürlich hatte die Revolution einen großen Einfluss auf unsere Clubkultur. Eigentlich war es nicht angebracht, in Clubs zu gehen und Spaß zu haben, während andere Leute kämpften und die Gewalt zur Normalität wurde. So mussten viele Veranstaltungsorte geschlossen werden. Aber andererseits war es auch ein Neuanfang und es entwickelte sich eine neue Mentalität.

2019 hat begonnen. Was wünscht ihr euch für das kommende Jahr? Was wollt ihr noch erreichen und welche Orte oder Veranstaltungen würdet ihr gerne besuchen?

Batish: Wir haben einige unveröffentlichte Tracks, die wir in den nächsten Monaten rausbringen wollen. Auch einige wirklich spannende Kooperationen mit interessanten Künstlern. Natürlich werden wir immer an neuen Produktionen arbeiten und sie während der Touren in unseren Sets teilen.

Artur: 2019 wird ein spannendes Jahr und hält so einige Überraschungen für uns bereit. Wir sind bereits für einige große Festivals gebucht worden – auch unsere allererste Nordamerika-Tour steht an und vieles mehr.

 

Aus dem FAZEmag 083/01.2019
Text: Sofia Kröplin