Drogenkonsum und Techno: die Ergebnisse der Umfrage

Auswertung der Umfrage zum Thema Drogenkonsum in der Techno-Szene

Der Drogenkonsum in der Club- und Rave-Szene ist seit jeher ein kontroverses Thema, das unterschiedliche Meinungen hervorruft. Besonders interessant ist dabei die Sichtweise jüngerer Raver im Vergleich zu früheren Generationen aus den 80er- und 90er-Jahren – einer Zeit, in der Handys und soziale Medien noch keine Rolle spielten. Während viele glauben, dass heutige Jugendliche eine progressivere Haltung zu diesem Thema haben, stellt sich die Frage: Stimmt das wirklich?
Diese Umfrage richtete sich an Teilnehmende zwischen 18 und 30 Jahren.

Von allen Befragten waren 55 % männlich, 40 % weiblich und 5 % divers. Fast alle – bis auf eine Person – gaben an, bereits einmal konsumiert zu haben.

Ein zentraler Punkt war die klare Ablehnung gegenüber GBL (auch bekannt als Liquid Ecstasy oder G). Diese Droge ist in vielen Clubs strikt verboten, da sie ursprünglich als Vergewaltigungsdroge bekannt wurde und noch heute missbraucht wird. Sie ist farb- und geruchlos und wird daher oft unbemerkt konsumiert. Heute jedoch entscheiden sich viele bewusst für den Konsum, was von den Befragten kritisch gesehen wird. Viele bezeichneten GBL als gefährlich und ekelhaft, da der Rauschzustand schnell in Kontrollverlust oder sogar Lebensgefahr übergehen kann.

Auch der offene Konsum war Thema – sowohl in Clubs als auch auf Festivals. Viele empfinden ihn als störend oder triggernd. Rund 60 % der männlichen und 75 % der weiblichen Teilnehmenden äußerten sich negativ dazu. Auch Artists fühlen sich dadurch beeinflusst. Eine Teilnehmerin berichtete, sie habe das Gefühl, nicht dazuzugehören, wenn sie nichts konsumiere.

Männliche, Weibliche als auch Diverse Meinung zum Offenen Konsum:

Drogen sind ein Teil der Szene“ – dieser Satz fällt häufig, geprägt vom Bild der alten Rave-Generation, die für Eskapismus und Freiheit stand. 73 % der Männer stimmten dieser Aussage zu, bei den Frauen waren es 50 %. Viele wünschten sich jedoch, dass Drogen nicht mehr notwendig für das Szenebild wären. Eine Teilnehmerin sagte, die Annahme, dass Drogen dazugehören, werfe ein schlechtes Licht auf die Szene. Stattdessen solle sie ein offener Raum für alle sein – Konsumierende wie Nicht-Konsumierende. Auch Menschen mit einer Suchtproblematik können durch offenen Konsum unter Druck geraten.

Leider kommt es in Clubs immer wieder zu negativen Erfahrungen mit Drogen. 8 % der Männer, aber über 30 % der Frauen berichteten, dass ihnen bereits unbemerkt Substanzen verabreicht wurden.

Verabreichungen – Erfahrungen von Männlichen Teilnehmenden:

Verabreichungen – Erfahrungen von Weiblichen Teilnehmenden:

Viele wünschen sich deshalb mehr Schutzmaßnahmen in Clubs: Safe Spaces, Awareness-Teams, klare Regeln, Hausverbote bei offenem Konsum, mehr Aufklärung und Teststationen, sowie eine Zero-Tolerance-Politik gegenüber GBL. Gleichzeitig sprachen sich viele für eine Entkriminalisierung bestimmter Substanzen aus.

Social Media spielt laut 77,5 % der Befragten ebenfalls eine große Rolle – es habe den Austausch über Drogen intensiviert, aber auch den Zugang erleichtert.

Auch bei den letzten Fragen zeigte sich: Viele wünschen sich eine Entkriminalisierung von Cannabis und Drogen im Allgemeinen. Das Argument: Konsum finde ohnehin statt, und eine Legalisierung könne Risiken senken und die Qualität der Substanzen verbessern.

Ein Teilnehmer mit medizinischem Hintergrund gab Einblick in seine Arbeit auf einer suchtmedizinischen Station. Er bestätigte, dass der Partykonsum zunimmt und dadurch auch jüngere Menschen häufiger in Behandlung gelangen. Er plädiert dafür, dass Clubs Suchtmediziner und Therapeutinnen zu Vorträgen einladen sollten.

Auch zwischen den diversen Teilnehmenden zeigten sich deutliche Unterschiede: Eine 19-Jährige, bereits lange in der Szene aktiv, hält GBL für hochriskant. Eine andere, ein Jahr jünger, betrachtet Drogen als kulturell verankerten Bestandteil der Szene. Ihre Meinungen könnten kaum gegensätzlicher sein.

Drogenkonsum bleibt ein fester Bestandteil der Techno-Szene, doch der Wunsch nach Sicherheit, Aufklärung und Schutz wächst. Die unterschiedlichen Perspektiven zeigen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang und ein Raum für alle ist – unabhängig vom Konsumverhalten. Die Szene hat die Chance, sich weiterzuentwickeln, ohne ihren Kern aus Freiheit und Gemeinschaft zu verlieren.

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