Mit Badly Drawn DJs hat sich der Liverpooler Illustrator Sean Ryan in den vergangenen Jahren ein Business aufgebaut, das weltweit wohl einmalig ist. Er porträtiert internationale DJs und Producer und versucht, sie nicht von ihrer Schokoladenseite zu präsentieren, sondern möglichst hässlich darzustellen – “Badly Drawn” eben. Doch hässlich ist nicht gleich hässlich, denn obwohl die Bildnisse es wohl kaum in eine Modelkartei schaffen würden, sind sie auf ihre ganz eigene Art und Weise ästhetisch und vor allem einzigartig. Wir haben mit Sean über sein Projekt gesprochen.

Erzähle uns doch kurz etwas über die Anfänge von Badly Drawn DJs.

Im Jahr 2015 kamen die Veranstalter Circus/Chibuku auf mich zu und fragten, ob ich nicht einige ihrer DJs porträtieren möchte, die bei ihren Events auflegten. Parallel lief eine Kollaboration mit Wasted Heroes, für die ich Jutebeutel und T-Shirts mit meinen Lieblings-DJs designte. Aufgrund diverser anderer Projekte konnte ich diese Idee jedoch zunächst nicht weiter ausfeilen. So richtig Form nahm das Projekt dann erst mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und der zusätzlich gewonnenen Zeit an.

Wer waren deine ersten namhaften Kunden?

2016 kam das Designerlabel Calvin Klein auf mich zu, das eine Party mit einigen Prominenten beim Coachella Festival veranstaltete. Ich sollte dort Zeichnungen anfertigen, war mir aber zunächst nicht sicher, was die Gäste von den “Badly Drawn”-Illustrationen überhaupt halten würden. Das Feedback fiel zum Glück sehr positiv aus. Auch Apple kontaktierte mich und bat mich, bei einer Store-Eröffnung in London zu zeichnen. Einige meiner Werke wurden schließlich in Apple-Stores auf der ganzen Welt ausgestellt – ein großartiges Gefühl.

Wie läuft eine Kollaboration mit deinen Kunden ab? Kontaktieren die DJs dich oder musst du aktiv auf sie zugehen?

Ich zeichne meist einfach die Künstler*innen, deren Musik ich gerade höre. Die Werke veröffentliche ich dann im Normalfall bei Instagram, ohne sie darüber zu informieren. Ich hoffe einfach, dass es ihnen gefällt.

Hast du bei deiner Arbeit irgendwelche Präferenzen, was deine “Objekte” angeht?

Nein, grundsätzlich nicht. Ich versuche, jede*n Künstler*in zu zeichnen, der/die Interesse bekundet. Da ich jedoch noch andere Projekte neben Badly Drawn DJs verfolge, kann ich leider nicht jeden Auftrag erfüllen. Auf meinem Handy habe ich einen Ordner mit potenziellen “Kunden”, die ich gerne irgendwann einmal porträtieren möchte. Der Ordner wächst allerdings wie Unkraut, haha.

Gab es schon mal irgendwelche Komplikationen mit einem DJ? Falls ja, was ist passiert?

Es gab tatsächlich einige Klient*innen, die insofern unzufrieden waren, als dass sie ihr Portrait als “zu gut” empfanden und mich fragten, eine neue “noch schlechtere” Version zu schaffen. Ein paar Leute haben mir gesagt, dass meine zeichnerischen Fähigkeiten im Laufe der Zeit deutlich besser geworden seien (das war wohl als Kompliment gemeint), aber ich muss wohl der einzige Illustrator auf der Welt sein, der nicht danach strebt, besser zu werden (lacht).

Wie sieht es mit deinem persönlichen Musikgeschmack aus? Gibt es irgendwelche Genres oder Producer*innen, die du momentan abfeierst?

Ich höre sehr viel Musik, gerade dann, wenn ich zeichne. Oft läuft bei mir der Radiosender NTS, der eine bunte Palette an Genres bedient. Nicht weniger häufig shuffle ich durch meine personalisierte Spotify-Playlist, die von Kraftwerk bis hin zum Wu-Tang Clan reicht. In letzter Zeit höre ich zudem viel Musik von SOPHIE, HAAi, Daniel Avery und Kelly Lee Owens.

www.badlydrawndjs.com