
Mit „Loner“ schlägt Joshua Mainnie, so der bürgerliche Name des schottischen DJs und Produzenten Barry Can’t Swim, das nächste Kapitel seiner ohnehin schon beachtlichen Karriere auf. Nach seinem Debütalbum „When Will We Land?“ avancierte Barry Can’t Swim zu einem der spannendsten Akteure seines Genres. Nun erscheint am 11. Juli sein neues Werk, erneut via Ninja Tune. Die erste Single „Different“, ein treibender, euphorischer Club-Track, gab bereits einen vielversprechenden Vorgeschmack – und ließ erahnen, dass es sich bei „Loner“ um mehr als nur den nächsten Dancefloor-Longplayer handelt.
Der Langspieler ist eine persönliche Reflexion über ein Jahr, das geprägt war von Erfolg, innerer Unruhe und dem Versuch, inmitten des Rauschs die eigene Identität zu bewahren. „Wenn mein erstes Album eine Collage all der Musik war, die mich geprägt hat, dann ist dieses hier mein ehrlichstes Selbstporträt“, sagt er selbst. Dabei spart „Loner“ nicht an musikalischer Vielfalt. Neben festivalerprobten Tracks wie „Different“ oder dem bereits bekannten „Still Riding“ – das ein Sample von Kali Uchis trägt – finden sich auch introspektive Stücke wie „Cars Pass By Like Childhood Sweethearts“ oder „Marriage“, die mehr etwas von Soundtracks zu gedanklichen Zwischenräumen haben als von klassischer Clubmusik.
Im Vorfeld zu „Loner” erschien bereits die EP „All My Friends”, die bereits fünf Tracks des Albums enthält:
Bereits der Albumauftakt „The Person You’d Like To Be“ setzt den Ton: ein verschwommenes, fast therapeutisches Gespräch zwischen Barry und einem Freund – mehr Frage als Antwort, mehr Skizze als Statement. Diese Ambivalenz zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Mal hymnisch, mal zerbrechlich, aber immer aufrichtig. Dass Barry Can’t Swim längst über den Status eines Geheimtipps hinausgewachsen ist, zeigen nicht nur seine Streamingzahlen – sein Debüt hat inzwischen über 100 Millionen Plays generiert – sondern auch seine beeindruckende Festivalbilanz: drei ausverkaufte Shows in der Brixton Academy, ein gefeierter Auftritt beim Glastonbury Festival und ein Sommer, der ihn unter anderem auf die Bühnen von All Points East, FORWARDS Festival, Lost Village und BBC Radio 1’s Big Weekend bringt. Dazu kommen zahlreiche Auszeichnungen: eine Nominierung für den Mercury Prize 2024, ein Platz unter den Top 3 beim „BBC Sound of 2025“ sowie eine BRIT-Nominierung als „Best Dance Act“.
Dennoch bleibt Barry bodenständig – oder zumindest sucht er inmitten des Erfolgs nach einem Anker. „Loner“ ist nicht nur ein musikalisches Statement, sondern eine Momentaufnahme, ein Versuch, die eigene Stimme nicht zu verlieren. Mit seinem melodischen Gespür, das irgendwo zwischen clubtauglichem Pathos und emotionaler Tiefe oszilliert, schafft er es, eine elektronische Sprache zu sprechen, die sich persönlich anfühlt – und die gleichzeitig ganze Festivalcrowds euphorisieren kann. Mit „Loner“ gelingt Barry Can’t Swim das Kunststück, sich weiterzuentwickeln, ohne sich selbst zu verlieren. Ein Album wie ein innerer Monolog – tanzbar, nachdenklich, eindringlich.
Tracklist „Loner”:
1. The Person You’d Like To Be
2. Different
3. Kimpton (with O’Flynn)
4. All My Friends
5. About To Begin
6. Still Riding
7. Cars Pass By Like Childhood Sweethearts
8. Machine Noise For A Quiet Daydream (feat. Séamus)
9. Like It’s Part of the Dance
10. Childhood
11. Marriage
12. Wandering Mt. Moon

Hier könnt ihr „Loner” als Vinyl, CD und digital käuflich erwerben und in mehrere der Tracks reinhören:
Das Album „Loner” von Barry Can’t Swim erscheint am 11. Juli 2025.
Text: Triple P
Credit: Rory Dewar
www.instagram.com/barrycantswim
Aus dem FAZEmag 161/07.2025