Als Kind der Achtziger fand der aus Erfurt stammende Pascal Augner Anfang der Neunziger durch seine Passion für Musik recht schnell den Zugang zur Szene. Nach ersten Releases Anfang 2009 folgten ein Jahr später die ersten Gigs. Mittlerweile ist er nicht nur ein gefragter DJ, auch seine Diskografie listet illustre Labels wie Einmusika, Bar 25, Trapez, Toolroom und Moonbootique. Darunter findet man ebenfalls oft den Namen Lauter Unfug – sein eigenes Imprint, auf dem nun sein neues Album „X“ erscheint, eine musikalische Reise zwischen Deep House und Tech-House. Ein Interview.

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Zehn Jahre Beatamines: Wie fühlt es sich an, bereits ein Jahrzehnt aktiv dabei zu sein?

Seltsam, surreal und schön zugleich. (lacht) Diese Dekade fühlt sich für mich richtig gut an; bisher hatte ich auch nie das Gefühl, dass mich dieses Projekt langweilt. Ich möchte mich auch an dieser Stelle bei meiner Familie, bei Freunden und allen Supportern bedanken: Ohne euch wäre ich jetzt nicht hier.

Welche Meilensteine gab es in deiner Karriere, welche Momente hättest du lieber nicht erlebt?

Meine Highlights waren definitiv meine ersten beiden LPs „InMotion“, 2011 auf Damm Records, und „Echoes“, 2016 auf Einmusika Recordings. Die Gigs auf der Fusion 2013 und 2016 – das war einfach unglaublich, was dort los war! So etwas in der Art hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Ich freue mich schon auf mein nächstes Mal. Dann das Konzert mit den Dortmunder Philharmonikern und David Jach. Ich hatte pure Gänsehaut, als ich mit 100 Musikern auf der Bühne stand und an einem Montag ein Konzert vor 1000 Menschen gab. 2017 durfte ich den Support für Paul Kalkbrenners „Back to the Future“-Tour durch Luxemburg spielen. Bei den Highlights nicht zu vergessen natürlich auch Tracks wie „How Never“ oder „Swaggin“.

Wie siehst du deine musikalische Entwicklung seit 2008?

Als ich 2008 das Projekt Beatamines ins Leben gerufen habe, hatte ich gerade meine Breakdance-Karriere beendet. Damals waren meine musikalischen Helden Daft Punk, Boys Noize, Afrika Bambaataa und außerdem viele Hip-Hop-Acts. 2008 haben dann Künstler wie Marek Hemmann, Paul Kalkbrenner und Richie Hawtin mein Interesse stark geweckt. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich den großen Drang, Minimal und House zu produzieren. Ich war immer der Quereinsteiger, was Techno anging, und bin bis heute noch damit beschäftigt, Acts zu entdecken, die für viele zum alten Eisen gehören.

Pünktlich zum Jubiläum gibt es ein neues Album von dir. Wie bist du an dieses Projekt herangegangen?

Da ich das Thema „zehn Jahre Beatamines“, also „X“, gewählt hatte, war mir von Anfang an klar, dass es vom Sound her ein bunter Longplayer werden sollte. Mir ist es wichtig, den Hörern meine Vielseitigkeit zu vermitteln. Ich mag House genauso gerne wie Techno – und diese beiden Welten habe ich auf diesem Album vereint.

Wie hat sich deine Produktionsweise im Studio in diesen zehn Jahren verändert beziehungsweise entwickelt?

Zu Beginn gab es nur einen alten PC, ausrangierte HiFi-Boxen und einen Roland-Sampler. Das war für die ersten zwei Jahre mein Setup. Mittlerweile habe ich einen Fuhrpark an Geräten und die Tracks entstehen zu 70 Prozent im Stehen. Ich habe mich in den letzten Jahren sehr intensiv mit Mixing und Mastering beschäftigt, um meinen Sound auf ein neues Level zu bringen. Im Studio ist es mir wichtig, dass sich die Geräte intuitiv bedienen lassen. Verschachtelte Menüs und Dreifach-Belegungen sind für mich der reinste Abturn! Es muss auch nicht jedes Mal der fette Moog zum Einsatz kommen. Ich habe auch viele kleine Synths und Groove-Boxen im Taschenrechner-Format, die mich immer wieder flashen, was Sound und Workflow angeht.

Mit Lauter Unfug betreibst du auch dein eigenes Label. Nach welcher Philosophie führst du es und was ist für die Zukunft geplant?

Lauter Unfug ist für mich eine super Homebase. Wir sind ein starkes Team aus Leuten, die die gleichen Ambitionen haben. Ich möchte mit dem Label abwechslungsreiche elektronische Musik auf den Markt bringen. In Sachen Genre haben wir uns keine richtigen Grenzen gesetzt; ob House oder Techno – wenn wir etwas gut finden und auch selbst spielen würden, wird es releast! Aktuell haben wir tolle EPs von Steve Cole feat. Max Joni in der Pipeline. Ich bin superhappy, dass wir die bei uns herausbringen dürfen. Nach dem Sommer wird es eine starke EP von Oliver Eich aus Hamburg geben. Darauf dürft ihr schon sehr gespannt sein! Und nicht zuletzt wird diesen Winter auch mein Remix-Album erscheinen.

Guter Punkt: Mit dabei sind Acts wie Dapayk, Wankelmut, Tocadisco und Moonbootica. Erzähl uns etwas mehr über dieses namhafte Projekt!

Als „X“ im Kasten war, habe ich mich mit meiner „Lauter Unfug“-Crew dahingehend beraten, ob es nicht auch eine Remix-LP geben sollte – und wir sind schnell zu dem Entschluss gekommen, das anzugehen. Ich habe mich dann mit den Snippets auf die Socken gemacht und meine Helden der letzten zehn Jahre angeschrieben. Ich bin überglücklich, dass so viele meiner Wunschkandidaten direkt zugesagt haben.

Was hast du für die kommende Zeit außerdem geplant?

In den letzten Wochen habe ich mein neues Live-Set fertiggestellt und jetzt planen wir die „X“-Album-Tour. Ich freue mich schon sehr auf den Sommer und auf etwas Erholung mit meiner Freundin und den Kids! Im Studio geht es natürlich auch stetig voran und es wird fleißig an neuen EPs geschraubt.

Worüber reden wir beim Interview zu „20 Jahre Beatamines“?

Im besten Fall darüber, dass ihr genauso wie ich noch fester Bestandteil der Szene seid – und vielleicht über meinen Gig im Weltraum! (lacht)

 

Aus dem FAZEmag 076/06.2018
Text: Triple P
Foto: Robert Nowell
www.facebook.com/beatamines.live