Bebetta by Ina Peters 15


„Don’t worry, be better.“ Bebettas Slogan, von dem die DJane und Produzentin auch ihren Künstlernamen ableitet, passt einfach immer. Zum Sommer wiederum passt der Bebetta-Monats-Mix für FAZE ganz wunderbar. Wir haben uns zu diesem Anlass mit Anika Zeising, wie sie richtig heißt, an einem Sommerabend über ihre aktuellen Pläne, über Ehrgeiz, Verspieltheit, Frauen in der elektronischen Musikszene und darüber, warum sie ihre Bremer Partyreihe „Heimlich“ beendet hat, unterhalten.

Der Sommer ist da. Wie geht’s dir denn?

Heute war ein stressiger Tag. Ich bin auch gerade erst nach Hause gekommen. Wir haben nämlich einen Wasserschaden im Studio. Unser Studio ist nicht zu Hause, sondern außerhalb, nicht mehr ganz so weit weg wie früher, aber trotzdem noch ein bisschen weiter weg und da musste ich gerade noch hinfahren, ein bisschen Wasser wegkehren und so. (lacht) Aber zum Glück ist es bei uns nicht reingelaufen, wir hatten Glück im Unglück, aber ganz viele andere Studios sind betroffen. Das ist so ein Studiokomplex. Ich habe dann noch mitgeholfen, das Wasser auszuschöpfen. Das Gebäude ist relativ neu, die Leute sind da erst vor zwei, drei Wochen eingezogen, wir auch, und ich glaube, das ist alles gerade noch im Unklaren, aber so viele Sachen sind wohl nicht kaputt. Aber sonst ist alles ganz gut.

Da kommt man gerade erst zurück von einer Reise und dann so etwas. Wo warst du und wo geht es wieder hin?

Ich war am Wochenende erst auf dem Ikarus Festival und dann in Zürich und morgen geht’s nach Ibiza. Da bin ich auch das erste Mal und echt gespannt. Die wollen da auch eine „Bebetta in Bed“-Session machen. Das wäre ganz lustig. Deswegen war ich auch noch im Studio, weil da meine ganze Bettwäsche- und Pyjama-Sammlung ist. Da musste ich schauen, was ich alles mitnehme. Danach geht’s weiter nach Mannheim, in den Hafen 49.

Welche Tracks spielst du aktuell gerne bei deinen Gigs?

Das ist schwierig. Ich vergesse immer, wie die heißen. (lacht) Vom Super-Flu-Album spiele ich gerade einige Tracks gerne. Das passt auch schön zum Sommer, finde ich. Ach ja, von Kink gibt’s da gerade einen Track, „Neutrino“, den spiele ich auch gerne. Und das vorletzte Monaberry-Release, das war von demjenigen, mit dem ich jetzt im August eine EP zusammen mache – CIOZ heißt der. Er hat einen Track, der heißt „Arbol“ und ist eine richtige Sommernummer. Da hat auch Tim Engelhardt einen Remix zu gemacht, ich spiele beide Versionen. Das sind gerade so Lieder, die ich total gerne mag.

Apropos Lieblingslieder. Diesen Monat kommt der FAZEmag Download-Mix von dir. Was macht dir denn am meisten Spaß, wenn du einen Mix zusammenstellst?

Ich bin da total pingelig, ich kann mich da in Details verlieren und achte dann sogar auf Tonarten und Harmonien. Immer wenn ich einen Mix mache, finde ich es schön, ihn zu perfektionieren. Du kannst halt auch immer viel herumprobieren und kombinieren. Aber es ist natürlich viel Arbeit. Und wenn man sich auf den Club vorbereitet, ist das eigentlich gar nicht mal so verkehrt, wenn man dann doch einfach nur so drauf los spielt. In dieser Spontaneität passieren Sachen, die man gar nicht so planen kann. Wenn ich in Clubs oder auf Festivals live spiele, bereite ich mich eigentlich gar nicht vor. Das Einzige, was ich mache, ist, dass ich meine Musik sehr gut sortiere, damit ich immer weiß, wo was ist und was harmonisch ganz gut zusammen geht. Aber bei einem Mix bin ich dann manchmal vielleicht auch zu verkopft, zu perfektionistisch. Mein Freund sagt auch schon immer: „Ey, jetzt komm, das ist gut so, wie es ist.“ Und ich denke, ich kann noch weiterprobieren, das kann ich ins Unendliche ziehen.

Dein Künstlername lehnt sich ja an deinen Slogan „Don’t worry, be better“ an. Der bietet ja Optionen für viele Interpretationen, wie beispielsweise, dass du ehrgeizig bist …

Also, ich bin da nicht so, dass ich mir ein festes Ziel setze, das ich unbedingt erreichen muss, beispielsweise ein Album oder so. Da lasse ich mir lieber Zeit und warte, bis die Zeit reif ist. Auch früher mit dem Auflegen war ich gar nicht so ehrgeizig, dass ich dachte, dass ich in dem und dem Club unbedingt spielen wolle. Ich habe es einfach gemacht, weil es mir Freude bereitet hat, und das hat mich dann dahin geführt, wo ich jetzt bin. Ich hatte eigentlich Bühnenangst, also richtig Lampenfieber. Aber ich bin halt schon ehrgeizig in dem Sinne, dass ich sage, wenn ich etwas veröffentliche, muss ich damit auf jeden Fall zufrieden sein. Da habe ich einen Anspruch an mich selbst. Da gab es auch mal Tracks, die mein Label Monaberry ganz gut fand, aber ich war nicht zufrieden und habe lieber Nein gesagt und ein Jahr kein Release gehabt, anstatt das zu veröffentlichen.

Du stehst also für dein Ding ein. Findest du, Frauen sind heute konfliktbereiter als früher?

Das ist schwierig zu sagen. Die Frauen sind ja schon emanzipierter. Da hat sich einiges geändert, denke ich. Früher spielte dieses Rollendenken viel mehr rein. Die Frau muss kochen, der Mann geht arbeiten. Heute kann man als Frau machen, was man möchte. Mit meinem Freund habe ich jedenfalls gar kein Problem, wir sind da komplett auf einer Augenhöhe und ich finde, das ist auch wichtig in einer Beziehung. Ich könnte das nicht anders.

Wie siehst du das beruflich? Man wird ja als Frau im Musikbusiness bzw. besonders in der elektronischen Szene sicher oft darauf angesprochen, wie es denn als Frau in dieser Branche sei. Nervt dich das mittlerweile oder findest du es wichtig, darüber zu sprechen, um sich nicht auf dem bisher Erreichten auszuruhen?

Ich weiß nicht, also ehrlich gesagt, ich finde, man muss da gar nicht so viel drüber reden, weil man damit letztendlich das Thema immer so darstellt. Gestern sind wir über einen Markt gelaufen und da war ein Stand vom Handwerk, der mit einem Schild dazu aufrief, dass Frauen auch im Handwerk etwas machen könnten. Und da dachte ich: „Hey, warum müsst ihr das da überhaupt hinschreiben?“ Natürlich kann eine Frau handwerklich auch etwas machen. Mit dieser Aussage stellt man es ja aber auch schon in Frage. Wenn man eine selbstbewusste Frau ist, dann kann man auch wirklich das machen, was man möchte. Ich finde es eher komisch, wenn man diese Themen immer wieder aufgreift. Ich sehe da kein Problem. Ich habe in meiner musikalischen Laufbahn keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ein einziges Mal ist mir einer von oben herab gekommen, so von wegen: Wie legst du denn auf? Wie synchronisierst du denn? Das war das Einzige, wo ich dann dachte: „Was ist das für ein Klischee? Als Frau kann man nicht auflegen?“ Der Typ hat dann blöd geguckt, denn ich habe damals noch mit Vinyl aufgelegt, und das ist ja so ein bisschen die Königsdisziplin.

Aber Fakt ist ja trotzdem, dass es immer noch deutlich weniger Frauen als Männer im elektronischen Musikbusiness gibt. Was glaubst du, woran liegt das? Ist das vielleicht so wie beim Handwerk, das du gerade angesprochen hast, dass man da vielleicht doch versuchen müsste, die Mädchen etwas heranzuholen?

Ich glaube, ich hätte wahrscheinlich auch nicht so von mir aus mit dem Auflegen angefangen. Mein Freund hatte das schon gemacht und wir hatten Plattenspieler bei uns. Ich habe dann aus Spaß einfach mal angefangen zu synchronisieren und dachte „Ach, das ist ja lustig“, habe es aber erst mal nur für mich gemacht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, DJ zu werden. Ich glaube auch, dass Männer und Frauen irgendwie doch unterschiedlich denken. Ich glaube, Männer stehen auch lieber im Vordergrund, ich habe jedenfalls das Gefühl. Ich kenne viele Frauen, die auflegen können, sich aber nicht auf die Bühne trauen. Die sind vielleicht ein bisschen zu selbstkritisch und denken zum Beispiel: „Ja, ich weiß nicht, ist das denn gut genug?“ Das ist die Erfahrung, die ich gemacht habe. Und Männer sind oft so: „Wo ist der nächste Gig?“ – und am besten direkt auf den großen Bühnen. Für mich wäre das der Horror gewesen. Man kann das auch nicht so verallgemeinern, aber ich glaube, Frauen sind da ein bisschen anders. Vielleicht ist es manchmal auch die Scheu vor der Technik. Ich hatte damals mit Schallplatte angefangen und da war das noch relativ easy, was das Technische angeht, weil du ja nur einen Start-/Stopp-Knopf hast, und das ist eigentlich schon fast alles. Du musst ja nur noch den Mixer bedienen können, aber das ist übersichtlich. Wenn ich mir jetzt die CD-Player anschaue und damals damit hätte anfangen müssen, hätte ich vielleicht auch erst gesagt: „Hm.“ Besonders in der Vergangenheit war ich gar nicht der Techniker. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Signalflüssen und Verkabelungen. Aber man kann das alles erlernen. Du hast als Frau genauso alle Möglichkeiten wie ein Mann auch.

Du erwähntest deinen Perfektionismus. Trotzdem bist du ja recht verspielt, in deinen Videos und Fotos beispielsweise. Wie wichtig ist dir das?

Es geht ja um eine Kreativität, die man rauslässt. Man kann mit Ideen spielen. Für Musikvideos gibt es immer viele Ideen, da machen wir auch bald wieder etwas Neues. Ich gestalte auch meine Merchandise-Artikel selbst. Ursprünglich wollte ich Design studieren. In Kunst war ich immer gut und habe auch immer gezeichnet, das war mein stärkstes Fach. Musik eigentlich gar nicht. Und spielen heißt für mich auch, Humor zu haben, ich mache gerne alberne Videos auf Instagram. Buntsein gehört auch dazu.

Ist es bei dir zu Hause auch bunt?

Ja, unsere Wohnung ist schon bunt und grün, mit vielen Pflanzen, recht viel improvisiert. Wir haben zum Beispiel Obstkästen als Tisch und unsere alte Studiotür, die komplett voll mit Stickern beklebt ist, ist jetzt mein Schreibtisch. Die Ständer sind nur Kartons, gefüllt mit Merchandise.

Bei deiner Partyreihe „Heimlich“ hast du ja auch so gut wie alles dekoriert – wieso war letztes Weihnachten die allerletzte Ausgabe?

Ja, das hat sehr viel Spaß gemacht, war aber auch sehr aufwendig, kostete viel Zeit und Energie. Wir haben die immer am 25. Dezember gemacht, und das war ein bisschen Tradition, ich bin auch etwas traurig. Ich habe da immer lange Sets gespielt, sieben, acht Stunden. Aber das ursprüngliche Team ist fast komplett aus Bremen weggezogen und ich wohne ja auch schon länger nicht mehr da, sondern mittlerweile in Berlin, habe viele Auftritte. Letztes Jahr stand ich fast alleine mit meinem Freund im Club. Wir bauten nämlich wegen der vielen Deko auch immer schon am 24. Dezember auf. Da findet man an Heiligabend auch kaum einen, der einem hilft. Aber den Tag wollten wir auch nicht ändern. Ich habe das immer damit verbunden, dass ich dann meine Eltern in Bremen traf, aber die haben auch nicht viel von mir gehabt. Es war auch nicht so, dass es nicht mehr lief, im Gegenteil: Der Laden war dann auch einfach zu klein, aber in Bremen gibt es auch nicht so viele Locations. So haben wir dann den Schlussstrich gezogen. Mal schauen, was in Zukunft vielleicht möglich ist.

Wir sind gespannt, denn wie du schon sagtest: Du hast alle Möglichkeiten. Vielen Dank fürs Interview.

Aus dem FAZEmag 065/07.2017
Interview: Csilla Letay

FAZEmag DJ-Set #65 – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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