
Mit knapp 280.000 Follower*innen allein auf Instagram zählt „BerlinClubMemes“ zu den reichweitenstärksten Meme-Accounts der Hauptstadt. Der Content: ein humorvoller und gelegentlich auch zynischer Blick auf eine Clubkultur, die sich schon immer selbst zur Karikatur gemacht hat. Wir haben der Person hinter dem Projekt einige Fragen gestellt.
Na, zugezogen?
Ja, genau. Wie die meisten, die hier irgendetwas bewegen. Ich bin vor Jahren hergekommen, wollte eigentlich nur mal schauen. Dann wurden aus Wochen Monate, aus Monaten Jahre. Irgendwann war klar: Ich bleibe. Berlin macht das mit Menschen – es zieht dich rein und lässt dich nicht mehr los.
Du betreibst den Account mittlerweile fast zehn Jahre. Wie viel Zeit und Relevanz nimmt BerlinClubMemes in deinem Leben ein?
Mehr, als mir manchmal lieb ist, ehrlich gesagt. Es ist kein Vollzeitjob, aber es begleitet mich ständig. Ich gehe durch die Stadt und sehe überall potenzielle Memes. Der Account ist zu einer Art Linse geworden, durch die ich die Szene wahrnehme. Manchmal denke ich, ohne ihn würde mir etwas fehlen – als hätte ich einen Teil meiner Wahrnehmung verloren.
Kennt man dich außerhalb deines engsten Kreises als den „BerlinClubMemes“-Typen?
Gelegentlich. Manche haben einen Verdacht, andere sind sich sicher. Ich halte mich bewusst bedeckt – nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil es die Sache einfacher macht. Die Memes sollen für sich sprechen. Wenn alle wüssten, wer dahintersteckt, würde das nur ablenken.
Fast 300.000 Menschen folgen inzwischen deinen Inhalten. Inwiefern ist dir dabei bewusst, dass du damit auch Meinungen und Stimmungen in der Szene mitprägen kannst?
Das kann ich nicht leugnen. Wenn so viele Menschen deine Inhalte sehen und teilen, hat das natürlich einen Einfluss. Ich sehe das durchaus als Verantwortung, aber ich will auch nicht zu viel reininterpretieren. Letztendlich mache ich Witze über Clubkultur, keine Politik. Trotzdem achte ich darauf, nicht völlig gedankenlos zu posten.
Schon mal Ärger für ein Meme bekommen?
Einige Male, ja. Menschen fühlen sich schnell angegriffen, besonders wenn sie glauben, gemeint zu sein – auch wenn das oft gar nicht der Fall ist. Clubs reagieren auch interessant: Humor funktioniert für viele nur in eine Richtung.
Die Top drei der dämlichsten „This is so Berlin“-Phänomene?
- Die Verklärung der Türpolitik: Menschen stehen stundenlang in der Kälte und stilisieren das zur spirituellen Erfahrung hoch. Dabei geht es nur darum, in einen verrauchten Raum mit lauter Musik zu kommen. Die Gespräche drehen sich mehr um Türsteher als um die eigentliche Musik. Das hat mit der ursprünglichen Idee von Clubkultur wenig zu tun.
- Clubs als Identitätsstiftung: Wenn deine Persönlichkeit darauf basiert, in welchen Club du reinkommst und in welchen nicht, läuft etwas schief. Feiern sollte Spaß machen, nicht Status definieren. Diese Exklusivitätskultur hat den ursprünglichen Geist – einen Schutzraum für alle – komplett verdreht.
- Der ewige Berlin-Mythos: So viele kommen mit romantischen Vorstellungen von Freiheit und Selbstfindung. Am Ende tragen alle ähnliche Outfits, hören ähnliche Musik und verhalten sich ähnlich nonkonform. Die Ironie dabei: Berlin ist nicht automatisch tiefgründig, nur weil die Clubs länger offen haben.

Aus dem FAZEmag 161/07.2025
www.instagram.com/berlinclubmemes