
In Berliner Techno-Clubs gilt seit jeher: Filmen verboten. Meist wird die Handykamera am Eingang abgeklebt, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle fallen lassen können.
Auf dem „Feel Festival“ am Bergheider See in Brandenburg war davon wenig zu spüren. Besucher zückten ihre Smartphones, machten Selfies und filmten in die Menge – auch gegen den Willen anderer.
Für viele Clubgänger ist das ein Bruch mit einem zentralen Wert der Szene. „Ich fühle mich unwohl, beobachtet und bin verwirrt“, beschreibt ein Besucher. Er habe in den letzten Jahren eine Veränderung in der Berliner Clublandschaft beobachtet:
Statt gemeinsam den Moment zu erleben, stehe nun das „Sehen und gesehen werden“ im Vordergrund. TikTok habe diesen Wandel beschleunigt, vor allem in Verbindung mit dem Hype um Trance und Acts wie MCR-T oder Kollektive wie Sachsen Trance, deren Events inzwischen brechend voll sind.
Die ständige Präsenz von Handys verändert das Miteinander auf der Tanzfläche. Wer jederzeit gefilmt werden könnte, verhält sich anders – weniger losgelöst, mehr auf Wirkung bedacht. Damit gehe auch das Gefühl eines Safespaces verloren, das Türsteher durch ihre Gästeselektion eigentlich schaffen sollen.
Doch statt ungestört zu feiern, sehen sich viele mit Kameras konfrontiert, was der Club-Kultur ihren besonderen Reiz nimmt. Die Problematik reicht bis in die bekanntesten Adressen der Stadt.
Auf Instagram tauchten kürzlich heimlich aufgenommene Videos aus dem Berghain auf – ein klarer Eingriff in die Privatsphäre der Gäste. Ob diese Aufnahmen später auch auf TikTok landeten, ist unklar.
Fest steht für Kritiker: Für viele sogenannte „TikTok-Raver“ ist Techno weniger eine Musikrichtung als ein Trend, eine Bühne für den eigenen Look und die Selbstdarstellung. Damit gerät der respektvolle, kamerafreie Umgang miteinander in den Hintergrund – und das Herz der Berliner Club-Kultur droht zu verblassen.
Quelle: Berlin Live
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