
Direkt am Alexanderplatz, unter den S-Bahn-Bögen und doch ein Stück weit aus dem hektischen Zentrum herausgelöst, hat Anfang Juni mit dem Club AMT ein neuer Ort für elektronische Clubkultur eröffnet. Die Venue setzt dabei nicht nur auf zwei Dancefloors, ein hochwertiges Kirsch-Audio-System und ein künftig noch ambitionierteres Raumkonzept, sondern auch auf eine Idee, die den klassischen Clubbetrieb um eine geniale Facette erweitert: Ein integrierter Späti dient als Treffpunkt, Bar und Schnittstelle zum öffentlichen Raum. Darüber hinaus soll eine digitale Warteschlange lange und unsichere Wartezeiten vermeiden. Musikalisch will sich das AMT nicht über einzelne Headliner definieren, sondern verschiedenen Communities und Subgenres Raum geben. Wir haben mit Geschäftsführer Robert Havemann über den Standort am Alex, Sound, Selektion, Darkrooms und mehr gesprochen.
Anfang Juni habt ihr offiziell Opening gefeiert. Wie war der erste Abend für euch?
Wir haben, wie erhofft, ein sehr gutes Feedback erhalten. Sowohl Gäste als auch Artists haben uns durchweg positive Rückmeldungen gegeben. Besonders gefreut hat uns natürlich das Feedback zum Soundsystem, da wir hier von Anfang an einen sehr hohen Anspruch hatten. Viele Besucher haben hervorgehoben, wie klar und ausgewogen der Sound selbst bei längeren Sets bleibt. Insgesamt hat uns die Resonanz bestätigt, dass wir mit unserem Konzept und der Ausrichtung des Clubs auf dem richtigen Weg sind.
Die Venue liegt an einem ziemlich besonderen Ort: direkt am Alexanderplatz, aber trotzdem ein wenig versteckt. Wie seid ihr auf die Räumlichkeiten gestoßen?
Die Immobilie haben wir ganz klassisch über Immobilienscout 24 gefunden. Nachdem wir die Räumlichkeiten besichtigt hatten, war uns sofort klar, welches Potenzial in diesem Ort steckt. Die Lage direkt am Alexanderplatz ist natürlich außergewöhnlich, gleichzeitig befinden wir uns in einer Art urbanem Rückzugsraum unter den S-Bahn-Bögen.
Der Alex hat ja nicht unbedingt den besten Ruf.
Genau das fanden wir passend. Unserer Meinung nach funktioniert ein Club an so einem Ort sehr gut. Am Ku’damm hätte das nicht funktioniert.
Wie sieht das Innenleben des Clubs aus?
Im Innenbereich verfügen wir über zwei Dancefloors, wobei einer davon die Möglichkeit bietet, bei entsprechenden Veranstaltungen einen Darkroom zu integrieren. Hinzu kommen ein großzügiger Bar- und Chill-out-Bereich sowie verschiedene Rückzugsmöglichkeiten. Uns war wichtig, einen Ort zu schaffen, der nicht nur funktional ist, sondern auch Raum für unterschiedliche Arten von Begegnungen bietet.

Ein recht auffälliger Bestandteil des Konzepts ist der Späti. Ist das nur ein netter Gag oder wirklich Teil des Clubs?
Der Späti ist ein integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts und weit mehr als nur ein Eingangsbereich. Er fungiert als Treffpunkt und ist auch aktiv in den Clubbetrieb eingebunden. Unter anderem dient er als Bar für unsere geplanten Community-Formate sowie für Sonntags-Afterhours. Uns gefällt die Idee, die Schwelle zwischen öffentlichem Raum und Club etwas durchlässiger zu gestalten und dadurch neue Begegnungsräume zu schaffen. Außerdem ermöglicht er uns einen etwas größeren Spielraum durch die täglichen Einnahmen.
Kommen wir zum Sound. Ihr habt den Club mit einem Kirsch-Audio-System ausgestattet. Wie wichtig war euch die Akustik?
Der Club arbeitet derzeit mit einer klassischen Absorberkonfiguration in Kombination mit einer sehr tiefen Bassfalle. Bereits dieses Setup sorgt für einen außergewöhnlich präzisen und druckvollen Klang. Die Kirsch-Anlage ist einfach eine Macht. HiFi-Klang und unendlich Druck.
Es hieß auch, dass Wilsing Wilson, bekannt unter anderem durch seine Arbeit im Open Ground, bei euch involviert ist.
Wilsing Wilson war an der aktuellen Raumakustik noch nicht beteiligt. Parallel entwickeln wir mit ihm aber ein deutlich ambitionierteres und innovativeres Raumkonzept, das künftig umgesetzt werden soll. Unser Ziel ist es, die akustischen Möglichkeiten der Räume noch stärker auszureizen und langfristig eine Klangumgebung zu schaffen, die in Berlin neue Maßstäbe setzt.
Wie ist es um das musikalische Konzept bestellt? Fahrt ihr eine klare Linie verfolgen oder variiert der Sound von Format zu Format?
Wir möchten verschiedenen Communities und Subgenres der elektronischen Musik die Möglichkeit geben, sich bei uns auszuleben. Entsprechend kann das Programm von Veranstaltung zu Veranstaltung durchaus variieren.
Das AMT ist also kein puristischer Club?
Nicht ausschließlich. Wir sehen uns nicht als rein musikalisch fokussierten Club. Unser Ziel ist es, Orte und Situationen zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen können. Wir möchten bewusst etwas weg vom klassischen Headliner- und DJ-Fokus. Gute Partys entstehen unserer Ansicht nach nicht allein durch die Person hinter den Decks, sondern vor allem durch die Menschen auf der Tanzfläche und die Atmosphäre, die gemeinsam geschaffen wird.

Ihr arbeitet mit einer digitalen Warteschlange. Das ist in Berlin ein Novum. Woher kam die Idee?
Die Idee entstand aus der Frage, wie man den oft stundenlangen und frustrierenden Warteprozess vor Clubs verbessern kann. Wir fanden es nie besonders zeitgemäß, dass Menschen mehrere Stunden anstehen müssen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt eingelassen werden.
Und wie löst ihr das?
Gäste erhalten nach erfolgreicher Vorselektion einen Platz in der digitalen Warteschlange und können sich anschließend frei bewegen, anstatt die ganze Zeit vor dem Club zu stehen. Das System zeigt ungefähr an, wie lange die Wartezeit ist. Wenn es so weit ist, kann man die Zeit auch noch einmal verlängern, zum Beispiel, weil man gerade etwas isst. Gesteuert wird das System über die Garderobe, damit auch dort alles möglichst reibungslos funktioniert.
Die Selektion findet also statt, bevor man das Warteschlangen-Ticket bekommt?
Genau. Uns geht es darum, potenzielle Gäste nicht über längere Zeit in Unsicherheit zu lassen, ob sie überhaupt Zugang zur Veranstaltung erhalten. Wer das Ticket bekommt, weiß bereits, dass er grundsätzlich eingelassen wird. Danach kann man sich frei bewegen und muss nicht mehr vor dem Club warten. Das schafft Transparenz und macht den Prozess deutlich angenehmer.
Auch kinky und sexpositive Partys sollen bei euch stattfinden. Orientiert ihr euch dabei an Berliner Institutionen – zum Beispiel am KitKat?
Das KitKat verfolgt ein eigenes, über viele Jahre gewachsenes Konzept und hat damit einen festen Platz in der Berliner Clubkultur. Wir orientieren uns jedenfalls nicht direkt daran. Für uns gehört ein Darkroom zunächst einmal zu den Möglichkeiten, die bestimmte Veranstaltungen nutzen können.
Und weiter?
Ähnlich wie andere Clubs möchten wir dauerhaft einen entsprechenden Space anbieten und den jeweiligen Veranstaltern die Freiheit geben, diesen in ihre Konzepte zu integrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei immer Freiwilligkeit, Respekt und ein verantwortungsvoller Umgang miteinander.
Wie gestaltet sich das Programm der nächsten Wochen?
Wir möchten uns bewusst nicht über Headliner definieren. Unser Fokus liegt auf starken Konzepten, interessanten Communities und einer langfristigen kulturellen Entwicklung des Clubs. Einzelne Artists und Veranstaltungen kommunizieren wir jeweils über unsere Website sowie über Resident Advisor. Dort finden Interessierte jederzeit die aktuellen Termine und Programme.
Aus dem FAZEmag 173/07.2026
Interview: M.T.
club-amt.berlin