BJØRNSON – druckvoller Techno aus Stuttgart

Nicht nur im süddeutschen Raum hat sich BJØRNSON mit sehr intensivem und nach vorne drückendem Techno über die letzten Jahre einen mehr als soliden Namen gemacht. Auch im FAZEmag-Poll wurde er unter die Breakthrough-Artists des Jahres gewählt. Der DJ und Produzent sprüht nur so vor kreativem Output, hat auf Labels wie KDraw veröffentlicht und hat aktuell eine schweißtreibende Nummer auf Hypnostate am Start.
Vor allem der Ruf seiner mitreißenden und energiegeladenen Sets eilt ihm voraus und öffnet ihm die Türen in renommierten Clubs, wie etwa dem Tanzhaus West, in der ganzen Republik. Somit ist es kein Wunder, dass er als neuer Resident in Fridas Pier in Stuttgart den Floor regelmäßig zum Vibrieren bringt und die Crowd in andere Dimensionen katapultiert. Seine Sets veröffentlicht BJØRNSON nicht nur kontinuierlich in seiner eigenen Reihe auf Soundcloud, auch große internationale Magazine präsentieren seine Mixsession in offiziellen Podcasts. Wir haben uns mit BJØRNSON zum Interview getroffen.

Im Rahmen unseres Polls wurdest Du unter die „National Breakthrough“-Artists gewählt – hast Du mit dem Support der Szene gerechnet?

Nein, absolut nicht. Das war schon sehr überraschend für mich. Aber eine angenehme Überraschung eben, über die ich mich sehr gefreut habe. Ich möchte mich auf diesem Weg nochmal bei allen bedanken, die mich supported haben.

Bei Dir hat sich viel getan und Du bist nun offizieller Resident in Fridas Pier in Stuttgart. Wie ist es dazu gekommen und welche Gigs in Friedas Pier hast Du in besonders guter Erinnerung?

Das Angebot, Resident-DJ auf Fridas Pier zu werden, kam Anfang dieses Jahres und ich habe mich sehr darüber gefreut. Die Frida ist vielen internationalen Top-DJs bekannt und ich weiß von einigen, die schon da waren, dass sie sehr beliebt ist. Es freut mich einfach riesig, dass ich dazu gehöre.

Ich kann mich noch sehr genau an mein erstes Set dort erinnern. Das war am Vatertag 2022 und ich bin eher zufällig in das Line-up gerutscht. Da es eine Tagesveranstaltung war und eher „chillige“ Hintergrundmusik gebraucht wurde, war ich nicht der geeignetste Act dafür. Aber ich dachte mir, dass ich vielleicht so einige Kontakte knüpfen kann, die zu weiteren Gigs führen könnten. Das war aber erstmal nicht der Fall und ich hatte das schon wieder abgehakt. Im April 2023 kam dann aus heiterem Himmel ein Anruf des Bookers, ob ich Interesse hätte einmal das Closing nach Anna Reusch zu spielen.

Da war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Seit diesem Gig kam es dann regelmäßig zu Rebookings und ich durfte diverse Größen der Technoszene supporten. Bisher waren alle Gigs dort der Hammer und ich habe jede Sekunde dort genossen. Speziell in Erinnerung geblieben sind mir die Gigs zusammen mit Bart Skils und Joyhauser. Bart ist einfach eine Techno-Ikone und die Jungs von Joyhauser haben schon sehr früh meine Releases unterstütz, weshalb ich mich umso mehr gefreut habe nach ihnen das Closing zu spielen. Auch der letzte Gig, wo ich das Setup nach Sam Paganini übernommen habe, wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Welche Einflüsse haben dich als Produzent und DJ geprägt, besonders im Hinblick auf deine aktuelle Veröffentlichung auf Hypnostate?

Die größten Einflüsse kommen von Artists wie Victor Ruiz, Alex Stein oder Wehbba. Ich spiele all ihre Tracks in meinen Sets, weil sie einfach hervorragend produziert sind, immer nach vorne gehen und zeitlos sind. Mit Alex und Victor bin ich seit einiger Zeit auch gut befreundet und die beiden unterstützen mich bei meinen Produktionen.

Welche Bedeutung hat für dich die Clubkultur, insbesondere im Raum Stuttgart, und wie spiegelt sich das in deinem Schaffen wider?

Die Clubkultur bedeutet mir sehr viel. In den Clubs hat alles was wir heute unter dem Begriff „Techno“ kennen seinen Ursprung. Auch wenn das manchmal den Anschein hat, dass das vergessen wird. Aber es ist so. Ich bin noch nicht so lange in der Stuttgarter Clubszene unterwegs. Das liegt vor allem daran, dass es sehr lange gedauert hat, erstmal dort Fuß zu fassen. Regelmäßig auf der Frida zu spielen hat hier den Unterschied gemacht.

Tatsächlich kommt jeder, der Interesse an elektronischer Musik hat, in Stuttgart auf seine Kosten. Das Lehmann ist legendär und weit über Deutschland hinaus bekannt. Die Frida bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen mit verschiedenen Subgenres an. Und auch das Proton hat eine sehr große Bandbreite an elektronischen Veranstaltungen. Sei es Psy, Hardtechno, EDM oder Peaktimesound. Jeder kommt auf seine Kosten.

Für mein kreatives Schaffen war dieser Schritt, den musikalischen Mittelpunkt, wenn man es so nennen will, in Stuttgart zu haben sehr wichtig, da ich ja nicht direkt aus Stuttgart komme und auf dem Land lebe, wo Techno mal überhaupt keine Rolle spielt. Da kommt man sich auf dem Dorf doch manchmal sehr verloren vor. Da bin ich den Leuten von Fridas Pier sehr dankbar. Schließlich hab ich hier das erste Mal die Chance bekommen, mich in Stuttgart zu beweisen.

Wie würdest du deinen Sound in drei Worten beschreiben, und wie hat er sich im Laufe deiner Karriere entwickelt?

Energetisch, pulsierend, nach vorne. (Schwierig so etwas über sich selbst zu sagen :D)

In der Entwicklung hat sich einiges getan. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich meine erste Ableton Version in 2009 gekauft. Damals habe ich mich aber nur hin und wieder an meinen eigenen Tracks gearbeitet. 2012 hatte ich dann ein paar Veröffentlichungen, die auch noch unter meinem bürgerlichen Namen bei Spotify zu finden sein dürften. Ich würde aber niemandem raten danach zu suchen, da sich das absolut nicht lohnt :D. Erst Ende 2019 habe ich angefangen mich ernsthaft mit Musikproduktion zu befassen. Ich habe den EMP am Sinee Institute in Köln absolviert und habe zu meiner Abschlussproduktion sehr gutes Feedback bekommen, weshalb ich mich entschieden habe das Thema Produktionen weiter zu forcieren. Von der Entwicklung würde ich sagen, dass meine Produktionen heute um ein Vielfaches professionelle und Clubtauglicher klingen als noch vor drei Jahren.

 Welche Rolle spielt für dich das Live-Erlebnis im Vergleich zur Studioarbeit, und wie beeinflussen sich diese beiden Aspekte gegenseitig?

Das Live-Erlebnis ist sehr wichtig für mich. Letztendlich ist das Live-Erlebnis mit ein großer Grund gewesen, warum ich überhaupt mit dem Produzieren angefangen habe. Ich kann mich noch an ein Gespräch mit Felix Kröcher erinnern, der mir damals gesagt hat, dass er die Chancen für DJs, die nicht selbst produzieren als sehr schlecht einschätzen würde. Heute nehme ich viel von meinen Live-Erlebnissen mit ins Studio und ich versuche die inspirierenden Momente für meine Produktionen zu nutzen.

Beim Testen meiner neuen Tracks tu ich mir meistens noch etwas schwer, da ich immer denke, dass sie nicht gut genug sind. Ich schicke sie dann immer erst zu Alex Stein oder Victor Ruiz, und wenn die sagen, dass sie ihnen gefallen, teste ich sie bei meinen Gigs.

Wie wichtig ist für dich die Interaktion mit deinem Publikum während deiner Auftritte, und wie beeinflusst das deine Performance?

Ich bin vor jedem Auftritt sehr nervös, und bin deshalb gerade in den Anfangsminuten sehr konzentriert, was sich natürlich auf die Interaktion mit dem Publikum auswirkt. Vielleicht spiele ich deshalb so gerne auf Fridas Pier. Da ist es ziemlich dunkel und man sieht nicht allzu viel vom Publikum. Wenn dann ein bisschen Zeit vergangen ist und ich die ersten Reaktionen aus dem Publikum bekomme, fällt mir vieles leichter.

Ich treffe die Entscheidungen, welche Tracks ich als nächstes spiele, auf Grund der Reaktionen aus dem Publikum. Ich würde also sagen, dass das Publikum einen großen Einfluss darauf hat in welche Richtung sich meine Sets bewegen. Am besten ist dann ein Punkt, an dem dann alles ein bisschen wie von selbst läuft. Ab da kann ich dann das Live-Erlebnis mehr und mehr genießen und auch mal ein bisschen aus mir rauskommen. Was man allerdings nie erwarten sollte ist, dass ich irgendwann zum Mikro greife, oder mehr auf oder vor dem Pult herumtanze.

Was hast Du für die nächsten Wochen und Monate geplant – was steht auf Deiner Roadmap in 2024?

In der ersten Juniwoche steht das Release auf Hypnostate an. Ebenfalls kann man mich im Juni zusammen mit den Teenage Mutans und mit Anna Reusch antreffen. Teenage Mutans kommen ins Proton nach Stuttgart und Anna kommt zu ihrem jährlichen Besuch auf Fridas Pier. Darauf freue ich mich am meisten, da Anna Reusch der erste große Act war, den ich auf Fridas Pier supporten durfte.

Außerdem werde ich dieses Mal das Opening und das Closing spielen. Zu weiteren Gigs kann ich jetzt noch nicht wirklich viel sagen, da wir erst im März zu meiner neuen Booking-Agentur Family Affairs gewechselt haben. Was ich noch sagen kann, dass wir demnächst ein Videostream veröffentlichen werden, den wir auf Fridas Pier aufgenommen haben. Da bin ich schon sehr gespannt.

Hört hier in BJØRNSONs neuen Track „Chaos“ rein:

www.bjoernsonmusic.net
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