
Eine Familie, die vor vielfältigem Talent nur so strotzt und deren Name international bekannt ist, gemeint sind die Kalkbrenners. Innerhalb der elektronischen Musikszene fallen da meist zuerst die Namen der beiden Brüder Paul und Fritz Kalbrenner: zwei Künstler, die mit Tracks wie „Sky and Sand“ den Sound Berlins international geprägt haben. Weniger im Rampenlicht, aber nicht minder kreativ ist ihre Mutter, Carla Kalbrenner. Die ehemalige Fernsehjournalistin hat sich in den vergangenen Jahren als Krimiautorin etabliert. Ihre Romane bilden Berlin nicht als Postkartenmotiv ab, sondern zeigen das gesellschaftliche Spannungsbild auf.
Bevor sie literarische Morde konstruierte, arbeitete Kalkbrenner über zwei Jahrzehnte im Fernsehen. Sie war während der Nachwendezeit Mitinitiatorin des Satireformats „Kaos“ beim Deutschen Fernsehfunk, welches mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Später folgten Stationen im Kulturjournalismus. Schreiben gehörte also schon immer zu ihrem Alltag. Daraus ergaben sich schließlich die ersten Krimis, welche weniger einen strategischen Plan, vielmehr einen Wendepunkt markierten wie sie im Gespräch mit dem Tagespiegel verrät.
Kalbrenners Bücher spiegeln ein Berlin, das zwischen Szene-Hotspots, politischer Reibungsfläche und wachsender sozialer Spannung steht. Inmitten dieses Rahmens ermittelt in ihren Romanen ein Team des Berliner LKA, angeführt von einem Kommissar mit Ecken und Kanten.
Wer die Musik ihrer Söhne im Ohr hat, der weiß: Berlin ist mehr als eine Kulisse, Berlin ist ein ganz eigener Kosmos, eine ganz eigene Atmosphäre. Diese Haltung zieht sich durch die Musik der Söhne und durch die Romane der Mutter. Ihre Geschichten leben von konkreten Orten, Milieus, von Subkultur und politischen Debatten. Während Paul Kalkbrenner in „Berlin Calling“ das Bild des rastlosen DJs prägte, beschreibt Carla Kalbrenner eine andere Realität der Hauptstadt und spart auch in Interviews nicht mit deutlicher Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen.
Ein weiteres Buch ist schon in Planung. Im Mittelpunkt soll ein Afghanistan-Veteran stehen, der in der Berliner Gegenwart keinen Halt findet. Wieder spielt die Stadt eine zentrale Rolle: ein pulsierender Organismus, eine Konfliktzone, ein Raum voller Möglichkeiten.
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