
Drei Jahrzehnte im internationalen Musikgeschäft hinterlassen Spuren – bei Cosmic Gate sind es vor allem gute. Das Duo aus Deutschland, bestehend aus Stefan Bossems alias DJ Bossi und Claus Terhoeven alias Nic Chagall, hat unzählige Bühnen erlebt, von intimen Clubnächten bis zu Festival-Giganten wie EDC oder ASOT. Was bleibt, ist eine unveränderte Leidenschaft für Musik und für den Moment, in dem der erste Ton auf der Tanzfläche spürbar wird. „Das Wichtigste ist unsere Passion – für Musik, die Szene, das Reisen, den ganzen Lifestyle“, sagen sie. „Ohne das wären wir nicht so lange dabeigeblieben.“
Wer Cosmic Gate über Jahre begleitet hat, weiß: Ihre Karriere war stets im Wandel. Schon früh suchten sie Wege, das klassische Albumdenken an moderne Hörgewohnheiten anzupassen. „Die Streamingplattformen haben keinen Platz mehr fürs traditionelle Album“, erklären sie. „Früher hat man zehn oder zwölf Titel am Stück gehört – heute geht es um Tracks, Playlists und einzelne Momente.“ Der Gedanke führte zu einem Konzept, das ihre jüngsten Veröffentlichungen prägt: Kapitel statt Alben, einzelne Perspektiven statt eines geschlossenen Blocks. So entstand auch die Idee zu „Perspectives“, einem in drei Teile gegliederten Projekt, das ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf Trance zeigt.
„Wir können heute zwei bis vier Tracks veröffentlichen, damit touren und live testen“, erklären Stefan und Claus. „Das Feedback der Fans fließt direkt in die nächsten Stücke ein. So entstehen zwischendurch ganz andere Tracks – das ist total spannend.“ Die neue Freiheit verändere nicht nur den Produktionsprozess, sondern auch das Denken über Trance selbst: „Gerade bei ,Perspectives’ geht es darum, verschiedene Stimmungen und Tempi zu vereinen – unsere unterschiedlichen Perspektiven auf denselben musikalischen Raum.“ Einer dieser Räume heißt „YOU“. „Zuerst war die Melodie da“, erzählen sie. „Lustigerweise ist sie entstanden, während wir an einer anderen Single gearbeitet haben. Die Melodie hat uns sofort gepackt – sie war so stark, dass wir gesagt haben: Das Ding muss etwas Eigenes werden.“ Die Inspiration kam schließlich von Ibiza: „Ein paar Off-Days auf der Insel haben den Vibe geprägt. Das Vocal ‚You make me feel so good‘ unterstreicht einfach dieses Gefühl. Die Nummer gibt uns jedes Mal ein echt gutes Gefühl.“
Als Cosmic Gate im September auf der Dachterrasse des Tomorrowland Stores in Ibiza die neuen Tracks erstmals vorstellten, zeigte sich erneut ihre Nähe zum Publikum. „Große Bühnen sind geil, aber intime Setups, kleinere Clubshows, wo man ganz nah dran ist – nirgendwo fühlt man die Musik so intensiv wie dort“, sagen sie. „Beim Ibiza-Event haben wir zwei Album-Tracks zum ersten Mal gespielt, einer wurde buchstäblich Stunden zuvor fertig. Mehr live und neu geht nicht.“ Trotz all der Erfahrung spürt man, dass sich hinter dem Namen Cosmic Gate kein selbstverständlicher Dauerläufer, sondern zwei Musiker mit echtem Antrieb verbergen: „Manchmal ist es heftig, was man für ein paar Shows auf sich nimmt – kein Schlaf, Jetlag, Reisen, obwohl man eigentlich besser im Bett wäre. Das macht man nur, wenn man mit ganzem Herzen dabei ist.“ Ein Satz, der fast wie eine Essenz ihrer Geschichte klingt: Leidenschaft als Antrieb, Neugier als Kompass: „Trotz aller Veränderungen in der Szene und im Zeitgeist – Music is the answer.“
Das Jahr 2025 bot dafür reichlich Gelegenheit. „Gleich zu Jahresbeginn kam unser EDC-Mexico-Main-Stage-Set – 60- bis 70.000 Leute, ein Meer an Menschen, was für eine Stimmung“, erinnern sie sich. „Dann ASOT London im Sommer und erst vor Kurzem unsere Open-to-Close-Show in der Halle Tor 2 in Köln. Wir lieben diese Venue – der Vibe war spektakulär. Zu Hause ist doch immer noch am schönsten.“ Dass Cosmic Gate nach all den Jahren weiter neugierig bleiben, zeigt nicht nur ihr Umgang mit dem Format, sondern auch ihr Blick nach vorn. Im Frühjahr soll der dritte Teil von „Perspectives“ erscheinen, bevor das gesamte Projekt als Album auf CD, Vinyl und digital veröffentlicht wird. „Wir freuen uns darauf, die Stücke in voller Länge zu präsentieren – und natürlich auch auf weitere Shows“, sagen die beiden. „Im Februar kommen wir nochmal nach Deutschland und Europa.“ Was danach kommt, bleibt noch offen. „Ein paar Ideen gibt’s schon, aber es ist zu früh, um darüber zu sprechen“, schmunzeln Stefan und Claus. Es klingt wie ein Versprechen, dass Cosmic Gate auch im vierten Jahrzehnt ihrer Karriere noch lange nicht am Ziel angekommen sind.
Aus dem FAZEmag 165/11.2025
Text: Triple P
Foto: Oliver Schumacher
www.instagram.com/realcosmicgate