
Mit „VHS Romance“ veröffentlicht die französisch-dominikanische Produzentin und Live-Künstlerin Crâne de Poule ihr Debütalbum zwischen House, Techno und analogen Ästhetiken. Im Kurzinterview spricht sie über die Bedeutung ihres Künstlernamens und darüber, warum die LP mehr ist als nur ein Musikalbum.
Dein Alias stammt von einer Figur, die du als Kind gezeichnet hast. Wann wurde daraus erstmals eine echte künstlerische Identität?
Crâne de Poule begann als Figur, die ich als Kind überall gezeichnet habe: ein Totenkopf mit kleinen Flügeln und Kamm. Lange war das ein persönliches Symbol. Als ich anfing, Musik zu produzieren und einen Alias brauchte, fühlte sich die Wahl selbstverständlich an. Es war auch eine Reaktion auf eine Branche, in der von Frauen oft ein „schöner“ Name erwartet wird. Künstlerisch zu arbeiten heißt für mich, die eigene Einzigartigkeit anzunehmen.
Deine Arbeit verbindet Musik, Illustration, Fotografie und Video. Siehst du dich eher als Musikerin oder als multidisziplinäre Künstlerin?
Musik ist der Kern meiner Arbeit, aber ich bewege mich zwischen verschiedenen Medien. Ich habe Architektur und Bildende Kunst studiert und gestalte die meisten Visuals für mein Label selbst. Musik, Bilder und Raum gehören für mich zusammen.
Wie fließen diese Aspekte auf deinem Debütalbum „VHS Romance“ zusammen?
„VHS Romance“ beschäftigt sich mit nostalgischen Erinnerungen und einem verzerrten Blick auf die Vergangenheit. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen House, Techno und Minimal. Einige Tracks sind cluborientiert, andere introspektiver. Die visuelle Ästhetik greift VHS-Optik und analoge Bildwelten auf.
Wie autobiografisch ist das Album?
Es stecken persönliche Emotionen darin, aber es ist keine direkte Autobiografie. Mich interessiert, wie Erinnerung Realität verändert und zu einer Mischung aus Fakten, Gefühlen und Fantasie wird.
Kannst du einige wichtige Einflüsse auf deinen Sound nennen?
Meine Einflüsse sind vielfältig: Artists wie KiNK, John Tejada und Mathew Johnson, aber auch meine klassische Ausbildung mit Violine und Percussion sowie Jazz haben meinen Zugang zu Harmonie und Improvisation geprägt.
Was war bislang der prägendste Moment deiner Karriere?
Mein Live-Set im Rex Club in Paris war sehr bedeutend. Am meisten bleiben mir jedoch kleinere Begegnungen in Erinnerung – Momente, in denen Menschen sich wirklich mit der Musik verbinden.
„VHS Romance“ ist am 6. Januar via PhonicHouse1 Records erschienen.
Aus dem FAZEmag 170/04.2026
Foto: Alicia Brouillard
www.instagram.com/cranedepoule