HelmetsRAM


Es ist das wohl sehnlichst erwartete Album seit 2005. Damals erschien mit „Human After All“ der dritte Studiolongplayer der Franzosen Daft Punk, zusammengeschustert in nur sechs Wochen und nicht von allen Fans und Kritikern so wohlwollend aufgenommen wie die Vorgänger „Homework“ und „Discovery“. Sie gelten bis heute als Meilensteine der elektronischen Musikgeschichte, waren und sind für viele Künstler nach wie vor große Inspirationsquellen.

Daft Punk haben vor der Jahrtausendwende mit Tracks wie „Da Funk“ und „Around The World“ die Housemusic revolutioniert und salon- wie chartfähig gemacht. Zwölf Jahre später schicken sie sich an, dasselbe noch einmal zu tun. So jedenfalls die Hoffnung der von zu viel Einheitsbrei und mangelnder Innovation auf dem Releasemarkt gelangweilten Musikliebhaber.

Und tatsächlich, schon die ersten Auszüge aus dem am 17. Mai via Columbia/Sony erscheinenden neuen Studioalbum „Random Access Momories“, dem unmittelbaren Nachfolger des 2010 releasten Soundtracks zum Film „Tron: Legacy“, versprechen viel und vor allem eins: Daft Punk bringen den Funk zurück in die Clubs. Kollaborationen mit Künstlern wie Nile Rodgers und Giorgio Moroder sind ein sicheres Indiz hierfür.

Vor rund einer Woche durfte die geneigte Musikjournalie ein erstes Ohr auf das komplette Werk von Thomas Bangaltar und Guy-Manuel de Homem-Christo werfen, und es hat sich das bestätigt, was die Single „Get Lucky“ feat. Pharrell Williams & Nile Rodgers bereits vermuten ließ: Es wird phonky! Von psychedlischem Funk bis Daft Punk-typischen Durchdrehacidsounds inkl. Vocoder-Vocals ist alles dabei. Doch hat der Funk ganz sicherlich die Oberhand.

Während mit The Strokes-Sänger Julien Casablancas auch der Rock inklusive Gitarrensolo wieder Einzug hält, ist „Touch“ u.a. dank Paul Williams’ spezieller Art der Intonation eine Musical-Hommage. Das fast balladeske „Within“ entstand mit Chili Gonzales am Klavier und ist im Vergleich zum Rest äußerst zurückgenommen. Bei „Giorgio by Moroder“ hält Giorgio Moroder einen Monolog über seine musikalischen Anfänge, untermalt von fulminant abdrehenden Funkklängen.

Songs – und ja, Songs trifft es in fast allen Fällen besser als Tracks – wie „Lose Yourself To Dance“ und „Get Lucky“ – beide featuring Pharrell Williams und Chic-Mann Nile Rodgers – haben Groove und gehen ziemlich in die Beine, wenngleich sie – wie die meisten Stücke – im Original nicht wirklich clubkompatibel sind. Aber zahlreiche Remixe werden es schon richten. Die Kollaborationen mit Todd Edwards, Panda Bear (das einzige rein elektronische Stück auf dem Album) und vor allem der finale Track „Contact“ mit dem alten Bangaltar-Homie DJ Falcon sind da schon etwas andere Ansagen. Letzterer ist ein episches Brett, was ihn auch gleich zur zweiten Single avancieren lässt.

Dieses Album wird womöglich eher ein populärmusikalischer Chart- als ein undergroundiger Clubhit. Heute noch einmal die elektronische Musik zu revolutionieren, ist ein wirklich schweres Unterfangen, und möglicherweise ist die Erwartungshaltung vieler kaum noch zu erfüllen. Aber eine Enttäuschung ist „Random Access Memories“ deswegen noch lange nicht. Stattdessen gelingt es Daft Punk mal wieder, musikalische Vergangenheit mit Futurismus zu verknüpfen und erneut etwas Einzigartiges entstehen zu lassen. Daft Punk halt …

Hier noch einmal die Tracklist:

1. “Give Life Back to Music” (featuring Nile Rodgers)
2. “The Game of Love”
3. “Giorgio by Moroder” (featuring Giorgio Moroder)
4. “Within” (featuring Chilly Gonzales)
5. “Instant Crush” (featuring Julian Casablancas)
6. “Lose Yourself to Dance” (featuring Pharrell Williams and Nile Rodgers)
7. “Touch” (featuring Paul Williams)
8. “Get Lucky” (featuring Pharrell Williams and Nile Rodgers)
9. “Beyond”
10. “Motherboard”
11. “Fragments of Time” (featuring Todd Edwards)
12. “Doin’ It Right” (featuring Panda Bear)
13. “Contact” (featuring DJ Falcon)

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