Dante – Wendepunkt London

Mit „New Places“ legt Dante sein drittes Studioalbum vor – entstanden während eines intensiven vierwöchigen Aufenthalts in London. Der Produzent steht für einen eigenständigen, emotional geprägten Sound zwischen elektronischer Clubmusik und atmosphärischem Storytelling. Die neue Platte markiert nicht nur eine klangliche Weiterentwicklung, sondern auch einen persönlichen Wendepunkt. Zwischen Reduktion und Experiment, zwischen innerem Umbruch und äußerem Einfluss ist ein Werk entstanden, das sich bewusst gegen Schnelllebigkeit stellt und stattdessen Raum für Emotion, Tiefe und künstlerische Freiheit schafft. Der Selbst-Release erscheint am 10. April u.a. via Bandcamp.

„Meine Inspirationen waren und sind immer meine Umgebung, meine Emotionen, Sinnfragen und natürlich auch ein Hang zur Klang-Ästhetik“, erklärt Dante. Sein künstlerischer Kern sei dabei erstaunlich konstant geblieben: „Meine Ansätze zu produzieren, sind generell ähnlich geblieben, so dass man den typischen ‚Dante-Sound‘ eigentlich immer heraushören kann.“ Verändert habe sich vor allem sein Blick auf sich selbst: „Früher bin ich oft in Melancholie abgedriftet, auch als eine Art Schutzmechanismus. Mittlerweile kann ich Emotionen besser zulassen und ausdrücken. Und das überträgt sich auf die Musik.“

Ein entscheidender Impuls kam durch den Ortswechsel. „Das komplett andere Umfeld und ästhetische Empfinden dort habe ich so gut es geht eingeatmet, um es in der Musik zurückzugeben.“ London wird dabei mehr als nur Kulisse – es wird zum integralen Bestandteil des Albums. „Die Stadt pulsiert: an jeder Ecke Kunst und Kultur“, sagt Dante. „London ist deshalb mehr als nur der Ort, an dem das Album entstanden ist. Die Stadt ist wie ein eigener Charakter auf dem Album.“ Klanglich geht Dante neue Wege, ohne sich selbst zu verlieren. „Ich habe mehr ausprobiert und mich stärker auf eigenes Sounddesign verlassen“, beschreibt er den Prozess. So entstehen etwa „aus Vocal-Chops Synths oder aus Field Recordings Pads und Percussions“ – ein Ansatz, der zu „einem Klangbild führt, das es so kein zweites Mal geben kann“. Gleichzeitig habe er bewusst reduziert, „Melodien stärker reduziert oder Tonfolgen minimalistischer gestaltet“ und dabei Emotionen wie „Wut und Trauer kanalisiert“.

Auch die Arbeitsweise spielte eine zentrale Rolle. Statt gewohnter Studio-Setups arbeitete Dante ausschließlich mit Laptop und Ableton Push. „Das hat mich gezwungen, mich wirklich auf Ideen und Klanggestaltung zu konzentrieren. Und genau diese Reduktion war für mich ebenfalls sehr befreiend.“ Von Unsicherheit keine Spur: „Ich war vom alten Ballast gelöst und konnte viel künstlerischer arbeiten.“ Diese Befreiung steht auch im Kontext einer grundsätzlichen Kritik an der Szene. „Der Output-Druck in der Szene ist nicht gesund für künstlerische und kreative Arbeit“, sagt er deutlich. „Vielleicht entsteht dadurch funktionierende Musik, aber nicht unbedingt bedeutungsvolle.“ Er selbst sei lange Teil dieses Systems gewesen: „Ich habe jeden Monat einen Track veröffentlicht, manchmal sogar alle zwei Wochen.“ „New Places“ versteht er daher als Konsequenz: „Insofern ist das Album das Ergebnis (m)eines Ausbruchs.“

Für Dante verschwimmen dabei bewusst die Grenzen zwischen Technik und Emotion. „Produzieren ist für mich immer Selbsttherapie und Selbstverwirklichung“, so der Produzent. „Das Erlernen von technischen Skills ist letztlich nur ein Mittel, um bestimmte Themen und Emotionen besser ausdrücken zu können.“ Entsprechend folgt auch die musikalische Form der inhaltlichen Aussage: „Das Gefühl sollte sich im Rhythmus widerspiegeln.“ Auch beim Release geht Dante einen konsequent eigenen Weg. Nach Absagen mehrerer Labels – „oft mit der Begründung, der Name ‚Dante‘ sei noch zu klein“ – entschied er sich bewusst für Unabhängigkeit. „So ist jetzt wirklich alles zu 100 % Dante: von der Musik, über das Cover, T-Shirt-Motiv bis zum Format.“ Besonders wichtig bleibt dabei das physische Medium: „Für mich ist Vinyl immer noch das stärkste Medium für Musikschaffende. Es ist zeitlos.“

Aus dem FAZEmag 170/04.2026
Text: Triple P
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