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Wir haben unseren freien Mitarbeiter Ramirez Son zur weltgrößten Techno-Veranstaltung geschickt. Hier ist sein Resümee.

“Als Abgesandter des Faze Mags habe ich mich unters Partyvolk gemischt und drei Tage die volle Schweizer Dröhnung abbekommen. Die 23. Ausgabe der weltgrößten Techno Veranstaltung (zusammen mit der ehemaligen Ausgabe der Berliner Original Loveparade) konnte zur Überraschung der Veranstalter mit einer erneuten Superlative aufwarten. 2001 war es das letzte Mal, dass die Million Raver-Grenze geknackt wurde. Headliner war neben einigen EDM Acts, Robin Schulz himself, der frenetisch auf dem Startwagen der Parade gefeiert wurde. Neben viel zu viel Glasscherben war es aber für die Veranstalter ein Glücksgriff, die Parade dieses Jahr zeitlich von Anfang auf Ende August zu verlegen, da im Gegensatz zu einigen Ausgaben vorher, Petrus dieses Jahr definitiv ein Raver war.

Meine Erlebnisse beziehen sich auf das Mitfahren auf einem der Wagen – genannt ‘Float’ – das Miterleben eines der dienstältesten Festivals, einer Stipvisite im Züricher Vorzeige-Club Hive sowie der traumhaften Afterhour in der Roten Fabrik. Eingeladen von ‘Abflug / Berlin’ war es mir möglich, die Parade von einem Wagen aus zu genießen. DJs wie Kellerkind und Anthik sowie Me & Her machten die ausgiebige Fahrt im Sonnenschein um den Züri-See mit vielen Stopps zum Feiern zu einer sehr tollen Erfahrung. Das Besondere der Parade ist in meinen Augen die Kombination aus der Location gepaart mit der Schweizer Gelassenheit und dem sehr gemischt westeuropäischen Klientel sowie der Offenheit zur Musik. Ein Sprachgewirr aus den drei deutschen Hauptdialekten (höheres Deutsch aus Deutschland, Schwitzer Dütsch und dem Österreichischen Alpen Slang) aber zu gleichen Anteilen Französisch, Spanisch und Italienisch machen die Parade zu einer sehr europäischen Ausgabe einer solchen Veranstaltung.

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Der See lud nicht nur zum Baden ein (was ausgiebig genutzt wurde und sogar erlaubt ist!), nein Boot an Boot reihten sich mit eigens installierten PAs den See entlang auf und gaben der Parade ein Flair, das Berlin alleine von der Optik damals gar nicht bieten konnte. Musikalisch bot die Schweiz einiges und so konnte man abhängig vom Wagen zu allem tanzen, was der elektronische Markt hergibt. Von funkigem DeepHouse bis hin zu hämmerndem Hardcore war wirklich alles geboten. Was mich wirklich faszinierte ist die Tatsache, dass man der Stadt bis auf die Buden und Aufbauten an der Strecke selbst nicht anmerkte, dass sie binnen weniger Stunden grob das zwei bis Dreifache der eigentlichen Einwohnermenge zu bewältigen hatte. Chapeau ihr Schweizer!

Abends spielte sich Stil vor Talent im Hive warm und Oliver Koletzki riss den Bienenstock ein. Wer mal einen Club mit tropfender Decke erleben mag, sollte einen Blick riskieren. In zehn Minuten ohne Tanzen klatschnass zu sein, ist eine Erfahrung für sich! Hive… zwei summende Daumen hoch! Was ich darüber hinaus empfehlen kann, ist ein Besuch des ältesten Street Parade-Events, das es nun seit 21 Jahren gibt und in der Roten Fabrik einen perfekten Platz gefunden hat.

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Das Lethargy (gesprochen: Lätädschie) bietet an drei Tagen volles Programm – vor allem auch für die Eidgenossen selbst. Am Freitag gab es hier den gelungenen Auftakt und mit der Afterhour bis Sonntag abends 21 Uhr einen atemberaubenden Abschluss direkt am See. Etwas alternativ angehaucht bietet es ein Flair, das nur das Sysiphos in Berlin schafft oder das Odonien in Köln. Das Lineup liest sich dementsprechend bunt und bietet von Drum’n’Bass über Live Elektronik bis zu melodiösem TechHouse alles, was man zum Feiern braucht. Alleine zweieinhalb tausend Menschen bestätigte mir Veranstalter Petar Bell nur zur Afterhour am Sonntag. Die Parade nahm so ihren krönenden Abschluss zu einem exklusiven Live Set des Kölners Melokind von Incroyable Music zu den letzten Sonnenstrahlen am Sonntag. Mit einem breiten Grinsen auf den Backen bin ich wieder zurück in Köln und kann nur sagen: DANKE und Salut Züri! Deine Parade hat nichts von dem Glanz verloren, den ich vor schon vor 15 Jahren genießen durfte!

Der obligatorische Satz zu den Kosten: Aus deutscher Sicht ist die Schweiz gefühlte 20-40% teurer. Aber allein, weil es so etwas bei uns nicht (mehr) gibt, lohnt es sich hinzufahren.”

 

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