Credit: Brittney Anderson


In Italien geboren, aber in Los Angeles aufgewachsen fand David Castellani bereits früh seine Liebe zu elektronischer Musik und vor allem zu modularen Synthesizern. Im Sommer startete er mit „Noetic“ sein eigenes Label und debütierte in Sachen Veröffentlichungen auf dem Solo-Parkett, nachdem er bereits länger als Teil eines Duos aktiv gewesen ist. Zu hören gibt es intelligenten und dynamischen Techno mit Fokus auf Synthesizer und analoge Hardware. So waren auf der ersten Katalognummer des Imprints „Alpha Gamma“ zwei Originale und ein Redshape-Remix zu hören. Nach einer weiteren EP Anfang September steht nun mit der „Electrochemical EP“ das dritte Release in den Startlöchern.

Zur Musik im Allgemeinen fand Castellani bereits mit 16 Jahren in Form einer kleinen Djembe: „… von da an wuchs mein Setup schnell zu einer großen Sammlung von Handperkussionsinstrumenten. Jahrelang konzentrierte ich mich auf Jazz- und Funk-Musik, spielte in Groove-Bands und nahm Schlagzeugunterricht bei Latin-Jazz-Spielern. Nach der Highschool besuchte ich einen kleinen Studiengang für Tontechnik im ,Studio of Chicago‘ und begann, etwas über Recording und Musikproduktion zu lernen. Hier begann meine eigentliche Leidenschaft für Technik und Hardware und führte dazu, dass ich mit Software wie ACID, Fruityloops, Cubase, ProTools und jetzt Ableton Live zu arbeiten begann. Was die Einflüsse angeht, muss ich sagen, dass meine Lehrer*innen auf meinem Weg die größten Inspirationsquellen waren, vor allem Juma Santos. Er war mein allererster Percussion-Lehrer und ein ganz besonderer Mensch. Seine Energie und seine Liebe zur Musik haben schon in jungen Jahren den Samen in mein Herz gepflanzt.“ Vor allem auch seine beiden Lebensmittelpunkte Italien und die USA hatten großen Einfluss auf Davids musikalische Ausrichtung: „Ich glaube fest, dass sich diese Einflüsse in meiner Musik spiegeln. Ich stehe auf alles, von Klassik bis Techno. Und wenn meine Großeltern und Eltern mir nicht so vielseitige Musik beigebracht hätten, wäre mein Musikgeschmack viel zweidimensionaler. Ich fühle mich sehr gesegnet, dass ich eine große Auswahl an Musikstilen hatte und habe. Ich glaube, das macht mich zu einem besseren Musiker und hilft mir insgesamt dabei, die Musik zu machen, die ich heute mache.“

Eine klare Vision hat er auch bei seinem neuesten Projekt „Noetic“: „Der Name bedeutet, dass man durch eine mystische oder psychedelische Erfahrung Weisheit oder Wissen erlangt, und ich glaube, dass die Art und Weise, wie wir Musik aufnehmen, demselben Mechanismus entspricht. Die tiefgreifende Erfahrung von Musik können wir nicht fassen oder fühlen, aber wir alle können den Einfluss und das Wachstum erkennen, das wir durch die aktive Teilnahme an der Musik erfahren. Dieses Konzept der unausgesprochenen Kommunikation und die Macht, die sie auf uns alle haben kann, ist der Kern des Labels, und ich hoffe, dass wir mit der Musik, die wir veröffentlichen, neue menschliche Erfahrungen bereichern können.“ Beim nun anstehenden dritten Release gilt der Fokus „herausragenden Leadsounds“, wie er erzählt: „Die wichtigsten Sounds, die sich über die Rhythmusgruppe erheben, sind ein Sequential Pro One und ein Yamaha CS-20m. Und genau diese Leadsounds tragen den Track, indem sie etwas lauter im Mix platziert sind. Ich glaube, das hat eine interessante Dynamik zwischen den Rhythmus- und den Lead-Sektionen geschaffen, die mir sehr gut gefällt. Es ist schwer, sich für einen Favoriten zu entscheiden im Studio, aber einige Brands, die ich liebe, sind Noise Engineering, Erica Synths, Soma Labs, Cwejman, Fabfilter und Soundtoys. Und natürlich war es eine wahre Freude, Matrixxman für einen Remix zu gewinnen.“

 

Aus dem FAZEmag 116/10.21
Text: Triple P
Credit: Brittney Anderson
instagram.com/davidcastellanimusic