Eine Institution des Hamburger Clublebens ist zurück an seinen alten Ort gekehrt. Dort, wo der Club mal war, stehen jetzt zwei Hochhäuser, die von den Hamburgern nur „die tanzenden Türme“ genannt werden und dort ist nun auch der neue Club untergekommen. Unser Autor Tobi Kirsch, sprach anlässlich der Wiedereröffnung mit Oliver Korthals, neben Leif Nüske, einer der beiden Köpfe hinter dem Mojo – wie schon früher.

Was hat sich in der Zwischenzeit nach der Schließung des alten Mojo Clubs geändert?
Der neue Club bietet eine große Bühne, die Musik steht total im Vordergrund. Wir haben versucht, charakteristische Merkmale des alten Clubs in den neuen zu integrieren. Man muß sich auch noch mal verdeutlichen, dass der alte Club am Anfang der Reeperbahn immer ein Provisorium war. Das war mal eine Bowlingbahn, bevor wir den Club dort gemacht haben. Wir sind bei analoger Beleuchtung geblieben, die Theken sind sehr dezent am Rande platziert, dort findest du zum Beispiel keine Neonschilder, wie Du vielleicht am Eröffnungswochenende gesehen hast. Zudem haben wir relativ wenigen technischen Schnickschnack im Club, alles ist auf das Wesentliche ausgerichtet. Dazu gehört auch die Empore, von der man von oben gut auf die Bühne blicken kann. Die Innenarchitektur ist alten Konzertsälen nachempfunden.

Du hast schon das Eröffnungswochenende erwähnt, der 2. Februar war ja ein voller Erfolg mit langer Schlange und vollem Haus. Ich habe sehr viele Menschen gesehen, die früher sicher viel im Mojo waren, heute jedoch nicht unbedingt aufgrund ihres Alters und ihrer Lebenssituation nicht zwingend zu den Clubgängern gezählt werden würden. Gleichzeitig bietet ihr ein Programm an, dass zum einen stärker auf Konzerte ausgerichtet ist und bei DJ Namen auf bewährtes Personal setzt. Auch der Begriff „Dancefloor Jazz“ wird ja klar mit euch assoziiert und wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Wer ist heute euer Publikum?
Zunächst zur Musik, da kann ich mich nur wiederholen: Jazz ist der Kern, das Herz des Ganzen. Ein wichtiger Begriff ist für mich Eklektizismus. Eben eine gewisse Verpieltheit und eine große Vielfalt, das beschreibt unser Programm ganz gut. Es wird Ausflüge in die Houseszene geben, das wird vorwiegend am Freitag stattfinden in der Reihe „Frequencies“. Was in deiner Frage noch mitschwingt, ist der Eindruck, dass Menschen eines gewissen Alters nicht mehr ausgehen. Das glaube ich nicht. Selbst wenn man sich nicht mehr die ganz Nacht um die Ohren schlägt, ist das Interesse an Musik immer noch da. Für die Menschen, die keine Clubnächte mehr besuchen wolllen, haben wir ja auch eine Menge Konzerte im Programm. Auf vielen Konzerten sieht man auch Leute, die man in Clubs nicht mehr vermuten würde.

Nun ist es ja so, dass der Kiez in Hamburg von manchen ausgehwilligen Hamburgern inzwischen gemieden wird, es gab sogar den Slogan „Der Kiez macht mich krank“ vor einigen Jahren. Das hatte mit der Sauf- und Drogenkultur und der Masse an Leuten zu tun, die vor allem an den Wochenenden das Viertel bevölkern. Gleichzeitig ist dieses Publikum augenscheinlich nicht in erster Linie an Musik interessiert. Mit eurem Clubkonzept passt ihr ja da auch nicht wirklich rein in die „Absturzkultur“, oder wie siehst du das?
Zum einen finde ich das Bild etwas einseitig, was u da schilderst und es gibt ja neben uns auch noch andere Clubs, die das musikalische Programm in den Vordergrund, z.B. das Molotow. Außerdem haben wir uns durch die Inneneinrichtung abgegrenzt, es gibt bei uns keine gesponserte Wrbung von Getränkeherstellern, um ein Beispiel zu nennen. Um auf das Konzept zu kommen: Wir müssen uns nach der langen Pause das Vertrauen des Publikums natürlich wieder erarbeiten. Aber auch in der heutigen Zeit, wo Musik ständig und überall verfügbar ist und bei manchen Menschen scheinbar an Stellenwert verloren hat, braucht es Filter, die man setzen muß. Und das wollen wir mit dem Mojo machen.

Eine kurze persönliche Frage, Du wohnst ja nicht mehr in Hamburg, ist es schwer, einen Club in der Ferne zu betreiben oder pendelst du viel hin und her?
Wir teilen uns das schon gut auf, Leif Nüske und ich. Ohne unser großes Team wäre das alles auch gar nicht machbar. Ich bin schon immer mal in Hamburg, aber heutzutage ist das organisatorisch mit den technischen Möglichkeiten kein Problem mehr.

 

Das komplette Programm findet ihr auf der Homepage, einige Highlights in den kommenden Wochen: Shantel & Bucovina Club, Marcus Worgull, The Heavy, Florian Keller …

www.mojo.de


Interview: Tobi Kirsch
Foto Oliver & Leif: Gordon Timpen

Foto Club: Silke Zenker