Deutschlands größte Suchtklinik für Jugendliche schließt

Die Dietrich Bonhoeffer Klinik im niedersächsischen Ahlhorn stellt Ende Juni 2026 ihren Betrieb ein.

Damit verliert Deutschland die größte Reha-Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche – und mehr als die Hälfte aller stationären Therapieplätze für drogenabhängige Minderjährige. Auslöser der Schließung ist eine Finanzierungslücke von 200 Euro pro Patient und Tag.

Während die Deutsche Rentenversicherung aktuell 320 Euro zahlt, benötigt die Klinik nach eigenen Angaben 520 Euro täglich, um den Betrieb inklusive Nachtwachen aufrechterhalten zu können.

Besonders problematisch sei die Versorgung suizidgefährdeter Jugendlicher, für die spezialisierte Betreuung notwendig ist. Verhandlungen über eine bessere Finanzierung scheiterten, ebenso ein Antrag auf Anerkennung als Spezialeinrichtung.

Bereits im Vorjahr hatte der Trägerverein Leinerstift einen Verlust von 1,5 Millionen Euro ausgeglichen. Nun endet die Behandlung der letzten 21 Patienten Ende Juni 2026. Neue Patienten werden bereits nicht mehr aufgenommen.

Mit der Schließung entfallen 60 von bundesweit nur 97 stationären Reha-Plätzen für drogenabhängige Jugendliche. Für Erwachsene existieren dagegen 13.600 Reha-Plätze. Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck kritisierte die Situation deutlich:

„Wir geben pro Tag 1,3 Milliarden Euro im Gesundheitswesen aus“. Weiter sagte er: „Hier scheitern wir an 200 Euro pro Tag pro Kind.“ Suchtexperte Rainer Thomasius bezeichnete die Entwicklung als „absolut verheerend“.

Schätzungen zufolge sind rund 200.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland abhängig von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Zusätzlich gelten laut DAK-Suchtreport rund 1,5 Millionen Minderjährige als suchtgefährdet.

Neben klassischen Substanzen spielen dabei auch exzessiver Medien- und Gamingkonsum eine Rolle. Abwasserstudien aus deutschen Großstädten zeigen zudem steigende Werte bei Cannabis sowie hohe Belastungen durch Kokain und Amphetamine.

Teilweise liegen die gemessenen Werte auf dem Niveau westeuropäischer Spitzenreiter. Auch soziale Medien tragen laut Quelle zur Problematik bei. Unter Hashtags wie #pingtok kursieren auf TikTok-Videos mit offen gezeigtem Drogenkonsum, die millionenfach angesehen werden.

Am bisherigen Standort der Klinik sollen künftig therapeutische Wohngruppen entstehen. Die ambulante psychiatrische Versorgung übernimmt das Klinikum Oldenburg. Der Vorstand des Leinerstifts bezeichnet dies jedoch als „Kein adäquater Ersatz“.

Die Klinik vereinte bislang Ärzte, Psychotherapeuten, Heilpädagogen und Erziehende unter einem Dach. Viele der behandelten Jugendlichen litten zusätzlich unter Traumata, Depressionen oder Angststörungen.

Die Finanzierung der neuen Wohngruppen soll künftig über die jeweiligen Kommunen erfolgen. Welche Angebote konkret verfügbar sein werden und wann sie starten, ist derzeit noch unklar.

Quelle: Loop Rituals

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