
Costa da Caparica hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der spannendsten Orte für elektronische Open-Air-Kultur rund um Lissabon entwickelt. Das DHB Festival Portugal passt genau in diese Entwicklung. Bei der vierten Ausgabe am 18. und 19. September wurde erneut deutlich, warum dieses Format an diesem Ort funktioniert: nicht trotz des Strandes, sondern wegen ihm.
Das Gelände liegt direkt am Atlantik, und genau das bestimmt die Dynamik des Festivals. Tagsüber ist die Atmosphäre vergleichsweise entspannt, viele Besucher bewegen sich zwischen Dancefloor, Strand und den ruhigeren Bereichen des Geländes. Gegen Abend verändert sich die Stimmung spürbar. Wenn die Sonne über dem Meer untergeht, wird aus dem Beach-Setting zunehmend ein klassischer Festivalfloor. Dieser natürliche Wechsel zwischen Tag und Nacht gehört zu den stärksten Momenten des Wochenendes.
Musikalisch blieb DHB seinem eigenen Kosmos treu, ohne sich dabei auf nur eine Spielart von House festzulegen. Der Freitag war stärker von Groove und Tech-House geprägt. Beltran, Carlita, Josh Baker und Rafael standen dabei exemplarisch für einen Sound, der zugänglich bleibt, aber trotzdem genug Tiefe für längere Sets mitbringt. Gerade in den späteren Stunden funktionierte diese Mischung besonders gut, weil die Musik mit zunehmender Dunkelheit automatisch mehr Druck bekam.

Der Samstag wirkte insgesamt etwas tiefer und reduzierter. Luciano war dabei einer der prägendsten Acts des Wochenendes. Sein Set passte hervorragend zu einem Festival, das nicht auf maximale Härte setzt, sondern auf Bewegung, Atmosphäre und einen fließenden Übergang zwischen verschiedenen House-Spielarten. Bedouin und Ahmed Spins schlugen teilweise eine organischere und melodischere Richtung ein, ohne dass das Programm dadurch auseinanderfiel. Was auffällt: DHB Portugal versucht nicht, wie ein riesiges internationales Festival zu wirken. Genau das ist wahrscheinlich eine seiner größten Stärken. Das Gelände bleibt überschaubar, die Wege kurz und die Atmosphäre dadurch persönlicher. Trotz rund 6.000 Gästen entstand selten das Gefühl, sich durch eine anonyme Masse bewegen zu müssen.

Auch abseits des Floors wurde das Strandkonzept konsequent weitergedacht. Food-Bereiche, Chill-out-Flächen und kleinere Angebote waren eher Ergänzung als eigenes Spektakel. Das Entscheidende blieb der Ort selbst: Sand, Meer und Musik. Gerade weil der Aufbau nicht versucht, den Strand zu überdecken, sondern ihn sichtbar lässt, entwickelt das Festival eine sehr eigene Identität. Dazu kommt die Mischung aus internationalen Gästen und der portugiesischen Szene. Gerade in der Region Lissabon und Costa da Caparica entsteht aktuell eine interessante Club- und Open-Air-Kultur, die nicht einfach Kopie anderer europäischer Hotspots sein möchte. DHB Portugal ist inzwischen ein Teil davon.
Nach vier Ausgaben hat das Festival sein Profil ziemlich klar gefunden. Es geht weniger um Superlative als um Setting, Auswahl und Atmosphäre. Und wenn am Abend die Sonne hinter dem Atlantik verschwindet und der Strand langsam zum Dancefloor wird, versteht man ziemlich schnell, warum dieses Konzept hier so gut funktioniert.