Erzähle mit der Musik eine Geschichte. Wie das geht? Das beweist Detroit-Altmeister Robert Hood  eindrucksvoll mit seinem neuen Album „Motor: Nighttime World 3“, das am 17. September auf dem belgischen Label Music Man Records erscheinen wird. Schon die Tracklist der mit zwölf Stück bepackten LP lässt erahnen, dass Mr. Hood eine Menge Arbeit und Herzblut in die letzte Auskopplung von „Nighttime World“, die 1995 auf dem östereichischen Cheap Label startete, investiert hat. Minimalistisch und experimentell, beeinflusst vom 70er und 80er Jahre Sound, der ihn damals selber prägte, wie er sagt, als er das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung kam auf dem Weg zur Schule mit dem Discman in der Hand. „Nighttime World 3 ist eine historische Lektion“, so Robert. Eine Lektion über den wirtschaftlichen Niedergang Detroits und die Situation der Menschen, die hier leben. Gleichzeitig aber auch ein Lichtblick und Hoffnung für diesen trostlosen Platz, der sich die letzten Jahrzehnte zur Wirtschaftsruine Amerikas entwickelt hat. Die ersten sechs Tracks, unter anderem „Motor City“, „Better Life“, „The Wheel“ und „Black Technican“ schildern den Weg von Alabama nach Detroit, auf den sich Robert damals mit seiner Familie machte, wie viele seiner Landsleute, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der futuristisch wirre Sound erinnert an Fließbandarbeit im Akkord, an der auch sein Großvater und sein Onkel Teil hatten, die für die Automobilgiganten Chrysler und GM arbeiteten. Man merkt sofort, dass in der LP, in der laut Robert drei Jahre Arbeit und viele Emotionen stecken, was letztendlich natürlich an seinem eigenen Background und dem besonderen Bezug zu Detroit liegt. Eine wichtige Inspiration war auch die Dokumentation „A Requiem For Detroit“ von Julien Temple. „Wer sich für die Geschichte Detroits interessiert und das Album nicht nur hören, sondern auch verstehen möchte, sollte dich unbedingt die Reportage anschauen“, rät Robert seinen Fans. Das Album sei ohnehin nur bedingt clubtauglich, es sei „eher etwas für die Leute die zuhören“. Die zweite Hälfte des Albums wirkt vom Sound düsterer, trister, was aber wiederum ins Gesamtbild passt. Mit Tracks wie Hate Transmissions, Slow Motion Katrina und dem letzten Track des Albums A Time To Rebuild endet die Geschichte, die Mr. Hood mit Nighttime World 3 erzählen möchte. Großen Anteil an dieser in sich sehr stimmigen LP hat nicht zuletzt die Namensgebung der Tracks und dem bei jedem Track  individuell dazu passenden Sound, welcher dem Zuhörer sofort das Gefühl vermittelt,  Teil einer Geschichte zu sein. Eben der Geschichte von Robert und seinem geliebten Detroit, das für ihn noch lange nicht von der Landkarte verschwunden ist. Seinen persönlichen Beitrag für eine bessere Zukunft in der Stadt hat Robert zweifellos geleistet. Verändern kann und will Robert jedoch nichts, denn die Zukunft Detroits liegt „alleine in der Hand Gottes“, wie er sagt.


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Text: Sebastian Nicolini