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Fest in der elektronischen Musikwelt verwurzelt und mit zahlreichen Releases auf micro.fon, Kiddaz.fm und CLR, steht DJ Emerson für abwechslungsreichen, technoiden Sound. Für euch und für uns, aber auch sich selbst stand er nun an den Decks, um den aktuellen Download-Mix zu fertigen. Wieso für sich selbst? Weil er die Musik liebt, weil er die Kick und den Bass braucht, und weil er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Lass uns über deine ersten Gehversuche in der Musikwelt sprechen. Mittlerweile bespielst du ja Veranstaltungen auf der ganzen Welt und platzierst deine eigenen Arbeiten nicht nur auf den eigenen Labels, sondern auch auf CLR, eines der renommiertesten Plattformen unserer Szene. Dass sich dieser Erfolg nicht von heute auf morgen einstellte, ist klar. Wie hast du deinen Weg zur elektronischen Musik gefunden?
„Ich habe Musik schon immer über alles geliebt. Dazu kamen Neugier und Eifer, denn die Sachen, die ich toll fand, wollte ich auch immer selbst spielen oder produzieren können. Über Umwege landete ich schließlich bei elektronischer Musik, das war so um 1994, ’95. Dann war recht schnell klar, das möchte ich machen und ich bin nach Berlin gegangen um meinen Traum zu verwirklichen.“

Nach Berlin also. Was hat dich denn zu Beginn deiner Karriere inspiriert – oder war es eher ein bestimmter Künstler, an dem du dich orientiert hast?
„Ich habe nie wirklich andere DJs als Vorbilder gesehen, trotzdem gibt es immer wieder Leute die mich inspirieren und begeistern. Zum Beispiel Dr. Dre, weil er seit 30 Jahren qualitativ hochwertige Musik veröffentlicht. Für mich als Tennisfan sind Roger Federer und Rafael Nadal ebenso eine große Inspiration, denn sie hören einfach niemals auf zu kämpfen. Auch Leute wie Hans Söllner, der immer seinen Mund aufmachen und nicht Müde wird für seine Ideale zu stehen, sind ein wichtiger Einfluss für mich. An DJs, die mich beeinflusst haben, kann ich eigentlich nur DJ Hell nennen. Er war es, der mir gezeigt hat, was die richtige Platte im richtigen Moment bewirken kann und dass man sich immer trauen sollte, auch mal einen Track zu spielen, der völlig aus dem Rahmen fällt.“

Niemals aufgeben, für seine Ideale gerade zu stehen oder die Erwartungen des Publikums ständig übertreffen zu wollen, das birgt einige Schwierigkeiten. Wie war das bei dir, womit hattest du bisher am meisten zu kämpfen?
„Eine der größten Hürden war für mich, das Produzieren zu erlernen. Als DJ fasste ich sehr schnell Fuß in der Szene, meine Fähigkeiten als Produzent waren allerdings zu diesem Zeitpunkt noch völlig unterentwickelt. Beim Lernen hat mir vor allem mein Kumpel Circuit Breaker viel geholfen, mit dem ich auch heute noch jede Woche im Studio zusammenarbeite. Vor einem Jahr bin ich, was die Technik angeht, beim Auflegen umgestiegen. Das ist auch immer eine große Herausforderung. Ich spiele jetzt mit vier Nexus CD-Playern, einem Allen & Heath Xone:92 und einem Effektgerät – zuvor war ich mit zwei Laptops und Traktor unterwegs und davor natürlich mit Vinyl. Ich werde manchmal ernsthaft gefragt, ob ich überhaupt auch mit Vinyl auflegen kann. Da muss ich immer etwas lachen …“

Wo wir nun beim Thema wären, denn von dir stammt schließlich auch der Download-Mix für diesen Monat. Womit du ihn erstellt hast, wissen wir jetzt, aber welche Tracks hast du dir dafür ausgesucht?
„Im Mix findet ihr sehr viele meiner Lieblingstracks. Stücke, die ich sehr oft spiele, und auch ein paar Sachen, die sich mehr zum Anhören eigenen als das ich sie jetzt in einem Peaktime-Clubset spielen würde. Am besten hört ihr euch das ganze selbst an.“

Abgesehen vom Download-Mix bist du gerade sowieso sehr fleißig im Studio. Wie ich hörte, schraubst du an einem neuen Album?
„Ja, ich will unbedingt ein tolles neues Album machen. Mein bisher letztes, „Suck my Deck“, kam 2004 raus – also vor über zehn Jahren. Da steigen mit der Zeit natürlich auch die Erwartungen. Viel mehr kann ich wirklich noch nicht dazu sagen (lacht). Am liebsten würde ich es natürlich auf meinem eigenen Label micro.fon veröffentlichen. Vielleicht gibt es da aber auch noch eine Überraschung, was das Label angeht.“

Bleiben wir doch direkt im Studio. Womit arbeitest du hier?
„Ich arbeite hauptsächlich mit Ableton und Plug-ins am Laptop. Bei Circuit Breaker im Studio arbeiten wir mit Logic und abgemischt wird alles in ProTools bevor es zum Mastering geht. Bei jeder Produktion benutze ich zwei simple aber sehr effektive Plug-ins und zwar das Ableton interne Utility Plug-In und einen 8-Band EQ auf jeder Spur damit ich mir das alles räumlich und von den Frequenzen so legen kann wie ich es brauche.“

Einige Künstler haben und verwenden in ihren Produktionen sehr viel analoges Equipment, sie brauchen unheimlich viel Platz und ein riesiges Studio. Andere produzieren voll digital und legen mehr Wert auf Flexibilität und Spontaneität. Obwohl beide Seiten Erfolg haben, die Diskussionen um analog und digital werden immer wieder laut. Was also ist nötig für „guten“ Techno?
„Für guten Techno braucht man im Prinzip nur musikalisches Talent und ein bisschen Sinn für eine gewisse Einfachheit und Monotonie. Man muss auch einfach vieles anders machen als man eigentlich sollte, das ist auch ganz wichtig. Wie man das dann technisch umsetzt ist sowohl im Studio als auch am DJ Pult völlig nebensächlich.“

Neben deiner Arbeit als Musiker kümmerst du dich auch noch um micro.fon und Kiddaz? Wie muss ich mir deinen Tagesablauf vorstellen?
„Fast jeder meiner Tage beginnt zuerst einmal mit Sport. Nachmittags gehe ich ins Studio, abends mache ich meist Zuhause noch Musik oder schaue Sport im Fernsehen. Einige Stunden am Tag kümmere ich mich um micro.fon und bin in Kontakt mit meiner Agentur wegen anstehender Gigs. Um Kiddaz kümmert sich hauptsächlich Holgi Star. Neben all der Arbeit hänge ich natürlich auch einfach nur mal mit meiner Freundin oder meinen Kumpels ab.“

Nach einigen Jahren in der Musikbranche ist es ein gängiger Zug vieler DJs und Produzenten ein eigenes Label zu gründen. Du hast gleich zwei. Welche unterschiedlichen Ideen verfolgst du mit micro.fon und Kiddaz?
„Das hat sich einfach mit der Zeit entwickelt. Mit micro.fon haben wir in einer Zeit angefangen, in der alles aufgeräumter und langsamer wurde, das hätte auf Kiddaz einfach nicht gepasst. Wir müssen da jetzt sowieso mal schauen wie es weitergeht, denn im Moment liegt das Kiddaz Label ja auf Eis. Holgi und ich haben da jedoch einige neue Ideen und vielleicht wird es da bald Neuigkeiten geben!“

Als Labelhead ist man oft für die musikalische Ausrichtung sowie Weiterentwicklung verantwortlich. Um kostendeckend zu arbeiten, ist da ein Gefühl für den Markt notwendig. Wie ist dein momentaner Eindruck der Musikbranche?
„Es hat sich schon länger angedeutet, aber der Trend geht gerade ganz deutlich zurück zum Techno der etwas deeperen Spielart. Immer mehr Leute sind einfach abgenervt von diesem belanglosen EDM-Scheiß und wissen ehrliche Techno-Musik sehr zu schätzen.“

Die ganze Szene der elektronischen Musik ist in den letzten Jahren so extrem gewachsen, dass sie sich zu einem richtigen globalen Geschäft entwickelt hat. Je professioneller die Branche, desto mehr leidet die Kreativität und künstlerische Freiheit, denn es gilt Erwartungen zu erfüllen. Wie erlebst du das?
„Nun ich muss sagen, ich habe immer gemacht, worauf ich Lust hatte. Ich kann das leider auch gar nicht anders. Dazu kommt das Glück, ständig Leute zu treffen, die mich in meinem Tun unterstützen. Aber ich hab mir ehrlich gesagt noch nie überlegt, ob ich irgendwas machen kann oder sollte, weil die Leute es von mir erwarten. Ich mache mir manchmal eher Gedanken, ob ich es verantworten kann, irgendwelche bescheuerten Fotos mit meinen Kumpels auf Facebook zu posten – aber was meine eigene Musik angeht, bin ich da völlig unbeeinflusst.“

Können wir für das restliche Jahr also noch neue Musik erwarten?
„Also gerade habe ich einen Remix für Sisyphon, dem neuen Label des Sisyphos Clubs, fertig gemacht. ‚Full Moon Falcon‘ heißt das gute Stück und ist von Fidelity Kastrow. Meine EPs für micro.fon und CLR wurden ja vor nicht allzu langer Zeit veröffentlicht. Außerdem kommt noch eine EP auf dem mexikanischen Label Illegal Alien, zusammen mit Angel Costa. Und dann habe ich einige neue Sachen fertig, bei denen ich noch nicht genau weiß, wohin sie gehen.“

Eine letzte Frage zum Schluss. Laufend entwickeln sich deine Fähigkeiten bei der Musikproduktion weiter und wie du selbst schon sagtest, bleibt auch der Musikgeschmack davon nicht verschont. Da du nichts auf die Erwartungen anderer gibst, könnte es doch gut sein, dass du in den nächsten zehn Jahren komplett das Genre wechselst, Filmmusik produzierst oder Teil einer Jazz-Band wirst?
„Also an meiner musikalischen Endstation bin ich noch lange nicht. Ich höre so viel Musik, da entwickelt man sich immer irgendwie weiter. Aber ich muss sagen, ich stehe einfach auf düstere monotone Musik, deshalb stehen die Chancen schlecht für Jazz. Ich bin auch einfach Bassfetischist. Ich brauche eine ordentliche Kickdrum und eine Bassline sonst ist das für mich keine Musik. Filmmusik oder HipHop, sowas könnte ich mir schon vorstellen. Hauptsache nicht fröhlich.“ /Gutkind